Nach Drama vor Südkorea

Drei Leichen aus dem Innern der gesunkenen Fähre geborgen

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Nach dem verheerenden Fährunglück vor Südkorea werden immer noch viele Menschen vermisst. Die verzweifelten Angehörigen lassen ihrer Wut über offensichtliche Fehler freien Lauf. Der Kapitän sitzt in U-Haft.

Seoul/Mokpo. Taucher haben aus dem Innern der gesunkenen Fähre in Südkorea offenbar die ersten Leichen geborgen. Wie ein Sprecher der Küstenwache am frühen Sonntag (Ortszeit) mitteilte, zerschlugen die Taucher von außen ein Fenster und holten die Opfer heraus. Damit erhöhte sich die Zahl der Toten auf 36. Es waren offenbar die ersten Leichen, die aus dem Innern der Fähre stammten. Unklar blieb zunächst, ob die Taucher nun in den Kabinen und anderen Innenräumen nach weiteren Opfern suchen konnten. Die starke Strömung sowie Regen und schlechte Sicht hatten dies am Sonnabend nicht zugelassen.

Drei Tage nach dem Fährunglück sind die Hoffnungen auf weitere Überlebende gesunken. Bergungsmannschaften bargen bis Sonnabendabend 36 Leichen an der Stelle, an der die Fähre „Sewol“ am Mittwoch mit insgesamt 476 Menschen an Bord havarierte und unterging. 174 Menschen konnten gerettet werden, 266 Menschen galten noch als vermisst. Der Kapitän wurde zusammen mit der dritten Offizierin und einem Steuermann verhaftet.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 68-jährigen Kapitän Lee Joon Seok vor, fahrlässig gehandelt, gegen das Marinerecht verstoßen und Menschen in Not im Stich gelassen zu haben. Gegen die 25-jährige Offizierin, die das Schiff zum Zeitpunkt des Unglücks steuerte und erst ein halbes Jahr Berufserfahrung hatte sowie den Steuermann wurden ähnliche Vorwürfe erhoben.

Unter den 476 Menschen an Bord befanden sich mehr als 300 Schüler, die mit ihren Klassen auf dem Weg zur Urlaubsinsel Jeju waren. 176 Schiffe, 28 Flugzeuge und Taucher suchten nach Angaben der Küstenwache am Sonnabend die Umgebung der Unglücksstelle nahe der Stadt Mokpo nach Opfern ab. Schlechte Sicht behinderte die Suche.

Einige der Angehörigen der Vermissten ließen am Sonnabend bei einem Briefing über den Stand der Suche ihre Wut und Verzweiflung über verwirrende oder widersprüchliche Informationen an den Beamten aus. Ein Mann versuchte, einen Leutnant der Küstenwache zu würgen und einen Marinepolizisten zu schlagen, was ihm aber beides nicht gelang.

Der 15-jährige Sohn von Lee Byung-Soo gehört zu den Vermissten. Sein Vater bekam zunächst eine Handy-Nachricht von der Schule, dass alle gerettet seien. Erst vor Ort erfuhr er, dass dem nicht so war. „Die Schüler mussten sterben, weil die Besatzungsmitglieder und Lehrer ihnen sagten, sie sollten in die Kabinen kriechen und dort bleiben“, sagte Lee und weinte dabei.

Kapitän Lee entschuldigte sich bei den Angehörigen der Opfer, als er am Sonnabend in Mokpo vom Gericht ins Gefängnis gebracht wurde. Er verteidigte vor Journalisten zugleich seine umstrittene Entscheidung, mit der Anordnung zur Evakuierung eine halbe Stunde zu warten. „Zu dem Zeitpunkt war die Strömung sehr stark, das Wasser war kalt und ich dachte, wenn Leute ohne (richtiges) Urteilsvermögen die Fähre verlassen, wenn sie keine Rettungsweste tragen und so, wie sie sind, würden sie abtreiben und viele andere Probleme bekommen“, sagte Lee.

Staatsanwalt Yang Jung Jin sagte, Lee habe als einer der ersten das sinkende Schiff verlassen und damit Menschen im Stich gelassen, die auf Hilfe angewiesen waren. „Der Kapitän entkam vor den Passagieren.“ Die unerfahrene dritte Offizierin führte seinen Angaben zufolge zum Zeitpunkt des Unglücks das Steuer und vollzog eine starke Wende. Sie navigierte zum ersten Mal in dem Gebiet mit starken und schnellen Strömungen, wie Yang weiter erklärte.

Der mit ihr verhaftete Steuermann, ein 55-jähriger erfahrener Seemann, sagte, er habe einen Fehler gemacht, die Offizierin habe aber eine wesentlich schärfere Wende als üblich gemacht. Kapitän Lee war in dem Moment offenbar nicht auf der Brücke, obwohl er nach dem Gesetz dort hätte sein müssen, hieß es weiter.

( (ap) )