Ramadan

Flüchtlingsheime bereiten sich auf Fastenmonat Ramadan vor

Etwa ein Drittel der Flüchtlinge fastet. Konflikte oder Streit zwischen Fastenden und nicht Fastenden sind sehr selten.

Etwa ein Drittel der Flüchtlinge fastet. Konflikte oder Streit zwischen Fastenden und nicht Fastenden sind sehr selten.

Foto: Fredrik Von Erichsen / dpa

Am Montag beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. So stellen sich die deutschen Flüchtlingseinrichtungen auf diese Zeit ein.

Berlin/Neumünster/Hamburg.  Im islamischen Fastenmonat Ramadan stehen den Küchenteams deutscher Flüchtlingsunterkünfte Spätschichten bevor. „Wir werden von 21.30 bis 22.30 Uhr unsere Kantine extra öffnen, das Mittagessen noch einmal kochen und Lebensmittelpakete mitgeben fürs Essen vor Sonnenaufgang“, sagt der Koch Ole Heldberg. „Viele muslimische Flüchtlinge sind dafür sehr dankbar“, berichtet der stellvertretende Küchenchef der zentralen Erstaufnahme Schleswig-Holsteins in Neumünster.

Zeitweise war die Einrichtung mit 5500 Menschen eine der größten in Deutschland. Kurz vor Beginn des Ramadans in Deutschland an diesem Montag sind nur rund 450 Menschen in der ehemaligen Kaserne aus der Kaiserzeit untergebracht. Wer fasten will, kann sich in seinen Hausausweis einen entsprechenden Vermerk machen lassen und darf dann spätabends in der Kantine essen. An Türen und Wände geklebte Zettel weisen darauf hin.

„Praktisch alle unsere 490 Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland mit 140.000 Flüchtlingen stellen sich auf irgendeine Weise auf den Fastenmonat ein“, sagt der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Dieter Schütz, in Berlin. „Personell und organisatorisch ist der Aufwand dann höher.“ Schleswig-Holstein habe für Einrichtungsbetreiber entsprechende Flexibilität zur Auflage gemacht, betont Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten.

Flüchtlinge müssen eigentlich nicht fasten

Muslime dürfen in der Zeit von Sonnenaufgang bis -untergang – etwa 5.00 bis 22.00 Uhr – nichts essen und trinken, nicht rauchen, keinen Sex haben. Abends nach dem Essen beten üblicherweise Männer und Frauen getrennt in Moscheen. In Neumünster können Flüchtlinge eine der drei Moscheen der Stadt aufsuchen.

„Eigentlich müssten Flüchtlinge nicht fasten, denn sie sind quasi Reisende, und für solche gilt die Fastenpflicht nicht“, erklärt Orhan Kilic, selber Muslim und Leiter der DRK-Hausbetreuung in Neumünster. Erfahrungsgemäß faste etwa ein Drittel der Flüchtlinge, sagt der Deutschtürke, der seit 15 Jahren für das DRK arbeitet.

Auf die Frage, ob es Probleme gibt, antwortet Kilic: „Eigentlich nicht unter den Menschen, aber wegen der Abläufe. Normalerweise nutzen die Fastenden im Ramadan tagsüber jede Minute, um zu schlafen und bis zum Abend durchzuhalten. Aber in der Erstaufnahme gibt es feste Behörden- oder Arzttermine, da müssen die Flüchtlinge dann hin. Immer wieder mal bekommen Fastende einen Kreislaufkollaps.“

Konflikte zwischen Fastenden sind selten

Wegen des Hungerns und Flüssigkeitsverlustes seien manche auch dünnhäutiger und nervöser, ergänzt Schütz. So werden in Berliner Einrichtungen im Ramadan bis Mitternacht Sozialarbeiter eingesetzt: „Sie können Streit schlichten und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Sonst sind unsere Sozialarbeiter nur bis 20 Uhr da.“ Und es würden auch Gemeinschaftsräume zur Verfügung gestellt, für das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang, wenn Familien und Freunde gemeinsam essen.

Konflikte oder Streit zwischen Fastenden und nicht Fastenden sind laut Kilic sehr selten. Nizar Almakkawi (39), vor einem Jahr als muslimischer Flüchtling aus Syrien nach Deutschland gekommen und inzwischen DRK-Ehrenamtler in Neumünster, sagt: „Jeder fastet für sich.“ Er habe große Toleranz und gegenseitigen religiösen Respekt erlebt. In seiner Heimatstadt Damaskus hätten Christen und Muslime als Nachbarn aus Solidarität die jeweilige Fastenzeit der anderen Religion sogar jeweils mitgemacht. (dpa)