Missbrauchs-Skandal

Vatikan arbeitet mit US-Behörden zusammen

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Ein beschuldigter indischer Priester soll auf Empfehlung des Vatikans seines Amtes enthoben werden.

Rom. Der Vatikan will die US-Justiz beim Vorgehen gegen einen indischen Priester unterstützen, der 2004 in Minnesota eine 14-Jährige missbraucht haben soll. Vatikan-Anwalt Jeffrey Lena teilte am Montag mit, die Kirche habe bei der Ausweisung des Geistlichen Joseph Palanivel Jeyapaul an die USA kooperiert, indem sie seine Adresse in Indien mitgeteilt habe.

Zudem habe der Vatikan empfohlen, den Priester seines Amtes zu entheben. Dies habe der Jeyapaul direkt vorgesetzte Bischof A. Almaraj von der südindischen Diözese Ootacamund abgelehnt. Almaraj habe erklärt, er habe den Priester bestraft, indem er ihn zum Gebet in ein Kloster geschickt habe.

Der Vatikan wurde der Nachrichtenagentur AP vorliegenden Dokumenten zufolge 2006 über die Vorwürfe informiert, ergriff aber keinerlei Schritte gegen den Beschuldigten. Jeyapaul wies die Vorwürfe am Montag zurück. „Ich kenne das Mädchen nicht einmal“, sagte er über die Jugendliche, die er im Herbst 2004 missbraucht haben soll.

Bekannt wurden die Vorwürfe erst 2005, als der Priester sich zu einem Familienbesuch in Indien aufhielt. Seine damaligen Kollegen in den USA hätten ihm geraten, nicht nach Minnesota zurückzukehren, sagte Jeyapaul der AP in einem Telefoninterview. In Indien wurde er für ein Jahr in ein Kloster geschickt, derzeit arbeitet er im Büro der Diözese von Ootacamund in Südindien.

Die Glaubenskongregation der katholischen Kirche in Rom wurde Ende 2006 vom damaligen Bischof von Crookston in Minnesota, Victor Balke, über den Fall informiert. „Ich hoffe, Sie finden zum Wohle der Kirche schnell eine Lösung für diesen Fall“, schrieb Balke an den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada. Balke bekam aber nie eine Antwort. Der Fall wurde jetzt vom Netzwerk von Überlebenden von Missbrauch durch Priester (SNAP) in den USA publik gemacht, das eine Suspendierung Jeyapauls und seine Auslieferung in die USA fordert.