Wetter in Deutschland

Der Winter bleibt - Deutschland friert weiter

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Foto: dpa / dpa/DPA

Der Frühling ist noch fern. Laut Deutschem Wetterdienst müssen wir uns weiter auf Schnee und winterliche Temperaturen einstellen.

Hamburg. Klirrende Kälte beherrscht weiter große Teile Europas. Auch die Ostsee friert, vor allem im nördlichen Teil. In Deutschland kam es erneut zu zahlreichen Unfällen und Störungen im Verkehr. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) setzt in den nächsten Tagen zwar Tauwetter ein, zunächst aber kommt am Dienstag eine neue Schneefront. Bis zu 25 Zentimeter Neuschnee könne Tief „Miriam“ im Bergland bringen, hieß es. Die Bauernregel „Wenn es an Lichtmess (2. Februar) stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit“ wird laut DWD in diesem Jahr wahrscheinlich nicht zutreffen.

In der nördlichen Ostsee seien sämtliche Spezialschiffe aus Finnland und Schweden im Einsatz, um Fahrrinnen freizubrechen, teilten die zuständigen Stellen in Helsinki und Stockholm mit. Trotz der angespannten Lage mit Aussicht auf Frost auch in den nächsten Wochen bezeichneten Experten die Eisentwicklung als normal. „Wir haben uns nur durch viele warme Winter in den letzten Jahren daran gewöhnt, dass man fast überhaupt keine Eisbrecher benötigt“, sagte Patrick Eriksson vom Meteorologischen Institut in Helsinki.

Auf der deutschen Ostsee-Insel Hiddensee, die seit Freitag als von der Außenwelt abgeschnitten gilt, wurden am Montag erste Lebensmittel knapp. Brot, Eier, Kartoffeln sowie frisches Obst und Gemüse seien ausverkauft, sagte der Leiter des Edeka-Ladens in Vitte, Horst Sachse, am Telefon. Hungern müsse jedoch keiner, Konserven gebe es noch. Ein Spezialschiff soll nach den Worten von Bürgermeister Manfred Gau nun Lebensmittel nach Hiddensee bringen. Vorsorglich sei auch eine Versorgung aus der Luft beantragt worden.

Auf Deutschlands größten Seehafen in Hamburg wirkt sich der Eisgang auf der Elbe bislang kaum aus. Mehrere Eisbrecher halten die bis zu 30 Zentimeter dicken Schollen in Bewegung. Am Montag dauerte der Eis-Einsatz bereits 26 Tage. Damit war der letzte starke Eiswinter 1997 mit 35 Einsatztagen noch nicht erreicht.

Auf dem vereisten Mittellandkanal steckte nahe Minden in Westfalen ein leckgeschlagenes Frachtschiff fest. Das Güterschiff mit rund 830 Tonnen Aluminiumoxid auf dem Weg nach Rotterdam wurde entladen.

Schneefall und überfrierende Nässe führten am Morgen zum Beispiel in Schleswig-Holstein zu vielen Autounfällen. Nach Angaben der Polizei Itzehoe waren viele Straßen schlecht gestreut. Fast immer fuhren die Fahrer zu schnell und rutschten in den Graben oder in die Leitplanke. Um die letzten Salzreserven zu schonen, streckt die Hamburger Stadtreinigung jetzt ihr Streusalz mit Sand. „Es ist absolut kein Salz mehr auf dem Markt“, sagte der Sprecher der Stadtreinigung. Salznachschub sei erst für die kommende Woche zu erwarten. Zwei Schiffe seien auf dem Weg.

Am Montagmorgen lag ganz Deutschland unter einer geschlossenen Schneedecke. Auch dort, wo der Schnee zwischendurch weggetaut war, war es wieder weiß. Nur die Nordseeinsel Helgoland meldete laut DWD null Zentimeter Schnee. Nach wie vor lag im Nordosten mehr Schnee als in Bayern: In Greifswald war die Schneedecke um 7.00 Uhr 46 Zentimeter dick, die Ostseeinsel Rügen meldete 27 Zentimeter. In Bayern brachte es Oberstdorf im Allgäu auf 37 Zentimeter, München auf elf.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen droht am Dienstag vor allem auf der Sauerlandlinie, der Autobahn 45, Chaos. „Wer dort nicht fahren muss, sollte die Strecke meiden“, sagte Andreas Wagner vom Wetterdienst Meteomedia.

Währenddessen boten zugefrorene Gewässer weiter Freizeitspaß. Auf den schmalen und flachen Kanälen im Spreewald bei Berlin - Fließe genannt - fuhren Jung und Alt mit Schlittschuhen. Wirte hatten am Ufer Imbissstände und Gulaschkanonen aufgebaut. Die Eisschicht war aber an Wehren und einigen Brücken brüchig. Dort kontrollierte die Polizei häufiger und schickte auch Leute ans Ufer.

Tragische Unfälle im Schnee wurden zum Teil erst mit Verspätung bekannt. In Bayern starb bereits am Sonntag ein Zehnjähriger, nachdem ihn ein Verwandter mit dem Traktor auf einem Strohsack durch den Schnee im oberpfälzischen Berg gezogen hatte. Der Sack war in einer Kurve gegen einen Pfosten geprallt, einen Tag später erlag der Junge seinen Verletzungen.

Ein schwedischer Bahnarbeiter kam auf dem Bahnhof der Kleinstadt Linghem um. Ein Zug überrollte den Mann, der zusammen mit seinen Kollegen Weichen an der Bahnhofseinfahrt freiräumen sollte.

Zwei Räuber wurden derweil vom Schnee überführt. Die Männer hatten die Post-Filiale in Niederbachem bei Bonn überfallen und Bargeld erbeutet. Eine Fahndung blieb zunächst erfolglos. Eine 62-Jährige bemerkte jedoch am Sonntag Schuhspuren im Schnee, die zu einem Gartenhäuschen führten. Sie rief die Polizei. Die Beamten trafen dort auf einen 19-Jährigen, eine 20-Jährige - und die Beute.

( (dpa) )