Entgleist: Staatsanwalt ermittelt nach Achsbruch im Kölner Hauptbahnhof

ICE entging nur knapp der Katastrophe

61 Züge aus dem Verkehr gezogen. Bis Montag Ausfälle - auch in Hamburg.

Frankfurt. Schock für die Deutsche Bahn und alle Zugreisenden. Ein ICE-3 ist möglicherweise nur knapp einer Katastrophe entgangen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der am Mittwoch im Kölner Hauptbahnhof entgleiste Zug seinen technischen Defekt schon auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt und Köln hatte, wo er mit Tempo 300 unterwegs war. Die Bahn reagierte mit der größten Wartungsaktion seit dem Unglück von Eschede 1998 (101 Tote).

Der ICE war am Mittwoch bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof wegen einer defekten Radsatzwelle entgleist, wie das Eisenbahnbundesamt feststellte. Unklar ist, ob Bahnmitarbeiter während der Fahrt verdächtige Geräusche ignorierten, wie Fahrgäste behaupten. "Man möchte sich nicht ausmalen, was hätte passieren können", sagt Oberstaatsanwalt Günther Feld.

Die Bahn zog 61 ICE-Züge der dritten Generation für Sicherheits-Checks aus dem Verkehr und strich 90 Fernverbindungen, darunter auch zwei ICEs Hamburg-München. Erst am Montag soll der Betrieb wieder normal laufen. Damit gehe die Bahn "auf Nummer Sicher", so Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch.

Bis zum Nachmittag wurden per Ultraschall Räder und Achsen von acht Zügen kontrolliert. Noch am Freitagabend kam es auf vielen großen Bahnhöfen zu Zugausfällen und massiven Behinderungen im Reiseverkehr. An diesem Sonnabend sollen etwa 40 Prozent der ICE-3-Leistungen wieder zur Verfügung stehen, am Montag 95 Prozent.

Hätte die Bahn den Unfall in Köln verhindern können? Reisende sollen bereits kurz nach der Abfahrt vom Frankfurter Flughafen verdächtige Geräusche bemerkt und diese beim Bahnpersonal gemeldet haben, wie Oberstaatsanwalt Feld sagt. Ihnen sei aber gesagt worden, das sei nichts Ungewöhnliches.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, mindestens fünf Reisende hätten das Zugpersonal angeblich auf "Klappergeräusche" aufmerksam gemacht. Die Reisenden hätten in Wagen 23 gesessen, der später entgleist sei. Sie hätten sich gleich nach dem Unfall bei der Bundespolizei gemeldet. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob es einen Zusammenhang zwischen den Geräuschen und dem späteren Entgleisen des Zuges gab. Gegebenenfalls müsse man sich fragen, "ob da falsch reagiert wurde", sagte Feld. Die Ermittlungen richten sich zunächst gegen unbekannte Bahn-Mitarbeiter.

Die Bahn erklärte zu den Ermittlungen, es dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, das Fahrpersonal des ICE habe "nicht auf Hinweise von Fahrgästen über atypische Fahrgeräusche reagiert". Das Personal habe die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Der Zug sei bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof vom Zugpersonal gestoppt worden. Ob der Zug zuvor entgleist war oder erst dann aus dem Gleis sprang, sei unklar.

Laut Bahn werden nun 61 von 67 ICE-3-Zügen überprüft. Die anderen sechs seien gerade erst gewartet worden. Der Ausfall trifft die Bahn mitten in der Urlaubsreisezeit. Kunden können Informationen zu kurzfristigen Fahrplanänderungen unter einer kostenlosen Hotline und im Internet abrufen (siehe unten). Von Zugausfällen betroffene Reisende können ihre Fahrkarten nach Angaben der Bahn kostenlos umtauschen oder sich erstatten lassen.


Informationen der Deutschen Bahn zu kurzfristigen Fahrplanänderungen im Internet: www.bahn.de/aktuell

Kostenlose telefonische Hotline für Bahnkunden: 08000/99 66 33