Hamburg. Bei der Eröffnung der Hamburg European Open tritt der Sänger auf. Auch die Hamburger Goldkehlchen kommen auf die Bühne.

Wo Sandra Reichel recht hat, hat sie recht: „Michael Stich gegen John McEnroe ist nicht zu toppen.“ Mit dem Showmatch gegen den siebenmaligen Grand-Slam-Champion aus New York hatte Hamburgs Wimbledon-Champion vor einem Jahr seinen Abschied als Turnierdirektor des ATP-Turniers am Rothenbaum eingeleitet – und die Hürde für seine Nachfolger sehr hoch gelegt. Einzige Konsequenz daraus: „Wir wollen etwas ganz anderes machen.“

Also kein Spiel verdienter Altstars wie in den zehn Stich-Jahren mehr. Turnierdirektorin Sandra Reichel und ihr Vater Peter-Michael Reichel, die vom Deutschen Tennis Bund (DTB) für fünf Jahre die Veranstalterlizenz erworben hatten, bieten stattdessen als „Eröffnungsevent“ zu Deutschlands traditionsreichstem Tennisturnier am Sonntag, 21. Juli (19 Uhr), im Stadion unter dem Motto „Tennis meets music“ eine originelle Spielerpräsentation, umrahmt von Livemusik. „Das ist zukunftsweisend“, sagt und hofft Sandra Reichel.

In Max Giesinger kann sie einen prominenten und oft im Radio gespielten Sänger präsentieren, der knapp 40 Minuten lang, nur begleitet von seinem Gitarristen Steffen Graef, einen akustischen Unplugged-Gig seiner Hits wie „80 Millionen“ oder „Wenn sie tanzt“ spielen wird.

Matthias Killing und Barbara Schett moderieren

Giesinger lebt seit einigen Jahren in Hamburg und greift in seiner Freizeit auch gerne selbst zum Tennisschläger. Im Internet wirbt er mit einem Video lässig mit freiem Oberkörper und einem Eisdrink in der Hand für seinen Auftritt: „Kommt vorbei. Wir machen Musik für euch. Bis dahin habt einen schönen Sommer.“ Auch dieser Spot richtet sich eher an ein jüngeres Publikum.

Vor dem Songschreiber tritt das Männerchor-Phänomen (Eigenwerbung: „70 Männer, ein Chor, keiner kann singen“) Hamburger Goldkehlchen auf. Seit dem Spätsommer 2016 haben sich die Jungs durch geschicktes Marketing in sozialen Netzwerken Kultstatus ersungen. „Für uns als Lokalmatadoren ist es eine absolute Ehre, dabei zu sein“, sagt Chorgründer Flemming Pinck, „wir sind jetzt schon völlig heiß darauf und werden 110 Prozent geben.“

Am Anfang aber wird es um die Spieler gehen. Matthias Killing und Barbara Schett, die beide auch während des Turniers als Moderatoren Interviews und durch das Programm führen werden, stellen die Profis vor. Insbesondere natürlich die beiden Top-Ten-Spieler Dominic Thiem (Österreich) und Fabio Fognini (Italien), die vertraglich verpflichtet sind, sich bereits am Sonntag den Zuschauern zu präsentieren. Auch die Deutschen Jan-Lennard Struff und Philipp Kohlschreiber sind dann schon dabei. Der Hamburger DJ Kai Schwarz soll die Vorstellung der Spieler musikalisch begleiten. Auch das wird dann eher hipp und modern. „Es wird ein bisschen anders als normalerweise“, sagt Reichel, „die Spieler werden da nicht nur Tennisklamotten tragen.“

Titelsponsor für Hamburg European Open fehlt

Schon das Auftaktevent könnte also zu einem Test werden, wie bereit das Hamburger Tennispublikum ist, sich auf etwas Neues einzulassen. „Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass Turnier sei einfach schon immer da gewesen. Wir wollen neu anfangen“, betonte Sandra Reichel. „Wir müssen auch noch mehr die Wertigkeit betonen. Es ist ein 500er-Turnier, eines der bedeutendsten der Welt.“

Auch damit hat sie recht. Das Bewusstsein für die Bedeutung dieses Sportereignisses vor allem bei der Wirtschaft in der Stadt zu schärfen bleibt aber eine schwierige Aufgabe. Ein Titelsponsor für die Hamburg European Open fehlt weiterhin, nennenswerte lokale Unterstützer ebenso. Die Großkonzerne der Stadt sind von jeher äußerst zögerlich, wenn es darum geht, den Spitzensport zu fördern. Die Reichels mussten da bislang ähnliche Erfahrungen machen wie zahlreiche andere Veranstalter von professionellen Sportevents. Immerhin ist Edeka zunächst für ein Jahr wieder als „Ernährungspartner“ eingestiegen. Ursprünglich hatte die Lebensmittelgenossenschaft ihr Sponsoring am Rothenbaum im vergangenen Jahr beendet. Für den Sinneswandel brauchte es Unterstützung vonseiten der Stadt.

„Man muss sich das so vorstellen, dass der Senator bei unserem Vorstandsvorsitzenden angerufen und um ein Engagement gebeten hat“, räumte Edeka-Unternehmenssprecher Rolf Lange ein. Offenbar hatte Andy Grote gute Argumente. Der Vorstandsvorsitzende Markus Mosa lässt sich so zitieren: „Wir sind gerne dem Wunsch der Stadt Hamburg nachgekommen, das Traditionsturnier zu unterstützen, um so eine dauerhafte Ausrichtung in Hamburg mit zu sichern.“ Auch dafür hat Max Giesinger das richtige Lied: „Du kannst das.“

Karten für 20 und 30 Euro sind unter www.hamburg-open.com/tickets oder 01806- 991175 erhältlich. Tickets gibt es auch in der Geschäftsstelle des Hamburger Abendblatts (Großer Burstah 18–32, 20457 Hamburg), über die Abendblatt-Ticket-Hotline (040/30 30 98 98) und in allen Abendblatt-Ticketshops.

Am 4. Juli erscheint zu dem Turnier ein 108-seitiges Magazin des Hamburger Abendblatts und des Tennis-Magazins. Das Magazin ist jetzt bereits vorzubestellen unter: abendblatt.de/magazine oder 040/333 66 999 und auf Amazon. Preis: 9 Euro, Treuepreis 7 Euro