Glücksspiel

Chinesische Zocker fliegen wieder auf Las Vegas

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Kuriose Auswirkung der Anti-Luxus-Kampagne der Politik. Chinas VIP-Pokerspieler und Zocker meiden Macao. Kasinos in Manila und Las Vegas locken sie mit Privatjets und anderen Angeboten.

Hongkong/Las Vegas. Chinesische Glücksspieler, die mit hohen Einsätzen wetten, wenden sich angesichts der Kampagne der Regierung in Peking gegen Korruption und übertriebenen Luxus zunehmend von Macao ab. Den Nutzen haben Kasinos von den Philippinen bis Las Vegas.

Die Glücksspielpaläste in Melbourne und Manila ködern die kaufkräftige Klientel aus dem Reich der Mitte mit Verlockungen wie Privatjets oder auf sie zugeschnittenen gastronomischen Angeboten. Derweil gehen in Macao, dem einzigen Ort in China, an dem Kasinos erlaubt sind, die Glücksspielumsätze seit drei Monaten kontinuierlich zurück. Nichts deutet auf ein Nachlassen der Anti-Korruptions-Kampagne hin.

MGM Resorts International, der größte Betreiber von Kasinos auf dem Las Vegas Strip, und Wynn Resorts Ltd. haben mit ihren jüngsten Ergebniszahlen die Analystenerwartungen übertroffen. Dazu trug nicht zuletzt die wachsende Beliebtheit des Kartenspiels Baccara bei, das besonders chinesische Glücksspieler anzieht.

“Seitdem die verschärfte Überwachung eingeführt wurde, halten sich die Spieler verstärkt von Macau fern”, schrieb Praveen Choudhary, Analyst bei Morgan Stanley in Hongkong, in einer Studie. “Reiche und berühmte Glücksspieler meiden die Kasinos, und die Spezialreiseveranstalter sind nicht mehr so großzügig bei der Vergabe von Krediten.”

In Las Vegas sorgt vor allem Baccara für steigende Umsätze

In den zwölf Monaten bis Ende Juli ist der Umsatz der Kasinos am Las Vegas Strip um 3,7 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar gestiegen. Den stärksten Beitrag zum Plus steuerte Baccara mit einem Umsatzwachstum von 14,4 Prozent bei, sagte Robert Shore, Analyst bei der Union Gaming Group in Las Vegas. Den starken Umsätzen in dem amerikanischen Spielerparadies sei in Relation zum schwächeren Abschneiden der Spielbanken von Macao zu sehen, schrieb er in einer E-Mail.

“Las Vegas ist eine Marke, die weltweit bekannt ist und da wollen die Leute natürlich dauernd hin”, sagte Dan D’Arrigo, Finanzchef bei MGM.

Macao bleibt weltweit die Nummer eins

Ungeachtet der jüngsten Einbußen ist Macao nach wie vor der wichtigste Standort weltweit für die Glücksspielbranche. Im Jahr 2013 brachten die Kasinos der Stadt Umsätze in Höhe von 45,2 Mrd. Dollar. Das war siebenmal so viel wie Las Vegas im gleichen Zeitraum einnahm und übertraf die gesamten Glücksspielumsätze der USA von 36,5 Milliarden Dollar.

Analyst Choudhary von JPMorgan schätzt, dass sich Macao für die kommenden sechs bis neun Monate auf weitere Einbußen gefasst machen muss: “Die Glücksspielbranche in Macao wurde später getroffen als andere Sektoren, wie die Hotelbranche, der Nahrungsmittelmarkt oder Luxusgüter”.

Die Anti-Luxus-Kampagne der chinesischen Regierung begann im letzten Quartal des Jahres 2012 und traf zunächst, und zwar praktisch sofort, die Hotels des Landes, sagte Choudhary.

Analysten der Nomura Holdings Inc. unter Leitung von Louise Cheung erwarten, dass die Bruttoumsätze, die die Stadt mit dem Glücksspiel erzielt, um ein Prozent schrumpfen könnten. Die “Konsensschätzungen sind zu hoch”, urteilen die Experten von Nomura. Im “Bärenszenario” der Analysten fallen die Umsätze, die mit VIPs erzielt werden, im kommenden Jahr um 12 Prozent, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie von Nomura.

In Macao wollen die Kasino-Angestellten streiken

Die Aktien der vom Glücksspiel-Mogul Stanley Ho kontrollierten SJM Holdings Ltd. verteuerten sich am Freitag an der Börse von Hongkong um 1,8 Prozent, nachdem sie am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren zurückgefallen waren. Bei MGM China Holdings Ltd., wo Stanley’s Tochter Pansy Ho als Co-Chairman amtiert, erholte sich der Kurs um 3,8 Prozent. Er hatte am Mittwoch ein Jahrestief markiert.

Reiseveranstalter, die auf Kasinoausflüge für wohlhabende chinesische Spieler spezialisiert sind, bringen diese neuerdings an andere Spielstätten in Australien, Europa oder den USA, erklären die Credit-Suisse-Analysten Kenneth Fong und Isis Wong. Dies ermögliche es den Spielern, “angesichts der derzeit heiklen politischen Lage häufige Auftritte in Macao zu umgehen”, schrieben die beiden Analysten in einer Studie vom 12. September im Anschluss an ein Treffen mit Reiseveranstaltern und Kasinobetreibern.

Für die Veranstalter lohnt es sich auch, die Klientel an Spielstätten in der näheren Umgebung umzuleiten. So bietet etwa das Solaire der Bloomberry Resorts Corp. in Manila den Veranstaltern höhere Kommissionen als in Macao üblich, wie Anthony Wong, Analyst bei der UBS AG in Hongkong, in einem Bericht vom 2. September schrieb.

Probleme könnten der Glücksspielbranche in Macao auch aus einer anderen Ecke entstehen. Gewerkschaftsvertreter der in den Kasinos Beschäftigten haben für die einwöchigen Feierlichkeiten zum chinesischen Nationalfeiertag in der Woche ab dem 1. Oktober Protestaktionen angedroht, die bis hin zu Arbeitsniederlegungen gehen könnten.

In den Fokus der Kasinos rücken jetzt die Durchschnittsspieler

Um der nachlassenden Attraktivität für die reichen Spieler zu begegnen, werben die Kasinos in Macao vermehrt um Durchschnittsspieler, die Bargeld setzen. Im Geschäft mit ihnen sind höhere Margen zu erzielen. Die VIP-Gäste finanzieren ihre Wetten in der Regel mit Krediten der Reiseveranstalter, die ihrerseits Kommissionen von den Kasinobetreibern kassieren.

Im zweiten Quartal schränkte Sands China die Tischkapazität für die VIPs um 28 Prozent ein; gleichzeitig wurde die Kapazität für die Massentische um 14 Prozent gesteigert.

Die Hinwendung zum Massenmarkt “erweist sich als recht lukrativ und weniger volatil als das Geschäft mit den VIPs”, kommentierte Mark Mobius, Chairman von Templeton Emerging Markets Group, in einer E-Mail.