Sprache

Jury wählt „Volksverräter“ zum „Unwort des Jahres“ 2016

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Jedes Jahr wird das „Unwort des Jahres" gekürt.

Jedes Jahr wird das „Unwort des Jahres" gekürt.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Der Begriff sei ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten, so die Jury in Darmstadt zur Begründung.

Darmstadt.  Das „Unwort des Jahres 2016“ ist „Volksverräter“. Das gab die Jury am Dienstag in Darmstadt bekannt.

Der Begriff sei ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten, sagte die Jury-Sprecherin Nina Janich bei der Verkündung. Als Vorwurf gegenüber Politikern sei das Wort diffamierend und würge die für die Demokratie notwendigen Diskussionen ab.

Jury entscheidet über das „Unwort“

Die „Unwort“-Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Die Aktion mit Sitz in Darmstadt will für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen.

Neben dieser Jury wählt davon getrennt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das „Wort des Jahres“. Für 2016 entschied sie sich für den Begriff „postfaktisch“.

Dies waren die „Unworte“ der vergangenen Jahre:

Der Vorwurf diffamiere Hilfsbereitschaft und Toleranz pauschal als naiv und dumm, begründet die „Unwort“-Jury.

2014: „Lügenpresse“. Diese pauschale Verurteilung „verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit“, so die Jury.Gleichwohl machte der Begriff auch in den USA Karriere.

2013: „Sozialtourismus“. Der Ausdruck diskriminiert laut Jury Menschen, „die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu“.

2012: „Opfer-Abo“. Das Schlagwort prägte Wetter-Moderator Jörg Kachelmann. Er meinte damit, dass Frauen immer wieder die Opferrolle zugesprochen werde. Die Jury kritisiert, der Begriff stelle Frauen pauschal unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterinnen zu sein.

2011: „Döner-Morde“. Dieser Begriff ist für die Mordserie der rechtsextremistischen NSU-Terroristen verwendet worden. Mit der „sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung“ würden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt, erklärt die Jury.

2010: „Alternativlos“. Das Wort suggeriere zu Unrecht, dass keine Diskussion mehr notwendig sei.

2009: „Betriebsratsverseucht“. Damit würden Arbeitnehmer-Interessen in völlig unangemessener Weise als Seuche dargestellt.

2008: „Notleidende Banken“. Der Begriff stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf. (dpa)