Extremschwimmen

Kampf gegen Strömungen, Quallen und Haie

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Die 170 Kilometer lange Strecke von Havanna nach Florida übt auf Spitzensportler einen hohen Reiz aus: Jetzt will die Australierin Chloë McCardel die gefährliche Strecke durchschwimmen – ohne Haikäfig.

Havanna. Ihr Rekordversuch birgt viele Gefahren: Die Australierin Chloë McCardel will als erster Mensch ohne schützenden Haikäfig von Kuba nach Florida schwimmen. Dabei muss die 28-Jährige gegen Meeresströmungen, Quallen sowie ihre eigenen körperlichen Grenzen ankämpfen – und möglicherweise auch gegen Haie.

Die rund 170 Kilometer lange Strecke durch die Floridastraße übe auf Spitzensportler einen hohen Reiz aus, erklärte McCardel in einem Interview. „Momentan ist das die Marathon-Schwimmstrecke, die am meisten Beachtung findet, und Schwimmer wollen einfach hierher kommen und es als erster schaffen.“ Das sei ihnen sehr wichtig, „es ist, als ob man eine Goldmedaille gewinnt“, sagt McCardel.

Die Amerikanerin Diana Nyad und die Australierin Penny Palfrey haben seit 2011 insgesamt vier Versuche unternommen, die Floridastraße zu durchschwimmen. Wegen Verletzungen, Quallenstichen oder starken Strömungen mussten sie jeweils aufgeben. Die Australierin Susie Maroney schaffte die Strecke 1997, allerdings mit Haikäfig.

Begleitet von einem 32-köpfigen Team

Sie hoffe, mit dem symbolischen Brückenschlag Kubaner und US-Bürger einander näher zu bringen, sagte McCardel. „Ich möchte die Menschen ermutigen, als Touristen hierher zu kommen und sich mehr mit Kuba zu beschäftigen. Es ist ein sehr schönes Land, und ich fühle mich privilegiert, dass ich hierher eingeladen wurde.“ Die Beziehungen zwischen Washington und Havanna sind seit der kubanischen Revolution 1959 gespannt, die USA verhängten vor 51 Jahren ein Embargo gegen den Inselstaat.

Begleitet wird McCardel bei ihrem Rekordversuch, zu dem sie noch diese Woche aufbrechen will, von einem 32-köpfigen Team. Ihm gehören unter anderem Wetterexperten und Ärzte an. Für die Strecke dürfte die Schwimmerin rund 55 bis 65 Stunden benötigen. Etwa jede halbe Stunde plant sie eine Pause einzulegen, um zu essen und einen Energy-Drink zu sich zu nehmen. Zu ihrer Ausrüstung gehört auch ein Gerät, das im Wasser ein elektromagnetisches Feld erzeugt, das Haie abhalten soll.

McCardel lebt in Melbourne und schwimmt seit ihrer Kindheit. Auch an Triathlons hat sie bereits teilgenommen. Ihrer Website zufolge durchschwamm sie sechs Mal alleine den Ärmelkanal, 2010 und 2012 jeweils sogar hin und zurück, und 2010 gewann sie das Marathonschwimmen von Manhattan über 46 Kilometer. Für die Strecke von Havanna nach Key West trainierte sie seit sechs Monaten und schwamm dafür durchschnittlich etwa 60 bis 90 Kilometer pro Woche.

Etwas Positives, das als Ziel dient

Um lange Strecken bewältigen zu können, konzentriere sie sich fast meditativ auf ihre Schwimmbewegungen, sagte McCardel. Außerdem denke sie an die Menschen, die sie zu Hause in Australien und weltweit unterstützt hätten. „Ich muss mir sehr positive, aufbauende Gedanken machen“, erklärte sie.

„Ich werde mir das Ziel ausmalen, stelle mir vor, wie glücklich ich sein werde, wenn ich ans Ufer gehe, halte mir die Menschen vors Auge, die dabei sein werden und versetze mich ganz in diesen Moment. Das ist etwas Positives, das mir als Ziel dient, um darauf hinzuarbeiten.“

McCardel will mit ihrem Rekordversuch auch Geld für die Krebsforschung sowie zur Unterstützung von Krebspatienten und deren Familien einnehmen. Zugleich wirbt sie für den Gedanken, dass ein aktives, gesundes Leben vor der Krankheit schützen kann. Sie widmet die Aktion unter anderem ihrer Mutter, die eine Brustkrebserkrankung überwunden hat. „Aber auch anderen Menschen da draußen, die Krebs haben“, sagte McCardel in dem Interview, „oder die Angehörige oder Freunde haben, die das gerade durchmachen, oder die daran gestorben sind.“