Die Entscheidung eines Richters, die Tatverdächtigen vom Alexanderplatz auf freien Fuß zu setzen, löste neue Diskussionen aus.

Berlin. Die Freilassung von zwei Tatverdächtigen der tödlichen Prügelattacke am Berliner Alexanderplatz stößt auf Kritik. Nachdem bereits Innensenator Frank Henkel (CDU) die Entscheidung des Haftrichters kritisiert hatte, sagte der Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner am Freitag, der Beschluss widerspreche seinem Gerechtigkeitsempfinden: „Das ist genau das falsche Signal.“

Der Grünen-Sicherheitsexperte Benedikt Lux betonte dagegen, wenn es keinen Haftgrund gebe, könnten die Männer auch nicht festgehalten werden. „Ich vertraue grundsätzlich dem Haftrichter“, sagte der Abgeordnete auf dpa-Anfrage. Die Freilassung bedeute ja nicht, dass ein möglicher Täter straffrei ausgehe. „Das Urteil über die Tat wird noch gesprochen.“

Der Haftrichter hatte am Donnerstag entschieden, den Haftbefehl gegen einen 21-jährigen Tatverdächtigen außer Vollzug zu setzen. Er verwies dabei auf das Geständnis des Mannes und seine sozial-familiären Bindungen. Ebenfalls entgegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft entging ein 19-Jähriger dem Haftbefehl ganz, weil er „nur“ den Begleiter des getöteten Jonny K. angegriffen haben soll.

Die beiden jungen Männer hatten sich am Mittwoch der Polizei gestellt. Der Vorsitzende der Vereinigung Berliner Staatsanwälte, Ralph Knispel, sagte der Berliner Zeitung „B.Z.“: „Ich halte die Entscheidung genauso wie die Staatsanwaltschaft für falsch, ich bin anderer Auffassung.“

Ein dritter Verdächtiger war bereits am Dienstag gefasst worden und sitzt in U-Haft, drei weitere Männer werden noch gesucht. Der Gruppe wird vorgeworfen, in der Nacht zum 14. Oktober den 20-jährigen Jonny K. am Alexanderplatz so brutal zusammengeschlagen und getreten zu haben, dass er einen Tag später an Gehirnblutungen starb.

An der Trauerfeier für das Opfer will am Sonntag nach Angaben eines Sprechers auch Innensenator Henkel teilnehmen, falls er bis dahin wieder gesund ist. Ob der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kommt, blieb am Freitag zunächst offen. Für die Grünen sagte sich Fraktionschefin Ramona Popp an.

Die Trauerfeier für den gebürtigen Thailänder soll zunächst im engsten Familien- und Freundeskreis stattfinden. Von 15.00 Uhr an kann die Öffentlichkeit Abschied nehmen.