Rückblick

Forscher, die Lego schlucken: Die verrücktesten Studien 2018

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Oktopusse auf Ecstasy, Experimente mit Hundekot – 2018 geizte nicht mit skurrilen Studien. Eine Auswahl der kuriosesten von ihnen.

Berlin.  In der Brust eines Pavians schlug über Wochen das Herz eines genmanipulierten Schweins, in China kamen angeblich HIV-resistente Babys zur Welt und Computer lernten, eloquenter zu diskutieren als ihre menschlichen Kontrahenten. Das Jahr 2018 beeindruckte mit Forschung, deren Spek­trum von bahnbrechend bis beängstigend reichte.

Einige Forscher machten aber auch mit skurrilen Aktionen auf sich aufmerksam. Sie durchforsteten etwa eine Auswahl an Hundeexkrementen, suchten in eigenen Hinterlassenschaften nach Verschlucktem oder prüften die heilende Kraft der Voodoo-Puppe. Eine Auswahl der kuriosesten Untersuchungen, die 2018 veröffentlicht wurden.

Furz-Score im Stuhltagebuch

Kinder verschlucken häufig Dinge, besonders gerne Münzen. In der Regel kommen diese ohne Schaden für Kind und Währung wieder heraus. Doch wie steht es um andere Gegenstände, fragte sich ein Team von Wissenschaftlern mehrerer australischer Universitäten sowie des Royal Hospital in London.

Glaubt man der auch online im „Journal of Paediatrics and Child Health“ veröffentlichten Studie, schluckten die sechs Autoren – drei Frauen, drei Männer – selbst je den Kopf einer Lego-Figur und prüften, wann dieser sich wieder blicken ließ. In einem Stuhltagebuch erfassten sie Härte, Häufigkeit sowie die Fundzeit mithilfe des Found and Retrieved Time (FART, zu deutsch Furz) Scores.

Nach durchschnittlich 1,7 Tagen seien die Lego-Köpfchen wieder aufgetaucht, Eltern müssten sich also nicht sorgen. Allerdings sei die Aussagekraft ihrer Untersuchung begrenzt, schreiben die Autoren augenzwinkernd. So sei etwa keine Anonymisierung möglich gewesen, da keiner der Forscher die Hinterlassenschaften der Kollegen durchsuchen wollte.

Mehr Parasiten in nicht entsorgtem Hundekot

Mit größerem Ernst prüften Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien rund 1000 Hundehaufen auf ihren Keimgehalt. Sie verglichen dabei unter anderem aus Mülleimern gefischte Haufen im Plastikbeutel sowie „Würstchen“ von der Straße.

Ergebnis: Nicht entsorgter Kot enthielt mehr Parasiten wie etwa den Hundespulwurm. Wer die Haufen seines Hundes nicht entsorge, kümmere sich womöglich auch weniger um die Gesundheit des Tieres, mutmaßten die Forscher im November im Fachblatt „Veterinary Parasitology“.

Oktopusse auf Ecstasy sind sozialer

Weniger um die Tiergesundheit als um deren Bewusstseinserweiterung ging es dem Meeresbiologen Eric Edsinger und dem Neurowissenschaftler Gül Dölen, die Oktopussen Ecstasy verabreichten. Ähnlich wie Menschen hätten sich die Meeresbewohner nach Einnahme der Droge viel sozialer verhalten, schrieben die US-Forscher in „Current Biology“.

Die Verhaltenssteuerung ähnele sich also offenbar, was darauf hindeute, dass der Mensch sich in diesem Punkt seit seiner evolutionären Trennung vom Oktopus vor rund 500 Millionen Jahren nicht maßgeblich weiterentwickelt habe.

Satire-Preis für Voodoo-Puppen-Forschung

Darauf lässt auch eine Studie von Forschern der kanadischen University of Waterloo schließen. Sie gingen davon aus, dass Arbeitnehmer, die von ihrem Chef angeschrien, lächerlich gemacht oder anderweitig unfair behandelt werden, vor allem eines im Sinn haben: Rache.

Man wolle zwar niemanden dazu ermutigen, dennoch könne Rache ein Gefühl von Gerechtigkeit wiederherstellen, schrieben die Autoren in der Februarausgabe der Fachzeitschrift „The Leadership Quarterly“. In Versuchen mit knapp 200 Probanden sei das vor allem mithilfe einer Voodoo-Puppe gelungen, die den Vorgesetzten repräsentiere.

Diese durften die Test-Personen quälen. Danach sei es vielen besser gegangen. Für ihre Untersuchung bekamen die Forscher den diesjährigen Ig-Nobelpreis in der Kategorie Ökonomie – kurz für ignoble (unwürdig). Der Satire-Preis wird jährlich an Forschung vergeben, die Lachen und Nachdenken gleichermaßen fördert.

Briefmarken als Impotenz-Messer

Mit reichlich Verspätung würdigte das Ig-Nobelpreiskomitee in diesem Jahr auch eine Studie aus dem Bereich Reproduktionsmedizin. Schon 1980 hatten drei Urologen der University of Oregon in den USA Impotenz mithilfe von Briefmarken untersucht. Sie klebten eine Reihe aneinander hängender Briefmarken über Nacht ringförmig um die Geschlechtsteile von 22 potenten und elf impotenten Männern.

Bei den potenten Probanden waren die perforierten Linien zwischen den Marken am Morgen gerissen, ein Hinweis auf eine nächtliche Erektion, hieß es damals im Fachblatt „Urology“. Bei den impotenten Männern hingen die Marken noch zusammen. Eine hilfreiche Screening-Methode, folgerte man damals. Alle drei Autoren, mittlerweile um die 70 Jahre alt, erschienen im September dieses Jahres persönlich in der Elite-US-Uni Harvard, wo der Scherzpreis jährlich vergeben wird.

Altersfreigabe für Filme je nach Schweiß-Menge?

Nervös wirkten die rüstigen Mediziner dabei keineswegs, wie Videos der Verleihung zeigen. Ob sie ihre Aufregung nur gut überspielt haben, hätte man auch an ihren Ausdünstungen erkennen können. Dieses Konzept erklärten Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz im Oktober in der renommierten Fachzeitschrift „Plos One“. In elf Kinosälen mit 13.000 Probanden untersuchten sie, was beim nervösen Zappeln oder entspannten Lümmeln im Kinositz aus Mund und Achseln entweicht.

Gradmesser dafür, wie aufregend ein Film ist, soll demnach der Kohlenwasserstoff Isopren sein. Er entsteht beim Stoffwechsel und wird in den Muskeln gespeichert. Wer im Sitz herumrutscht, die Hände knetet oder die Knie aneinanderpresst setzt Isopren frei. Über Haut und Atem gelangt der Stoff in die Kinoatmosphäre.

Je höher der Gehalt, desto aufregender der Film, attestierten die Max-Planck-Forscher und schlugen ihre Ausdünstungsmessung als neue Methode zur Bestimmung der Altersfreigabe für Filme vor. Zunächst soll sich ihr Test aber in weiteren Filmen bewähren.

Wer jemanden nicht gut riechen kann, ist rechts

Was der Mensch ausströmt, soll sogar Aufschluss über seine politische Gesinnung geben, erklärten Wissenschaftler der Universität Stockholm im Februar im „Royal Sciety Open Science“-Magazin. Bei der sogenannten Open-Access-Zeitschrift wird auf eine kritische Gegenprüfung von Fachkollegen verzichtet. Die Forscher ließen 201 Probanden an fremdem Schweiß schnüffeln und fragten zuvor ihre politischen und sozialen Präferenzen ab.

Das Ergebnis: Je abstoßender die Test-Person fremden Schweißgeruch fand, umso weiter rechts auf dem politischen Spektrum ließ sie sich einordnen. Dieser Zusammenhang sei womöglich damit zu erklären, dass man auch in autoritären Systemen versuche, Fremde auf Abstand zu halten, glauben die Autoren.

Affen imitieren genauso gut wie Menschen

Eine tolerantere Linie, sogar über Artengrenzen hinweg, verfolgten schwedische Kollegen der Universität Lund. Sie beobachteten, wie fünf Zoo-Schimpansen mit Besuchern interagierten. Sowohl Menschen als auch Schimpansen nahmen demnach Kontakt miteinander auf, indem sie sich gegenseitig imitierten.

Das machten die Primaten genauso häufig und genauso gut wie ihre menschlichen Verwandten, erklärten die Autoren in der Januar-Ausgabe des Fachblatts „Primates“. Als besonders intensiv galt die Kommunikation, wenn die Affen bemerkten, dass die Besucher sie nachahmten und sie diese ihrerseits imitierten. Dieses Verhalten hatte man bislang nur dem Menschen selbst zugetraut.