Tödlicher Unfall auf See

Fährunglück vor Südkorea: Bangen um Hunderte Vermisste, sechs Tote

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Das Schiff mit Hunderten Jugendlichen an Bord war auf dem Weg zur Ferieninsel Jeju, als es plötzlich sank. Unter Hochdruck suchen die Rettungskräfte nach Überlebenden. Fast 300 Menschen werden noch vermisst. Mindestens vier Menschen starben bei dem Unglück.

Seoul. Vor der südkoreanischen Küste ist eine Fähre mit mehr als 450 Menschen an Bord gesunken. Fieberhaft suchte ein Großaufgebot an Rettungskräften am Mittwoch nach fast 300 Vermissten, 180 Menschen konnten bisher gerettet werden. Die Küstenwache meldete, sechs Tote seien geborgen worden, unter den Geretteten waren 55 Verletzte. Überlebende und Einsatzkräfte befürchteten, dass viele im Inneren des Schiffs eingeschlossen sein könnten und daher die Opferzahl steigen könnte.

Die Fähre „Sewol“ war am Mittwochmorgen auf dem Weg zu der südlich gelegenen Ferieninsel Jeju, als sie sich plötzlich zur Seite neigte und zu sinken begann. Das Fernsehen zeigte, wie die über 6800 Tonnen schwere Fähre zunächst in starke Seitenlage geriet. Das Unglück ereignete sich nördlich der Insel Byeongpung, die etwa 470 Kilometer von Seoul entfernt ist; etwa drei Fahrtstunden trennten die „Sewol“ noch von ihrem Ziel.

Rund 160 Mitarbeiter der Küstenwache, 87 Schiffe und 18 Flugzeuge waren im Einsatz. Taucher durchkämmten das sinkende Schiff auf der Suche nach Menschen. Das Lokalfernsehen zeigte Live-Bilder. Nach wenigen Stunden war kaum noch etwas von dem Schiff zu sehen. Die Geretteten wurden auf die nahe gelegene Insel Jindo gebracht und mit dem Nötigsten versorgt. Präsidentin Park Geun Hye habe eine gründliche Rettungsoperation angeordnet, sagte der Vizeminister der Behörde, Lee Gyeong Og.

Die Lage war unübersichtlich. Unklar war etwa, wie viele Menschen möglicherweise von herbeieilenden Fischerbooten in Sicherheit gebracht wurden. Bei einem Todesopfer handelt es sich um eine 27-jährige Frau, die Identität des anderen Opfers ist unklar.

An Bord der Fähre befanden sich 325 Schüler zwischen 16 und 17 Jahren und ihre 15 Lehrer, die auf einem Ausflug nach Jeju waren, sowie 89 weitere Passagiere und 30 Mannschaftsmitglieder. Zunächst hatten die Behörden 100 Vermisste gemeldet. Wenig später erhöhte die Küstenwache die Zahl auf 293.

Sehen Sie hier ein Video des Unglücks

Die Ursache des Unglücks blieb bisher unklar. Doch vermuteten Experten, dass das Schiff auf einen Felsen gelaufen sein könnte. Er habe ein „starkes pochendes Geräusch“ gehört, bevor das Schiff gestoppt habe, sagte ein Passagier per Telefon dem Kabelsender YTN. Die Crew setzte einen Notruf ab. Passagiere wurden mit Schwimmwesten ausgestattet und angehalten, über Bord in das kalte Wasser zu springen.

Der Passagier Kim Seong Mok sagte dem Sender YTN, er sei sicher, dass viele Menschen in dem weitgehend untergetauchten Schiff gefangen seien. Er sei beim Frühstück gewesen, als er gefühlt habe, wie die Fähre gekippt sei. Dann habe er gehört, wie das Schiff gegen etwas gestoßen sei. Es habe eine Durchsage gegeben, die Ruhe zu bewahren, aber einen Aufruf, sich in Sicherheit zu bringen, habe er nicht gehört, sagte er.

Fotos zeigten einige der durchnässten Schüler, in Decken gehüllt und ohne Schuhe. Sanitäter versorgten sie in einer Turnhalle einer nahe gelegenen Insel. Lim Hyung Min, einer der geretteten Schüler, sagte YTN, einige von ihnen seien mit Rettungswesten über Bord gesprungen und zu einem Rettungsboot in der Nähe geschwommen. „Als das Schiff zu schaukeln und umzukippen begann, sind wir alle hingefallen und ineinander gekracht“. Einige hätten geblutet. Das Wasser sei kalt gewesen. „Ich habe mich beeilt und gedacht, dass ich leben will“, sagt Lim. Die Wassertemperatur lag bei etwa zwölf Grad Celsius, Experten zufolge kalt genug für eine Unterkühlung nach gut zwei Stunden im Wasser.

Die Schüler sind von einem Gymnasium in der bei Seoul gelegenen Stadt Ansan. Ihre Fähre hatte am Dienstagabend vom Hafen Incheon abgelegt, wie die staatliche Seefahrts- und Hafenbehörde Busan mitteilte.

Vor ihrer Schule versammelten sich Dutzende besorgte Eltern, um Neues über das Schicksal ihrer Kinder in Erfahrung zu bringen. Einige von ihnen seien in Tränen ausgebrochen, sagte eine Schülerin, Park Ji Hee.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap wurde die Fähre „Sewol“ 1994 in Japan gebaut. Sie konnte 921 Menschen, 180 Fahrzeuge und 152 Container transportieren. Nach Angaben des koreanischen Seefahrtsministeriums ereigneten sich die schwersten Schiffsunglücke des Landes 1970 mit 323 Toten und 1993 mit 292 Toten.

( (AFP/dpa/AP) )