Schicksal

Wie ein syrischer Flüchtling seit Monaten im Flughafen lebt

Ausreise verweigert: Hassan al-Kontar sitzt am Flughafen in Kuala Lumpur seit über fünf Monaten fest.

Ausreise verweigert: Hassan al-Kontar sitzt am Flughafen in Kuala Lumpur seit über fünf Monaten fest.

Foto: @Kontar81/Twitter

Der syrische Flüchtling Hassan al-Kontar sitzt seit fünf Monaten im Flughafen in Kuala Lumpur fest. Dort wurde er zum Twitter-Hit.

Kuala Lumpur.  Hassan al-Kontar schläft unter einer Rolltreppe des Flughafens in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Dort habe er ein bisschen Ruhe vor den Passagieren, erklärt der Syrer. Lange schlafen könne er dennoch nicht – grelle Lichter und der Lärmpegel hielten ihn wach.

Seit über fünf Monaten sitzt al-Kontar laut Radiosender „WDR Cosmo“ nun schon an dem Flughafen fest. Kein Land gewährte ihm Asyl oder ein Visum. Dann begann al-Kontar zu twittern. In seinen Beiträgen beschreibt er den Alltag am Flughafen. Inzwischen zählt sein Account über 14.000 Follower.

Syrischer Flüchtling darf Flughafen nicht verlassen

Vor einigen Tagen postete er ein Video, das ihn bei seinem körperlichen Training im Flughafen zeigt. „Obwohl ich an Gewicht verliere“, schreibt er, „mache ich Kraftübungen, versuche, meine verfügbaren Ressourcen zu nutzen.“

Andere Bilder zeigen den 36-Jährigen beim Stricken auf Sitzbänken des Wartebereichs oder gemeinsam mit einer Art rotem Kuscheltier-Alpaka, das er als sein „Haustier“ bezeichnet. Es ist wohl diese Mischung aus Ironie und Traurigkeit, die ihn zu einem Twitter-Star machte.

Al-Kontar möchte im Netz nicht nur seine kafkaeske Situation beschreiben. Er twittert auch für sein Recht, den Flughafen wieder verlassen zu dürfen. Das gestaltet sich bisher jedoch schwierig.

Al-Kontar hatte „The Star“ zufolge Jura an der Universität von Damaskus studiert, konnte dort jedoch nicht sein Studium abschließen. Daraufhin flog er in die Vereinigten Arabischen Emirate, arbeitete dort unter anderem als Versicherungsmanager. Sein Reisepass lief 2012 aus. Die syrische Botschaft in den Emiraten weigerte sich, al-Kontar einen neuen Pass auszustellen.

Al-Kontar ist auf Almosen angewiesen

Die syrischen Behörden forderten ihn auf, sich zum Militärdienst zu melden – dagegen weigerte er sich jedoch. Da er als Wehrdienstverweigerer nicht nach Syrien zurückfliegen wollte, reiste er nach Malaysia. Dort erhielt er ein Touristen-Visum, sammelte Geld, um zu Familienangehörigen nach Ecuador zu fliegen.

Doch nachdem er sein Flugticket kaufen konnte, verweigerte ihm die Fluggesellschaft den Zutritt zu der Maschine. Auch der Versuch, nach Kambodscha zu reisen, scheiterte. Weil sein Touristen-Visum bereits abgelaufen war, konnte er auch nicht mehr nach Malaysia einreisen. Also strandete er am Flughafen in Kuala Lumpur – nur einige persönliche Habseligkeiten waren ihm geblieben.

Ohne finanzielle Mittel ist er auf die Almosen des Flugpersonals angewiesen, um zu überleben. „Die Fluglinie Asia Air gibt mir etwas zu essen. So dankbar ich ihnen dafür auch bin, so langsam hängt mir das Essen echt zum Hals raus. Ich bekomme drei Mal am Tag genau dasselbe zu Essen“, schreibt al-Kontar in der „Huffington Post“.

Al-Kontar will nach Kanada ausreisen

Am liebsten würde al-Kontar in Kanada leben, das er als „großartiges Land“ bezeichnet. Eine Gruppe kanadischer Aktivisten wurde auf seine Situation aufmerksam, sammelte Geld für ihn, besorgte ihm einen Job.

Wiederum stellt jedoch der Asylantrag ein Problem dar. Denn es kann bis zu 26 Monate dauern, bis er angenommen wird – falls er überhaupt akzeptiert wird. Eine Petition auf der Fundraising-Plattform „change.org“ fordert Verantwortliche des kanadischen Migrationsministeriums daher auf, den Prozess zu beschleunigen und al-Kontar Asyl als Flüchtling zu gewähren.

Die Kampagne mit ungewissem Ausgang ist nur ein kleiner Hoffnungsschimmer für al-Kontar. Tag für Tag wird er deshalb weiter von seinem Leben im Flughafen berichten – und hoffen, dass er irgendwann als Passagier in eines der vielen Flugzeuge steigen kann, die die Terminals verlassen.