Bei Hitze

Kühl und oft gefährlich: Im Sommer lockt das Bad im Fluss

Badegäste schwimmen in Berlin im Pool des Badeschiffes auf der Spree mit Blick auf die Oberbaumbrücke empfehlenswerter als der Sprung in den Fluss

Badegäste schwimmen in Berlin im Pool des Badeschiffes auf der Spree mit Blick auf die Oberbaumbrücke empfehlenswerter als der Sprung in den Fluss

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Wolf / picture alliance / dpa

Flüsse sind die Lebensadern der Städte und wecken gerade im Sommer begehrliche Blicke. Doch nicht überall empfiehlt sich ein Bad im Fluss.

Berlin. Die Sonne brennt erbarmungslos, die Hitze ist kaum auszuhalten - und nur ein paar Straßen weiter fließt ein wunderbar kühler Fluss. Na dann nichts wie rein, denken sich viele. Das Baden im Fluss liegt voll im Trend. In Städten wie New York setzen sich Privatinitiativen für die Entstehung von Flussbädern ein, und Baseler Wasserratten haben immer ihren „Wickelfisch“ dabei, um beim Sprung in den Rhein ihre Wertsachen mitnehmen zu können.

Auch in Deutschland hat sich viel getan, die Wasserqualität ist in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden. Doch nicht überall darf man ins Wasser - und nicht überall ist es überhaupt ratsam. In Köln zum Beispiel wird der Rhein immer wieder zur Todesfalle.

- Zu schmutzig: Noch vor 100 Jahren war die Spree in Berlin ein Paradies für Badefans. Es gab unzählige Flussbäder und Badestellen in der Innenstadt, doch sie wurden bis Mitte der 1920er Jahre aus hygienischen Gründen geschlossen. Auch heute noch wird in der City vom Baden in der Spree abgeraten, weil das Wasser meist zu schmutzig ist und weil dort Schiffe fahren, wie eine Sprecherin des Umweltsenats sagte. Es gibt zwar mehrere private Initiativen, die das Baden in der Spree wieder etablieren wollen, bislang aber ohne Erfolg. Es bleibt das Badeschiff in der Spree, bei dem man sich mit viel Fantasie immerhin vorstellen kann, in einem Fluss zu schwimmen. Wer auf dieses Getümmel keine Lust hat: An der Havel im Westen Berlins gibt es ein paar ganz legale Badestellen.

- Zu befahren: In Hamburg ist das Baden in der Elbe zwar nicht explizit verboten, doch die Senatsverwaltung rät davon ab. Das habe weniger mit der Wasserqualität zu tun, die sei nämlich gar nicht mal schlecht, sagt der Sprecher der Umweltbehörde, Jan Dube. Aber es gebe einfach zu viele Gefahren. „Auch wenn ein Bad verlockend erscheint: Durch die Gezeiten, die Wellen und den dichten Schiffsverkehr ist der Fluss zum Baden schlicht ungeeignet“, betont Dube. Den Hamburgern bleibt also nur, es sich am Elbstrand gemütlich zu machen und die vorbeiziehenden großen Pötte aus sicherer Entfernung zu bewundern.

- Zu ungesund: Auch in Frankfurt am Main wird vom Baden im Fluss dringend abgeraten. „Wir haben es nicht mit einer Badeanstalt, sondern mit einer Bundeswasserstraße zu tun“, meint ein Sprecher der Stadt. Schiffe seien nicht die einzige Gefahr - auch die Wasserqualität sei nicht immer gut genug zum Baden. Im Main tummelten sich unzählige Lebewesen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen, aber schlecht für die Gesundheit seien. Aufs Baden müssen die Frankfurter dennoch nicht verzichten. „Wir haben so viele Schwimmbäder“, tröstet der Sprecher. Und im Licht- und Luftbad am Rande der Innenstadt kann man sich immerhin an den Mainstrand setzen.

- Zu gefährlich: In Köln herrscht zwar kein generelles Badeverbot im Rhein, doch die Stadt warnt ausdrücklich davor, dem Fluss zu nahe zu kommen. Im Rhein gebe es eine lebensgefährliche Strömung mit vielen Strudeln, sagt eine Sprecherin. Selbst Rettungsschwimmer trauten sich nicht ungesichert in den Fluss. Aber immer wieder überschätzten Leute ihre Fähigkeiten und gingen baden. Dabei falle das Ufer rapide ab und sei voller glitschiger Steine. Wer hinfalle, werde schnell von der Strömung unter Wasser gezogen und habe kaum eine Chance, alleine wieder rauszukommen. „Es ist wirklich eine Todesfalle“, warnt die Sprecherin. Es gebe immer wieder Tote; erst vor kurzem sei ein sechsjähriger Junge vor den Augen seines Vaters ertrunken. Die Stadt stellt nun Warnschilder mit Rettungsringen auf, auf denen der jeweilige Rheinkilometer verzeichnet ist. So können Augenzeugen im Fall der Fälle wenigstens die Unfallstelle benennen.

- Zu empfehlen: Ein Sprung in die erfrischend kühle Isar ist zwar nicht überall in München erlaubt, aber es gibt viele Stellen, wo man die Beine ins Wasser halten oder sogar ganz abtauchen kann. Möglich macht’s die Renaturierung: Noch vor wenigen Jahren trug der Wildfluss ein starres Betonkorsett, jetzt herrschen Kiesbänke und Hochwasserwiesen vor. Die renaturierte Isar werde von Badefans sehr, sehr gut angenommen, sagt eine Sprecherin des Tourismusamts. „Es ist eine schöne Erfrischung mitten in der Stadt.“ Die CSU-Fraktion im Stadtrat will noch mehr: Sie hat einen Antrag für ein Flussbad gestellt, wie es sie auch in Städten wie Paris und Kopenhagen gibt - und in München vor langer Zeit einmal gab.