"Star Princess"

Kreuzfahrtschiff ließ Schiffbrüchige hilflos zurück

Die Besatzung dess Kreuzfahrtschiffes "Star Princess" hat offenbar die Hilferufe mehrerer Schiffbrüchiger ignoriert und die Fahrt fortgesetzt.

Rio Hato/Panama. Nach 16 Tagen auf See glaubten die panamaischen Fischer an die sichere Rettung: Aus der Ferne kam ein Kreuzfahrtschiff auf sie zu. Die hungrigen und durstigen Männern brachten ihre letzten Kräfte auf, winkten mit einem roten Pullover und riefen um Hilfe. Doch das Schiff reagierte nicht und fuhr vorbei, wie der Fischer Adrian Vásquez am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP sagte. Dabei hatten auch Passagiere an Bord die Schiffbrüchigen bemerkt.

"Wir waren glücklich, weil wir dachten, sie würden uns retten", erklärte Vásquez. Stattdessen trieben die Männer weitere zwei Wochen auf See, bevor sie schließlich entdeckt wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Freunde von Vásquez bereits tot. "Gott wird ihnen nicht vergeben", sagte er über die Besatzung des Kreuzfahrtschiffs. "Heute bin ich immer noch wütend, wenn ich daran denke."

Am 1. März entdeckten zwei Passagiere an Bord der "Star Princess" ein kleines Boot in mehreren Kilometern Entfernung. Eine von ihnen war Judy Meredith aus Oregon, die durch ihr Fernglas einen Mann sah, der einen roten Pullover schwenkte. "Man winkt nicht so, um freundlich zu sein", erklärte sie. "Er kämpfte verzweifelt um unsere Aufmerksamkeit."

Weil sie selbst die Brücke nicht betreten durfte, sprach sie mit einem Vertreter der Reederei Princess Cruises. Dieser versprach, er werde die Nachricht an die Besatzung weiterleiten. Meredith reichte das aber noch nicht. Sie ging in ihre Kabine und notierte mithilfe des schiffseigenen Fernsehkanals die aktuellen Koordinaten. Diese schickte sie über ihr Laptop an die US-Küstenwacht und berichtete von ihrer Entdeckung. Auch ihr Sohn erhielt eine Kopie. Als sie wieder an Deck kam, konnte sie das Boot noch immer sehen.

Aber nichts passierte. Das Schiff fuhr weiter und das Boot mit den winkenden Männern verschwand. "Wir sind fast verrückt geworden", sagte Meredith.

Die Reederei erklärte, vorläufigen Untersuchungen zufolge sei dem Kapitän die Nachricht über die Schiffbrüchigen nie überbracht worden. Sonst hätte er den Kurs geändert, erklärte das Unternehmen, wie dies schon mehr als 30 Mal in den vergangenen zehn Jahren der Fall gewesen sei. Die Reederei drückte dem Opfer und den Angehörigen der Verstorbenen ihr Beileid aus.

Die Fischer waren am 24. Februar von Rio Hato aus zum Fischen gefahren und machten reiche Beute. Dann allerdings fiel der Motor ihres Bootes aus und sie trieben im Meer. Das wenige Wasser, das sie dabei hatten, war bald aufgebraucht. Manchmal gelang es Vásquez, treibende Trümmer einzuholen, in denen sie Kokosnüsse fanden, und einmal auch einen Behälter mit Wasser.

Nach dem Tod seiner Freunde warf Vásquez die Leichen über Bord, als sie in der Hitze zu faulen begannen. Er selbst wurde schließlich nach 28 Tagen gerettet. Er erzählte den Behörden in Panama von dem vorbeifahrenden Kreuzfahrtschiff und erkannte auf Fotos von Passagieren sein Boot wieder.

Zuhause in Oregon konnte Meredith vor Sorgen nicht schlafen. Sie fragte sich immer wieder, was mit den Männern passiert sein mochte. Aus der Zeitung erfuhr sie von einem Panamaer, der vor Ecuador nach 28 gerettet wurde. Sie wandte sich an Princess Cruises, die Küstenwacht und sogar die Botschaft von Panama. "Wir waren aufgebracht und wollten einfach glauben, dass das Schiff jemanden informiert hat", sagte sie.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.