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Glykol-Mangel: Passagiere sitzen am Pariser Flughafen fest

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Foto: REUTERS

Weil Enteisungsmittel für Flugzeuge fehlt, verbringen Tausende Passagiere Heiligabend auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle.

Paris. Weihnachtschaos auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle: Tausende Passagiere saßen Heiligabend verärgert, frustriert und übermüdet auf Europas drittgrößtem Flughafen fest. Rund 400 der geplanten 1160 Flüge fielen am Freitag aus, fast 30.000 Menschen waren von Verspätungen oder Annullierungen betroffen. Der Grund: Am Flughafen gab es kaum noch das Enteisungsmittel Glykol für die Maschinen.

Seit Bestehen der Luftverkehrs-Drehscheibe habe es so etwas noch nie gegeben, sagte der Chef der Betreibergesellschaft ADP, Pierre Graff, dem Radiosender RTL. Er machte „außergewöhnliche Umstände“ geltend. Eine Rückkehr zur Normalität wurde für den späten Abend erwartet. ADP und Air France-KLM buchten im Umkreis des Flughafens 2300 Hotelbetten, um gestrandeten Reisenden eine erneute Übernachtung auf dem Airport zu ersparen. Air-France-KLM-Chef Pierre-Henri Gourgeon sprach mit Blick auf den Glykol-Engpass von einer einzigartigen Situation in Europa, die völlig inakzeptabel sei.

Als ein Hallendach unter den Schneemassen nachzugeben drohte, hatte am Nachmittag auch noch das Terminal 2E geräumt werden müssen. Es ist das gleiche Terminal, dessen Dach im Jahr 2004 kurz nach seiner Eröffnung eingestürzt war und vier Reisende getötet hatte. Feuerwehrleute räumten das Dach bis zum Nachmittag. Die Probleme hatten sich durch einen Streik beim nationalen Glykol-Hersteller verschärft. Nach Informationen des TV-Senders BFM sollte Nachschub aus Deutschland sowie aus den USA kommen.

Staatssekretär Thierry Mariani sagte im Rundfunksender France Inter, er sehe die Airlines bei der Versorgung der Reisenden in der Pflicht. Einige Airlines hätten gut reagiert, andere weniger. Die gestrandeten Passagiere beklagten vor laufender Kamera, sie bekämen zu wenige Informationen. Vor den Schaltern hatten sich schon am Morgen lange Warteschlangen gebildet. Obwohl die Behörden Feldbetten und warme Decken zur Verfügung gestellt hatten, hatten in der Nacht zum Freitag bereits viele in den Terminals auf dem Boden geschlafen.

Beeinträchtigungen gab es in Frankreich am Nachmittag auch auf den Straßen, vor allem im Nordosten des Landes, wo die Behörden Notaufnahmelager für gestrandete Autofahrer einrichteten. Am Ärmelkanal kam der Verkehr auf Nebenstraßen völlig zum Erliegen. In Paris stieg der Wasserpegel der Seine so bedrohlich, dass ein Teil der Uferschnellwege gesperrt werden musste. In den Ardennen, aber auch den Pyrenäen und der Dordogne-Region im Südwesten waren hunderte Haushalte ohne Strom. In mehreren Fällen hatten Bäume die Stromleitungen unterbrochen.

( (dpa/abendblatt.de) )