Königshaus

Schwedens König steht unter Beschuss

Lesedauer: 4 Minuten
Elmar Jung

Monarchie in Aufregung: Carl Gustaf nimmt nach der traditionellen Elchjagd Stellung zu seinen angeblichen Affären. Ein Dementi war das nicht.

Stockholm. Seine königliche Hoheit brauchte einen klaren Kopf. Es war noch dunkel, doch Carl XVI. Gustaf, 64, von Schweden war schon auf den Beinen. In aller Herrgottsfrühe verließ der Monarch gestern mit seiner acht Mann zählenden Entourage Schloss Koberg in der Provinz Västergötland im Westen Schwedens und machte sich auf den Weg zu den königlichen Jagdrevieren. Majestät wollte Elche schießen. So war es abgemacht, und so sollte es auch sein. Gerüchte um heimliche Liebschaften und durchzechte Nächte in Stripklubs hin oder her.

Normalerweise sind bloß ein gutes Dutzend Berichterstatter dabei, wenn der König erklärt, wie und welche Elche er geschossen hat. Gestern wollten mehr als 60 Journalisten den Worten lauschen, denn bei Carl Gustafs angekündigter "kurzer Erklärung" spielten Tiere im Wald eher keine Rolle. Sondern Sitten und Gebräuche in Städten. Der König steht unter Druck.

Die Stellungnahme fällt sehr kurz aus. Dass es eine Reaktion gibt, ist schon aufschlussreich. "Ich habe das Buch noch nicht gelesen und kann es deshalb noch nicht rezensieren", sagte Carl Gustaf. Der Monarch ließ jedoch durchblicken, dass an dem Inhalt etwas dran sein könnte. "Ich habe mit meiner Familie gesprochen, und wir haben uns entschlossen, das Kapitel abzuschließen und nach vorne zu blicken." Ein energisches Dementi ist das nicht. Auch von einer erwarteten Ankündigung, eine Klage gegen die Autoren anstrengen zu wollen, ist nichts zu hören.

Die Schweden sind es gewohnt, dass immer mal wieder kleinere und größere Verfehlungen ihres Königs an die Öffentlichkeit kommen. Bei einem Staatsbesuch in Brunei 2004 sprach Carl Gustaf vom Sultan als bürgernah - tatsächlich herrscht dieser in einer Diktatur. Der König musste sich entschuldigen. Ebenso für Rennen auf Schwedens Autobahnen mit Sohn Prinz Carl Philip, bei denen die Geschwindigkeitsbegrenzung außer Acht gelassen wurde.

Und überhaupt ist es ein offenes Geheimnis, dass Carl Gustaf nicht als der allerhellste Kopf gilt und man sich bei Tisch mit ihm lieber über Sportwagen unterhalten sollte als über Weltpolitik. Wirklich krumm hat das Volk seinem König all das bisher nie genommen. Dafür ist Carl Gustaf zu beliebt.

Was sich nun aber zusammenbraut, könnte Carl Gustaf und damit der Monarchie ernsthaft schaden. "Carl XVI. Gustaf - Der mutwillige Monarch" heißt das Buch, in dem Thomas Sjöberg, Deanne Rauscher und Tove Meyer pikante - und in der Öffentlichkeit schon seit Längerem kolportierte - Details aus dem Privatleben des Königs zusammengetragen haben. Regelmäßig gehe Carl Gustaf in einschlägige Nachtklubs in Stockholm und im Ausland. Systematisch untreu soll er seiner Frau Silvia gewesen sein, heißt es dort indirekt. Der König soll ein Verhältnis mit der Sängerin Camilla Henemark gehabt haben.

Auf 14 Seiten beschreiben die Verfasser im Kapitel "Die Kurtisane" die Affäre. "Wie ein Schuljunge" soll Carl Gustaf in Henemark verliebt gewesen sein und einmal davon gesprochen haben, mit ihr auf eine exotische Insel wie Marlon Brandos Tetiaroa in Polynesien ziehen zu wollen, "um von nichts anderem zu leben als von Kokosnüssen".

Ob richtig oder falsch, der Hof nimmt den Inhalt des Buches offenbar ernst. Die Öffentlichkeit interessiert, wie der König 1996 bei den Olympischen Sommerspielen in Atlanta an einem Abend im Stripladen Gold Club 12 000 Dollar durchbringen konnte. Auch das steht in dem Buch. Allerdings hat das Königshaus den Vorfall früher schon ausdrücklich bestritten.

Für die schwedischen Medien ist "Der mutwillige Monarch" ein Dilemma. Seit jeher tun sich Presse und Rundfunk schwer im Umgang mit Nachrichten, die das Königshaus in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Das seriöse Blatt "Dagens Nyheter" sah von einem Vorab-Artikel über das Buch ab, weil dessen Inhalt "nicht relevant genug" gewesen sei. Bengt Gustavsson, Chefredakteur des Regenbogenblatts "Hänt Extra", drückt es so aus: "Negativ über das Königshaus zu schreiben schadet uns wirtschaftlich. Unsere Leser sind Monarchisten. Und Republikaner kaufen unser Magazin ohnehin nicht."