Thailand-Rettung

Höhlen-Drama: Einsatzleiter macht Job, den er nicht mehr hat

Der Leiter der Rettungsmission in Thailand: Narongsak Osottanakorn.

Der Leiter der Rettungsmission in Thailand: Narongsak Osottanakorn.

Foto: TYRONE SIU / REUTERS

Was er sagt, interessiert die Welt: Narongsak Osottanakorn leitet die Höhlen-Rettung in Thailand. Dabei sollte er längst woanders sein.

Chiang Rai.  Er könnte jetzt auch in der kleinen Provinz Phayao sitzen und langweilige Infrastruktur-Projekte abnicken. Doch Narongsak Osottanakorn hat ungleich Wichtigeres zu tun. Der frühere Provinz-Gouverneur von Chiang Rai leitet die schwierige Rettung der thailändischen Jugendfußballer, die seit dem 23. Juni in einer Höhle gefangen sind. Dabei wäre er dafür eigentlich gar nicht mehr zuständig.

„Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass die Kommandostruktur hier noch immer dieselbe ist“, sagte Narongsak denn auch Mitte der vergangenen Woche zu den vielen Reportern vor Ort. „Ich bin immer noch der Einsatzleiter, wie gewohnt.“

Narongsak wegen Kampf gegen Korruption versetzt?

Nötig war diese Versicherung, weil er seinen Job als Provinz-Gouverneur von Chiang Rai eigentlich längst verloren hatte – und damit auch das Kommando für den Rettungseinsatz. Wie das thailändische Nachrichtenportal „Khaosod“ berichtet, hatte Narongsak nur noch ein paar Tage im Amt, als die Kinder und ihr Betreuer in die Luang-Höhle kletterten. Im Newsblog erfahren Sie mehr über den Stand der Rettungsaktion.

Der studierte Geologe und Ingenieur war von Chiang Rai in die unbedeutendere Nachbarprovinz Phayao versetzt worden – nach nur einem Jahr. Kritiker werfen der Regierung vor, Narongsak aufgrund seines Einsatzes gegen Korruption auf diese Weise aus dem Weg schaffen zu wollen.

Narongsak: „Keine fragwürdigen Deals unter meiner Aufsicht“

Laut „Khaosod“ ordnete der Gouverneur während seiner einjährigen Amtszeit die Untersuchung eines umgerechnet rund 8 Millionen Euro schweren Regierungsprojektes an und weigerte sich, eine touristische Landmarke abzusegnen, weil man das Geld besser in den Ausbau von Straßen stecken könnte.

Das Portal zitiert zudem aus einem Interview von März, in dem Narongsak die Behörden herausgefordert haben soll, ihn zu versetzen. Demnach sagte er, dass er lieber an einen anderen Ort ziehe als einem fragwürdigen Deal zuzustimmen. Thailands Regierung widersprach Behauptungen, dass die Versetzung eine Strafe sei.

Narongsak hat viele Unterstützer im Netz

Im Netz machen sich viele Thailänder für Narongsak stark. Nach dessen souveränem Auftreten vor Ort und den klaren Ansagen für die Weltpresse fordern sie, dass die Regierung die Versetzung rückgängig machen solle. Premierminister Prayuth Chan-o-cha lobte Narongsak für seine gute Arbeit, machte aber deutlich, dass die Anordnung bereits vom König unterschrieben und daher unumkehrbar sei.

Narongsaks Nachfolger als Gouverneur von Chiang Rai, Prachon Pratsakun, nahm den Job am vergangenen Freitag auf. Er stellte klar, dass er dessen Rolle als Einsatzleiter respektieren werde: „Wir werden unsere Arbeit koordinieren und die Provinzverwaltung ist bereit, ihre volle Unterstützung zu leisten.“