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Experte: Polizei hat Nachholbedarf in sozialen Medien

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André Karsten sprach auf der re:publica in Berlin über die Social-Media-Arbeit der Polizei.

André Karsten sprach auf der re:publica in Berlin über die Social-Media-Arbeit der Polizei.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Mehr als 200 Social-Media-Accounts der Polizei gibt es in Deutschland. Im Vergleich zu anderen Ländern ist das vergleichsweise wenig.

Berlin/Oranienburg.  Die Social-Media-Arbeit der deutschen Polizei ist zwar in den letzten Jahren besser geworden, bleibt nach Ansicht eines Experten aber im internationalen Vergleich zurück.

Vor fünf Jahren, also 2012, gab es deutschlandweit gerade mal 19 Polizei-Accounts auf Twitter, Facebook oder Snapchat, inzwischen sind es etwa 216 Konten, wie der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger am Dienstag auf der re:publica in Berlin erklärte. „Das ist zwar ein deutlicher Anstieg, in anderen Ländern sieht es aber ganz anders aus“, sagte der Experte von der in Oranienburg ansässigen Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg.

Soziale Medien für Polizei eine Chance

Beispielsweise in den Niederlanden seien es etwa 2500 Accounts, obwohl dort viermal weniger Polizisten arbeiteten als in der Bundesrepublik. In Holland haben demnach viele Polizisten persönliche Accounts und die Bürger einen direkten digitalen Ansprechpartner.

Für Katharina Kleinen-von Königslöw von der Universität Hamburg ist der Einsatz der Beamten in den sozialen Medien aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht eine „ganz zentrale Neuerung“. Es sei eine gute Gelegenheit, um in Kontakt mit der Bevölkerung zu treten und ihre Legitimität dort zu stärken, sagt die Kommunikationsforscherin. So werde Transparenz geschaffen und die Bürger könnten sich mitunter auch einbringen.

Polizei-Tweets sorgen für besseres Image

Neben Information, Krisenkommunikation oder Fahndungsaufrufen gehörten auch menschelnde oder witzige Posts zur Medienarbeit. Unter anderem die Münchner Polizei oder die schleswig-holsteinische Landespolizei begleiten am Sonntagabend auch mal die „Tatort“-Folgen aus ihrer Region mit Kommentaren oder einem Faktencheck.

Als humorvolles Beispiel angeführt wurde ein Dialog der Frankfurter Polizei im vergangenen Jahr: Einem an Rauschmitteln interessierten User, der – orthografisch unzureichend – nach der Strafe für „1-5g Grass“ fragte, antworteten die Beamten trocken in Bezug auf den so geschriebenen Schriftsteller: „Welches Buch?“

„Wir sind auch nur Menschen“

Auf die Frage, ob sich das Image der Beamten dank Twitter und Co verbessert habe, sagt André Karsten von der Social-Media-Abteilung der Frankfurter Polizei: „Es ist eher so, dass die sozialen Medien, die guten Seiten zeigen, die es aber vorher auch schon gab. Wir sind auch nur Menschen. Mit uns kann man normal reden, on- und offline.“ (dpa)