Rock-Legende

David Bowie: "Er hat geholfen, die Mauer einzureißen"

David Bowie im Film "Merry Christmas Mr. Lawrence". Bowie starb am Sonntag nach langer Krebserkrankung. Er wurde nur 69 Jahre alt. In Hamburg hatten ihm Ärzte nach einem Herzanfall im Jahr 2004 das Leben gerettet

David Bowie im Film "Merry Christmas Mr. Lawrence". Bowie starb am Sonntag nach langer Krebserkrankung. Er wurde nur 69 Jahre alt. In Hamburg hatten ihm Ärzte nach einem Herzanfall im Jahr 2004 das Leben gerettet

Foto: dpa / Picture-Alliance

Bewegendes Good-bye von Außenminister Steinmeier. David Bowie ist tot. In Hamburg hatten ihm Ärzte nach einer Show das Leben gerettet.

London/Hamburg. Die Fans sind in großer Trauer, Musikerkollegen wie Pharrell Williams, Kanye West oder Billy Idol sind regelrecht aufgelöst: David Bowie, bürgerlich David Robert Jones, ist am Sonntag im Alter von 69 Jahren in Folge einer schweren Krebserkrankung gestorben. Offenbar hat er 18 Monate mit dem Tod gerungen. Sogar der deutsche Außenminister Frank-Walter ließ über den englischsprachigen Twitter-Account seines Amtes kondolieren. Bowie habe mit "Heroes" zum Fall der Mauer beigetragen. Der Song beschreibt, wie sich zwei Menschen an der Mauer küssen, während über die innerdeutsche Grenze geschossen wird.

Steinmeier, dessen Handyton zeitweilig ein Blues-Riff war, ließ dann noch persönlich mitteilen: „Mit David Bowie verliert die Welt einen Ausnahmekünstler, der wie kaum ein anderer über Generationen hinweg für musikalische Avantgarde stand... Stellvertretend dafür steht sein Berlin-Aufenthalt während der 70er Jahre, als David Bowie in den legendären Hansa-Studios seinen Song ,Heroes' aufnahm, eine Hommage an Berlin inmitten des Kalten Krieges und ein Soundtrack der damals geteilten Stadt."

Am Boden zerstört ist Iggy Pop, mit dem Bowie brillante Songs aufnahm. Iggy Pop (bürgerlich: Jim Osterberg) schuf so treibende Songs wie "Lust for Life" oder "The Passenger". "Davids Freundschaft war das Licht meines Lebens“, schrieb der 68-jährige Iggy Pop bei Twitter. „Ich habe noch nie eine so brillante Person getroffen. Er war der Beste, den es gab.“

David Bowies Sprecher bestätigte die traurige Nachricht, Bowies Sohn Sohn Duncan Jones (genannt "Zowie") teilte den Tod auf Twitter mit. Erst vor wenigen Tagen kam ein neues Album heraus, das den Titel "Blackstar" trägt.

Sogar der britische Premierminister David Cameron trauerte um den "großen Verlust". Cameron twitterte, er sei mit der Musik dieses Genies aufgewachsen. In den sozialen Netzwerken wurden Nachrufe, Erinnerungen und Videos gepostet. "Er war ein Meister darin, sich immer wieder neu zu erfinden", schrieb Cameron.

Bowies Sohn appellierte an die Öffentlichkeit, die Privatsphäre der Familie während der Trauer zu wahren. Bowie, der in Brixton (London) geboren wurde, lebte zuletzt meist in New York. Er hat im Laufe seiner Karriere weit über 100 Millionen Platten verkauft und hat in mehreren Filmen mitgespielt.

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David Bowie hatte immer eine besondere Beziehung zu Deutschland, vor allem zu Berlin, seit er dort Mitte der siebziger Jahre in der Hauptstraße in Schöneberg teilweise mit seinem Wegbegleiter Iggy Pop gelebt hat. In Berlin versuchte er, von den harten Drogen wie Heroin loszukommen, hatte zeitweise eine deutsche Freundin und machte einige seiner besten Albums in den Hansa-Studios. Sein Song "Heroes" thematisiert die deutsche Teilung und die Berliner Mauer. 1987 spielte Bowie beim "Concert for Berlin" vor dem Reichstag "Heroes", während im Ostteil der Stadt junge Leute auf die Straße gingen, um der Musik zu lauschen.

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Seine Karriere bekam mit dem zweiten Album "David Bowie Space Oddity" 1969 einen Schub. Bowie erfand Figuren wie Major Tom auf Weltraumreise, Ziggy Stardust und die "Spiders from Mars", den "Thin White Duke" aus "Station to Station", der im Film "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" eine Rolle spielt. Bowie lieferte den Soundtrack. Später persiflierte er seine eigenen Figuren, etwa in "Fame" oder "Ashes to Ashes", Major Tom sei ja nur ein Junkie.

Bowie spielte mit den Rolling Stones, vor allem mit Mick Jagger verband ihn viel. Bowies Ex-Frau Angela ist Vorbild für die Stones-Schnulze "Angie". Bowie arbeitete mit Iggy Pop ("Lust for Life", "China Girl", "Bang, Bang") und Lou Reed, Brian Eno und Tony Visconti, ließ seine Musik auch von Nile Rodgers produzieren und wechselte immer wieder Image, Klangfarbe und Stile.

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Seinen größten Hit hatte Bowie 1983 mit "Let's Dance", einem Chartstürmer, der für viele alte Fans extrem kommerziell klang. Aber die Zahl früherer Hits und wegweisender Songs war da bereits beachtlich. "Let's Dance" führte Bowie auf eine sehr erfolgreiche Stadion-Tournee rund um die Welt. In Norddeutschland spielte er auf der Freilichtbühne Bad Segeberg. In Hamburg war er mehrfach zu sehen, unter anderem im CCH 1976, im Stadtpark 1987 und in der Sporthalle 1990 sowie im Docks, wo seine zwischenzeitliche Combo "Tin Machine" 1991 rockte.

In Hamburg wurde David Bowie auch schon einmal das Leben gerettet. Nachdem Bowie im Juni 2004 auf der Bühne in Scheeßel mit einem Herzanfall seine Show unterbrechen musste und hinter der Bühne zusammenbrach, wurde er in das damalige AK St. Georg (heute Asklepios St. Georg) gebracht. Hier wurde ihm offenbar nach einem Herzinfarkt ein Stent eingesetzt. Er hatte nur über Schulterschmerzen geklagt. Die Ärzte retteten ihm das Leben. Konzertbesucher erinnern sich, dass er die Show noch beendete, ehe er abtrat.

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