Schriftstellerin

Rosamunde Pilcher ermöglichte die Flucht in eine andere Welt

Rosamunde Pilcher am Drehort einer Verfilmung ihrer Bücher in Cornwall.

Rosamunde Pilcher am Drehort einer Verfilmung ihrer Bücher in Cornwall.

Foto: David Bebber / ddp/News Licensing

Die weltbekannte Schriftstellerin ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Trotz globalen Ruhms blieb sie bescheiden.

Berlin.  Grüne Wiesen, steile Klippen und eine Liebesgeschichte – in Rosamunde Pilchers Texten ist die Welt noch in Ordnung. Als „Königin des Kitschs“ wurde sie dafür verspottet. Ihr Erfolg – und vor allem der der deutschsprachigen Verfilmungen – aber sprach für sich. Nun ist die britische Autorin an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Pilcher wurde 94 Jahre alt.

Nach Angaben ihre Sohnes Robin ging es Pilcher bis Weihnachten gesundheitlich noch sehr gut. Um den Jahreswechsel herum habe sie aber eine Bronchitis bekommen, mit der sie bis zuletzt zu kämpfen hatte. Am Sonntag dann hatte sie einen Schlaganfall. „Sie war seitdem nicht mehr zu Bewusstsein gekommen“, sagte Robin Pilcher dem „Guardian“.

Sie verkörperte ein Großbritannien, das so vielleicht schon immer nur in Romanen existierte. Ein Großbritannien, in dem die Menschen in Herrenhäusern mit schweren Brokatvorhängen wohnen, in dem die Natur rau und urwüchsig ist und in dem Männer noch galant um die Hand einer Lady anhalten. Die Geschichten, die sie erzählte, von Liebe und Schmerz, von Hoffnung und Trauer, sind zeitlos – und wirkten doch immer etwas aus der Zeit gefallen.

Pilcher war Sekretärin im Außenministerium

Das hängt vielleicht mit Pilchers Biografie zusammen. Denn sie wurde 1924 in eine Welt zwischen zwei Weltkriegen und in ein zusammenfallendes Weltreich Großbritannien hineingeboren.

Während sie bei der Mutter in Cornwall aufwuchs, leistete der Vater seinen Dienst als Marineoffizier in der damaligen britischen Kolonie Burma. Nach der Schulzeit arbeitete Pilcher als Sekretärin im Außenministerium und im staatlichen Auftrag in Sri Lanka und Indien. Schließlich heiratete sie den schottischen Textilunternehmer Graham Pilcher – daher auch der deutsch klingende Nachname.

Pilcher schrieb zunächst meist nur nachts

Die Rollenverteilung war so wie in vielen ihrer Geschichten: Der Mann ging arbeiten, sie kümmerte sich zu Hause um die vier Kinder. Nur eine Freiheit nahm sie sich: das Schreiben. Zunächst Kurzgeschichten für Magazine unter Pseudonym und meist nachts, wenn die Kinder schliefen. Erst mit rund 40 Jahren dann ganz öffentlich.

Der Erfolg kam spät, aber gewaltig: Mit „Die Muschelsucher“ gelang ihr 1987 ein Weltbestseller. Fortan lieferte Pilcher fast jährlich neue Romane ab – und dem ZDF Vorlagen für Filme. „Stürmische Begegnung“ hieß die erste Verfilmung. Bis Januar dieses Jahres folgten 143 weitere.

Die Filme haben das Bild der Deutschen von England in den vergangenen 25 Jahren geprägt – selbst der Tourismus in Cornwall, wo die meisten Geschichten spielen, lebt davon. Von der Queen wurde sie zum Dank dafür in den Ritterorden aufgenommen.

Pilchers Bücher wurden mehr als 60 Millionen Mal verkauft

Pilcher selbst lebte in den vergangenen Jahren zurückgezogen in Schottland. Ihr letztes Buch veröffentlichte sie bereits im Jahr 2000. Mit ihrer Popularität, vor allem in Deutschland, konnte sie nie viel anfangen. Das läge ohnehin mehr an den Filmen, weniger an ihren Geschichten, sagte sie stets in Interviews.

Natürlich war auch das ein wenig britisches Understatement. Ihre Bücher verkauften sich mehr als 60 Millionen Mal – und bieten ihren Lesern vermutlich genau das, was Pilcher hoffte: „Lesen ist eine Art von Flucht in eine andere Welt. Lesen soll wie ein Urlaub sein.“ Und im Urlaub hat man eben auch gerne mal Liebe, Kitsch und heile Welt.