Verschleppte Bankiersfrau

Kriminalpsychologe: Entführer haben keinen "Plan B"

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Nach Ansicht eines Kriminalpsychologen sei die Entführung der Heidenheimer Bankiersfrau Maria B. einfach "schlicht geplant" worden.

Heidenheim/München. Die Entführer der Heidenheimer Bankiersfrau Maria B. haben nach Ansicht eines Kriminalpsychologen keinen Plan B. Die Tat sei einfach „schlicht geplant“ worden, sagte Professor Rudolf Egg: „Der oder die Täter melden sich vermutlich deshalb nicht mehr, weil sie nach der gescheiterten Übergabe keinen zweiten Plan haben.“

Es sei gut möglich, dass sie bei der verabredeten Geldübergabe gestört wurden, sagte der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. „Sie ist der heikelste Punkt bei einer Entführung, weil die Täter hier aus dem Verborgenen heraustreten müssen.“ Die meisten Entführungen würden genau daran scheitern. Die Übergabe an der Autobahn 7 bei Heidenheim, im Müllbeutel unter einer Deutschlandfahne, sei zudem „nicht sehr clever“ geplant gewesen. Andere Entführer würden da durchdachter zu Werke gehen.

Die Vorgehensweise der Täter bedeute eher ein höheres Risiko für die 54-jährige Heidenheimerin, die am Mittwoch vergangener Woche aus dem Haus der Familie entführt worden war. „Mit planvoll handelnden Tätern ist es schon deshalb leichter, weil man mit ihnen kommunizieren kann.“

Werde das Opfer bei der Suche in den Wäldern rund um die vereinbarte Übergabestelle nicht gefunden, seien neue Anhaltspunkte wichtig. „Einfach nur irgendwo zu suchen, ist nicht zielführend.“ Egg hält es für sehr wahrscheinlich, dass jemand hinter dem Verbrechen stehe, der die Verhältnisse der Heidenheimer Familie kennt oder den etwas mit der Sparkasse verbindet. Das müsse aber nicht bedeuten, dass er der Familie von Maria B. bekannt sei. „Der Kreis der möglichen Täter ist sehr groß.“

Dass sich in dem Entführungsfall derzeit nichts mehr bewegt, wertete der Psychologe als besorgniserregendes Zeichen. Eine Woche sei natürlich vor allem für die Familie sehr lang. Aussichtslos sei die Lage deshalb aber nicht. „Sie kann natürlich noch gefunden werden.“ Dass die Familie über „Aktenzeichen XY ungelöst“ an die Täter appelliert hat , sieht Egg als richtigen Schritt. Wenn sie die Täter damit nicht erreicht hätten, dann vielleicht deren Verwandte oder Freunde, die wertvolle Tipps geben könnten.

Im Fall der entführten Bankiersfrau Maria B. waren nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ bei der Heidenheimer Polizei 91 Hinweise eingegangen. Es gebe aber keine neuen Erkenntnisse, wo sich die 54-jährige Frau befinde, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Noch am Abend der Fernsehsendung überprüfte die Polizei sieben eingegangene Hinweise. Doch auch diese Ermittlungen blieben erfolglos. Die Bankiersfrau war am Mittwoch vergangener Woche aus dem Haus der Familie entführt worden. Die meisten Zeugen, die sich nach der TV-Sendung meldeten, hatten das im Kloster Neresheim gefundene Auto oder die Deutschlandflagge am Ort der gescheiterten Geldübergabe an der Autobahn 7 gesehen.

Insgesamt gibt es mittlerweile mehr als 1100 Hinweise aus der Bevölkerung zu dem Fall. Die Polizei setzte am Donnerstag ihre Suche in den Wäldern der Region fort. Die engmaschige „Flächensuche“ werde aber vermutlich demnächst eingestellt, sagte ein Polizeisprecher. Danach würden die Ermittler die Hinweise weiter auswerten und auf deren Grundlage nur noch gezielt in der Region suchen.

Mit einem verzweifelten Appell hatte sich die Familie der entführten Bankiersfrau Maria B. in der Fernsehsendung an die Täter gewandt. „Wir flehen sie an, die für uns alle so qualvolle Situation positiv zu beenden“, sagte der Sohn. Seine Schwester ergänzte weinend: „Bitte geben Sie uns ein Zeichen, wo unsere Mutter ist.“