Winter Statistik

Schnee- und Eiswinter: Der Rekord ist nur gefühlt

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Wochenlang schien der Winter kein Ende zu nehmen. Trotzdem erreichen die Frostmonate in der Rangliste der kältesten Winter nur Platz 20.

Offenbach. Gefühlt ist dieser Winter überlang und bitterkalt. An der Ostsee türmt sich immer noch das Eis, Flüsse und Seen sind zugefroren. Wochenlang lag ganz Deutschland unter einer zeitweise über 20 Milliarden Tonnen schweren Schneedecke, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) ausrechnete. Vielerorts glichen Gehwege Buckelpisten, auf denen sich Tausende Fußgänger die Knochen brachen. Aber in der nüchternen Statistik der Meteorologen bricht dieser Winter keine Rekorde.

Zwar spricht DWD-Sprecher Gerhard Lux von einem „Winter, der sich gewaschen hat“. Lux sagt auch, dass der letzte vergleichbare Winter 31 Jahre zurückliege. Dennoch konstatieren die Meteorologen insgesamt nur mäßige Abweichungen: Gemittelt über die drei Monate Dezember, Januar und Februar und alle Regionen war es in Deutschland nur 1,5 Grad kälter als im langjährigen Durchschnitt. Das ist weit entfernt von einer Bestmarke.

In der Reihe der kältesten Winter seit 1901 rangiere der Winter 2009/10 bloß auf Platz 20, teilte der DWD am Freitag mit. Viel kälter war es 1962/63, als die Durchschnittstemperatur 5,7 Grad unter dem langjährigen Mittel lag. 1939/40 war es 5,2 Grad kälter als gewöhnlich.

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Ungewöhnlich waren allerdings die Schneemassen, die sich im Norden und Nordosten auftürmten und zwischendurch nicht wegtauten. Dies lag an den besonders häufigen Wetterlagen mit kalten, nördlichen Winden im Dezember und mit östlichen Winden im Januar. Dazwischen brachten Tiefdruckgebiete vom Atlantik immer wieder neuen Schnee. In Mecklenburg-Vorpommern lag zeitweise über ein halber Meter der weißen Pracht. Berlin lag nach Angaben des DWD 59 Tage lang, vom 30. Dezember bis zum 26. Februar, ununterbrochen unter Schnee. Zum Vergleich: Im strengen Winter 1962/63 waren es 70 Tage. Mit rund 173 Litern pro Quadratmeter blieb die Niederschlagsmenge insgesamt aber um vier Prozent unter dem Normalwert.

Der sonnenscheinärmste Winter seit 40 Jahren

Die Sonne kam seit Anfang Dezember kaum zum Zuge. Mit durchschnittlich 113 Stunden registriert der DWD den sonnenscheinärmsten Winter seit mindestens 40 Jahren. Besonders trübe war es oft im Mittelgebirgsraum. So kamen im Spessart lediglich etwa 44 Sonnenstunden zusammen, in Oberstdorf im Alpenvorland dagegen 238 Stunden.

Trotz Kälte, Schnee und Eis: Am langfristigen Klimatrend ändere sich nichts, betonen Klimaforscher. In einigen nördlichen Erdregionen sei es sogar weit wärmer als normal, sagte Hartmut Graßl vom Hamburger Max- Planck-Institut für Meteorologie kürzlich. Er erinnerte dabei an den strengen Winter 1962/63, als Wagemutige mit dem Auto über den Bodensee gefahren oder über den Rhein spaziert seien.

2000 bis 2009 war nach den Aufzeichnungen des DWD in Deutschland die wärmste Dekade seit mindestens 130 Jahren. In dieses Jahrzehnt fallen auch die Jahre 2000 und 2007, mit jeweils 1,7 Grad über dem Normalwert die beiden wärmsten Jahre seit Beginn der flächendeckenden Messungen. Selbst 2004, das kühlste Jahr des vergangenen Jahrzehnts, lag ein knappes Grad über dem langjährigen klimatologischen Mittel.