Massaker von Oslo und Utøya

Mit „Zusammenhalt und Wärme" gegen den Hass

Norwegens Regierungschef Stoltenberg warnt vor Hass-Äußerungen im Internet. Der Islamhasser Breivik hatte vor seinem Doppelattentat versucht, im Netz für seine rechtsradikalen Gewalt-Parolen zu werben.

Oslo/Potsdam. Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat bei der Gedenkfeier für die Terroropfer auf Utøya zu mehr Einsatz gegen Hass-Stimmen im Internet aufgefordert. Ein Jahr nach der Tötung von 69 jungen Sozialdemokraten auf Utøya durch den rechtsradikalen Islamhasser Anders Behring Breivik sagte Stoltenberg am Sonntag auf der kleinen Fjordinsel: „Das Internet wird von schikanösen Angriffen überschwemmt. Wir haben diese hasserfüllten Äußerungen zu lange übersehen. Wir können und wollen die Augen nicht länger schließen.“

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Stoltenberg sagte in einer Rede vor Überlebenden und Hinterbliebenen des Massakers sowie einigen hundert jungen Sozialdemokraten: „Die Geschichte wird uns hart richten, wenn wir nichts dagegen tun. Bleiben wir passiv, wird der Hass zu Gewalt.“ Breivik hatte seinen Hass gegen islamische Zuwanderer und heimische Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft auch über das Internet zu verbreiten versucht.

Wie vorher bei einer Kranzniederlegung für die Terroropfer im Osloer Regierungsviertel forderte der Regierungschef die Norweger von Utøya aus auf, dem Verbrechen vom 22. Juli 2011 mit „Zusammenhalt und Wärme“ zu begegnen. Auf der Insel westlich von Oslo hat die sozialdemokratische Parteijugend AUF seit einem halben Jahrhundert ihr Sommerferienlager durchgeführt, an dem auch Stoltenberg oft teilnahm.

Zum Auftakt der im Fernsehen direkt übertragenen Gedenkfeier sang die 22- jährige Renate Tårnes, die das Massaker überlebt hatte. Sie musste mit ansehen, wie Breivik ihren Lebensgefährten tötete. Der Attentäter war nach der Explosion seiner Autobombe in Oslo als Polizist auf die Insel gekommen. Er machte bis zu seiner Festnahme gut 70 Minuten Jagd auf die Lagerteilnehmer mit zwei Handfeuerwaffen. (dpa)