Terror-Verdacht

Polizei durchsucht Wohnungen von Islam-Predigern

Razzien in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen: Ermittler suchen Beweise für Verbindungen von Predigern zu Terror-Vereinigungen.

Duisburg/Dortmund/Düsseldorf.  Mit Razzien in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ist die Polizei am Mittwoch gegen mutmaßliche Islamisten vorgegangen. Die Durchsuchungen richteten sich gegen Prediger, die junge Männer für den bewaffneten Kampf in Syrien und im Irak rekrutieren sollten. Der Vorwurf: Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland (§ 129 StGB).

Die zuständigen Polizeibehörden bestätigten Durchsuchungen in Dortmund, Duisburg und Hildesheim. Die Razzien erfolgten auf Veranlassung des Generalbundesanwalts. Bei den Untersuchungen ging es einer Sprecherin der Behörde in Karlsruhe zufolge um den Verdacht gegen drei Beschuldigte, die zwischen Januar und Juli 2015 um Mitglieder und Unterstützer für die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) geworben haben sollen. Der IS ist in Deutschland als terroristische Vereinigung verboten. Einer der Beschuldigten stehe darüber hinaus in Verdacht, die Extremistenmiliz finanziell und logistisch unterstützt zu haben, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Weitere Auskünfte könnten mit Blick auf laufende Durchsuchungen nicht gegeben werden.

Razzien ohne Festnahmen

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte am Mittag, dass es bei den Durchsuchungen keine Festnahme gegeben habe. Die Razzien hätten sich gegen die „Szene geistiger Brandstifter gerichtet“, gegen Männer, die „agitieren, rekrutieren, radikalisieren“.

Der Staatsschutz, der mit mehr als 150 Beamten auch aus den lokalen Behörden anrückte, erhoffte sich von dem Einsatz Beweismaterial und weitere Erkenntnisse über die Aktivitäten mehrerer Männer, die bereits seit Längerem im Fokus stehen: In Duisburg geht es etwa um Privat- und Geschäftsräume des Reisebüro-Inhabers Hasan C., der neben seinem Geschäft in Rheinhausen auch eine Art islamischen Unterrichtsraum betreiben soll. Hier sollen sich zwei der mutmaßlichen Attentäter auf den Essener Sikh-Tempel im April, Yussuf T. (Gelsenkirchen) und Mohammed B. (Essen), radikalisiert haben.

Kontakte in die Salafisten-Szene und nach Syrien?

Die Duisburger Polizei hatte damals bestätigt, das Reisebüro im Blick und dort auch schon mehrfach sogenannte „Gefährderansprachen“ durchgeführt zu haben. C. hatte erklärt, die beiden jungen Männer nicht zu erkennen, aber angekündigt, seine Arabisch-Stunden einzustellen. Im Raum steht dennoch der Verdacht, der selbsternannte Imam habe Kontakt in die Salafisten-Szene und auch nach Syrien.

Zeitgleich wollten die Ermittler am Mittwoch die Wohnung eines Dortmunder Predigers in der östlichen Innenstadt durchsuchen, der einen eigenen Unterrichtsraum im Norden der Stadt inzwischen aber aufgegeben haben soll. Weitere Einsätze laufen in Düsseldorf und Tönisvorst.

Auch niedersächsisches LKA an Razzien beteiligt

Auch die Kollegen des niedersächsischen Landeskriminalamts (LKA) beteiligten sich an der morgendlichen Aktion: Sie durchsuchen Wohnungen unter anderem von Familienangehörigen des Predigers Abu Walaa. Gegen dessen „Deutschsprachigen Islamkreis“ in Hildesheim läuft ein Verbotsverfahren, auch dieser Mann ist seit drei Jahren im Visier des Verfassungsschutzes.

Bereits Ende Juli hatten die Niedersachsen die Moschee des „Islamkreises“ durchsucht, die Aktion war damals allerdings vorzeitig bekannt geworden. Hildesheim gilt als „bundesweiter Hot-Spot der radikalen Salafistenszene“, sagt Innenminister Boris Pistorius. In der Moschee würden junge Männer zur Teilnahme am Dschihad motiviert, es werde zu „Hass gegenüber Ungläubigen“ aufgerufen.

Dieser Artikel ist zuerst auf derwesten.de erschienen.