Israel

Darum tummeln sich vor Israels Küste ungewöhnlich viele Haie

Ein Hai schwimmt vor Israels Mittelmeerküste. Dort sind in den vergangenen Monaten ungewöhnlich viele Haie gesichtet worden. Sie sammeln sich im flachen Wasser vor dem Küstenort Chadera, rund 50 Kilometer nördlich von Tel Aviv.

Ein Hai schwimmt vor Israels Mittelmeerküste. Dort sind in den vergangenen Monaten ungewöhnlich viele Haie gesichtet worden. Sie sammeln sich im flachen Wasser vor dem Küstenort Chadera, rund 50 Kilometer nördlich von Tel Aviv.

Foto: Hagai Nativ / dpa

Vor der Küste Israels tummeln sich massenhaft Haie. Angezogen werden sie offenbar von warmem Wasser aus einem nahegelegenen Kraftwerk.

Chadera/Berlin.  In großen Scharen tummeln sich derzeit Haie vor der Mittelmeerküste Israels. Seit Ende November hält das Naturspektakel vor der Küste der 80.000-Einwohner-Stadt Chadera, rund 50 Kilometer nördlich von Tel Aviv entfernt, bereits an.

„Hier tummeln sich manchmal 50 bis 100 Haie“, sagte Meeresforscher Ejal Bigal der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem Sandbank- und Schwarzhaie begeben sich derzeit in die Nähe der Küstenstadt.

Laut Bigal würden sie von einem unnatürlichen Phänomen angezogen: Ein nahe gelegenes Kraftwerk pumpt warmes Wasser ins Meer. Die Wärme ziehe die Raubfische an. „Mitten im Jacuzzi“, scherzt Meeresforscher Bigal.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vor der Küste Israels sammeln sich im Winter regelmäßig viele Haie
  • Forscher glauben, dass das warme Wasser eines nahegelegenen Kraftwerks die Haie anzieht
  • Auch der Klimawandel begünstige die steigende Wassertemperatur
  • Bis Mai wird das Phänomen wohl noch anhalten

Im Winter kommen immer wieder Haie vor die israelische Küste

Ein weiterer Grund für den Andrang der Haie sei laut dem Wissenschaftler der Universität Haifa der Fischreichtum in der Region. Immer wieder kommt es im Winter zu erhöhtem Haiaufkommen vor der Küste Israels.

Vor zwei Jahren tummelten sich bereits ähnlich viele Haie vor der Küste Israels. Die indische Zeitung „Hindustan Times“ veröffentlichte damals ein Video, bei dem die Haischaren aus der Luft deutlich zu erkennen waren:

Meeresforscher Bigal stattet die Raubfische daher mit Ortungsgeräten aus, um herausfinden zu können, wie das Wanderverhalten der Tiere ist. Es zeigt sich: Vor Chadera herrscht eine rege Fluktuation. Von 41 Tieren, die von Bigal einen Sensor erhalten haben, seien nur zwei Sandbankhaie in diesem Jahr wieder aufgetaucht, die übrigen Artgenossen seien Neulinge.

Klimawandel sei ebenfalls ein Faktor für den Andrang der Haie

Dieses Phänomen begründet Bigals Kollege Aviad Scheinin, der ein Haiforschungsprojekt vor der Küste Israels leitet, mit einem weiteren Phänomen: dem Klimawandel.

„Die Winter sind nicht mehr so kalt wie früher und daher für die Haie kein limitierender Faktor mehr“, sagte Scheinin der AFP. „Viele neue Haiarten kommen aus kälteren Gebieten und bilden Populationen im östlichen Mittelmeerraum“, erklärt Scheinin.

Das warme Wasser stimuliere laut Scheinin den Stoffwechsel der Haie, verbessere ihre Atemzyklen und erleichtere ihre Schwangerschaften. Daher sei die Küste vor Chadera ideal für die Raubfische.

Bis Mai werden sich viele Haie vor Israels Küste tummeln

Der Andrang der Haie werde wohl noch bis Mai beobachtbar sein, ehe die Tiere im Sommer sich erfahrungsgemäß wieder in kühlere Gewässer zurückziehen würden.

Für Meeresforscher wie Bigal bietet das Phänomen eine Chance: Wenn sie sonst Haie untersuchen wollen, müssen sie diese meist umständlich aus dem Wasser ziehen, untersuchen und später wieder in die Freiheit entlassen. Nun können sie die Tiere direkt im Wasser untersuchen.

Allerdings würden die natürlichen Lebensbedingungen der Tiere nicht vollständig abgebildet. Immerhin ist die Warmwasserquelle künstlich entstanden. Außerdem würden laut Bigal viele Taucher die Gelegenheit nutzen, um zwischen den Raubfischen auf Erkundungstour zu gehen. „Man wird ‚Shark Watching‘ nicht verhindern können“, meint Bigal.

Vor der Küste Hawaiis hatten im Januar Taucher für Aufsehen gesorgt, die mit einem sechs Meter langen weißen Hai getaucht waren.

Leichte Beute für Fischer

Zugleich sieht Bigal im Interesse der Menschen eine Chance, Aufklärungsarbeit zu leisten. Denn Haie seien enorm wichtig für das Ökosystem, weil sie kranke Meerestiere fressen und Populationen anderer Spezies kontrollieren würden.

In der Regel greifen Haie keine Menschen an. Trotzdem kommt es immer wieder zu Attacken:

95 Prozent der Mittelmeer-Haie seien ausgerottet worden

Aus Forschersicht seien die Haie deswegen so interessant, weil in den vergangenen 100 Jahren rund 95 Prozent der Mittelmeer-Haie ausgerottet worden seien.

Bigal begründet die Ausrottung mit zwei Faktoren: Einerseits würden sich Haiarten wie Sandbankhaie bevorzugt in flachen Gewässern aufhalten. Dort seien sie leichte Beute für Fischer. Andererseits würden sich Sandbankhaie erst sehr spät fortpflanzen – oft erst nach 20 Jahren.

(tki/dpa)