Olympische Winterspiele

"Schwul gefahren": Skiläuferin Haaser handelt sich Ärger ein

Pechstein verpasst Medaille und will bis Peking weitermachen. Lölling im Skeleton auf Goldkurs. Panne mit Ballermann-Hit.

Pyeongchang. Tag sieben in Pyeongchang – kann Deutschland nach dem sensationellen Gold der Paarläufer Aljona Savchenko und Bruno Massot und dem Sieg des Rodel-Teams am Freitag Platz eins im Medaillenspiegel verteidigen? Abendblatt.de hält Sie über das Geschehen bei den Olympischen Winterspielen auf dem Laufenden.

Wellinger nimmt weitere Medaille ins Visier

Normalschanzen-Olympiasieger Andreas Wellinger hat in der Qualifikation zum zweiten olympischen Skispringen einen guten vierten Platz belegt und damit seine Ambitionen auf eine weitere Medaille in der Entscheidung am Sonnabend (13.35 Uhr MEZ) untermauert. Bei schwierigen Bedingungen flog der 22-Jährige in Pyeongchang auf 135,0 m und kam auf 127,1 Punkte.

"Alles gut", sagte Wellinger: "Ich habe ein wenig gebraucht, mich auf die Schanze einzustellen. Heute waren es aber coole Sprünge, wirklich auf einem hohen Niveau. Ich bin total entspannt. Ich habe hier mehr erreicht, als ich mir vorgenommen habe. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Ich will aber natürlich um einem Medaille mitspringen."

Wellinger lag im erstaunlich gut besuchten Stadion knapp hinter den beiden Norwegern Robert Johansson (135,0 m/131,9 Punkte) und Johann Andre Forfang (137,0/128,7) sowie dem Japaner Ryoyu Kobayashi, der bei mächtigem Aufwind zum Schanzenrekord von 143,5 m flog, aber nach großen Abzügen nur 127,6 Punkte erhielt.

Die weiteren Deutschen konnten nicht ganz an die guten Leistungen der beiden Trainingstage zuvor anknüpfen, erreichten aber problemlos den Wettkampf der besten 50. Mitfavorit Richard Freitag (Aue) kam mit 130,0 m auf Platz 13. Markus Eisenbichler (Siegsdorf) wurde mit 135,0 m Neunter. Karl Geiger (Oberstdorf), der sich im Ausspringen am Donnerstag gegen den Willinger Stephan Leyhe den vierten deutschen Startplatz gesichert hatte, erreichte mit 130,5 m Platz zwölf.

Haaser bedauert schwulenfeindliche Äußerung

Eine unbedachte Äußerung hat Österreichs Skifahrerin Ricarda Haaser einigen Ärger beschert. Über ihren zweiten Lauf im Riesenslalom sagte die Olympia-17. am Donnerstag im ORF-Fernsehen: „Vor allem oben war es viel besser, da bin ich nicht so schwul runtergefahren wie im ersten Lauf.“

Ricarda Haaser Zitat

Ihre Aussage wurde in den sozialen Medien als schwulenfeindlich kritisiert. Die 24-Jährige bat später um Entschuldigung. „Im Interview nach dem Olympia-Riesentorlauf habe ich mich heute in meiner Wortwahl vergriffen“, schrieb die Tirolerin bei Facebook. „Sollte ich mit meiner Aussage jemandem zu nahe getreten sein, entschuldige ich mich dafür. Das war nicht meine Absicht.“

Deutsche Eishockeyspieler im Pech

Zweimal Latte, zweimal Pfosten, kein Tor: Mit viel Schusspech hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft auch ihr zweites Spiel verloren. Einen Tag nach dem 2:5 gegen Finnland unterlag das deutlich verbesserte Team von Bundestrainer Marco Sturm dem Weltmeister und Goldkandidaten Schweden unglücklich mit 0:1 (0:1, 0:0, 0:0).

"Im Moment sind wir ein bisschen frustriert", sagte Routinier Christian Ehrhoff im ZDF-Interview. "Aber so ist das im Profisport, da entscheiden Zentimeter über Sieg oder Niederlage." Viktor Stalberg (2.) erzielte im Kwandong Hockey Centre das Tor für Schweden, den Olympiasieger von 1994 und 2006.

Für die deutsche Mannschaft geht es im letzten Vorrundenspiel am Sonntag (12.10 Uhr OZ/4.10 MEZ) gegen Norwegen um Platz drei in der Gruppe C und damit um eine gute Ausgangsposition für das K.-o.-Spiel um den Viertelfinaleinzug am Dienstag. "Jetzt haben wir ein Endspiel", sagte Ehrhoff kämpferisch. Schweden, mit nur noch fünf Spielern vom WM-Triumph im vergangenen Jahr in Köln, hat nach zwei Siegen beste Aussichten auf die direkte Qualifikation für die Runde der letzten Acht.

"Alles klar im BH" – Panne mit Ballermann-Hit

Olympia-Aus für Mickie Krause: Der Gassenhauser „Düp, Düp“ des deutschen Partysängers ertönt bei den Winterspielen in Pyeongchang nicht mehr bei Toren des schwedischen Frauen-Eishockeyteams. „Das war natürlich unglücklich ausgewählt und wurde auch direkt korrigiert“, sagte der sporttechnische Leiter des olympischen Eishockeyturniers, Martin Hyun, am Freitag. „Ich bin persönlich hingegangen und habe gesagt: Bitte Mickie Krause rausstreichen.“

Beim 8:0-Sieg Schwedens in der Vorrunde des Frauenturniers am Montag gegen das geeinte koreanische Team erklangen nach jedem schwedischen Tor „Düp Düp“. Darin heißt es unter anderem: „Alles klärchen am Bärchen, alles klar im BH, alles Roger in Kambodscha, alles wunderbar, ich lass den Bimbam baumeln.“ Die Stadionregie hielt den Song offenbar fälschlicherweise für ein schwedisches Stimmungslied.

Hyun, ein in Krefeld geborener Deutscher koreanischer Eltern, fiel der Fauxpas hingegen sofort auf. „Es tut mir Leid für den Interpreten. Ich habe nichts persönlich gegen ihn, aber bei so einem historischen Ereignis sollte man ein angemesseneres Lied auswählen“, sagte der 38 Jahre alte ehemalige Profi der Krefeld Pinguine.

Lölling auf Goldkurs

Weltmeisterin Jacqueline Lölling aus Winterberg liegt zur Halbzeit des olympischen Skeleton-Rennens auf Goldkurs. Die 23-Jährige führt nach zwei von vier Läufen in Pyeongchang knapp vor der Österreicherin Janine Flock (+0,02 Sekunden) und der britischen Olympiasiegerin Lizzy Yarnold (+0,10). Die Entscheidung fällt am Sonnabend.

Auch Anna Fernstädt (Berchtesgaden/+0,30) und Vizeweltmeisterin Tina Hermann (Königssee/+0,43) schielen noch auf das Podest. Fernstädt belegt Rang fünf, Hermann folgt direkt dahinter.

Lölling ist Weltmeisterin und Weltcup-Gesamtsiegerin, zudem hatte sie den bislang einzigen Weltcup auf der neuen Olympiabahn im vergangenen Winter gewonnen. Sie reiste daher als Favoritin zu ihren ersten Winterspielen. Nach Rang zwei im ersten Durchgang zog sie an der Führenden Yarnold zur Halbzeit vorbei.

Yarnold hatte 2014 in Sotschi Gold gewonnen, Ende 2015 legte sie eine einjährige Wettkampfpause ein. Seither spielte sie in den Weltcups und bei Weltmeisterschaften keine prominente Rolle mehr, so fuhr sie im Verlauf des olympischen Winters nur einmal auf das Podest.

Pechstein wird Achte und will bis 2022 weitermachen

Mit hochrotem Kopf ließ sich Claudia Pechstein völlig entkräftet auf die Bande fallen, nur der Beifall für ihr sportliches Lebenswerk spendete ein wenig Trost. Fast auf den Tag genau 26 Jahre nach dem Gewinn ihrer ersten Olympiamedaille hat sich der große Traum vom zehnten Edelmetall für Deutschlands Rekord-Olympionikin nicht erfüllt.

Dreimal nacheinander (1994 bis 2002) hatte die Eisschnellläuferin olympisches Gold auf ihrer Paradestrecke 5000 m geholt, am Freitag blieb die Sensation im Generationenduell aus. In 7:05,43 Minuten wurde die hoch gehandelte Pechstein letztlich abgeschlagen Achte – der "Eis-Oma" waren die Kräfte ausgegangen.

"Ich habe versucht, gleichmäßig zu laufen. Das ging nicht lange gut. Siegen oder sterben – bei mir ging es in Richtung sterben", sagte Pechstein über ihre Vorstellung im Gangneung Oval bei Eurosport: "Ich bin nicht Letzte geworden, da kann ich fast schon wieder happy sein. Ob Vierte, Fünfte oder Sechste ist scheißegal – Medaille oder gar nichts!"

Gold ging an die 22-jährige Esmee Visser aus den Niederlanden, die mit Bahnrekord von 6:50,23 Minuten ihrer Rolle als Geheimfavoritin gerecht wurde. Zweite wurde die dreimalige Olympiasiegerin Martina Sablikova (Tschechien/6:51,85) vor der Russin Natalja Woronina (6:53,98).

Pechstein bekräftigte nach ihrem enttäuschenden Auftritt erneut, auch bei den kommenden Winterspielen in Peking anzutreten – mit dann fast 50 Jahren: "Ich habe es versucht, jetzt greife ich in vier Jahren noch mal an."

Weißrussin Huskowa holt Gold im Ski-Freestyle

Ski-Freestylerin Hanna Huskowa hat überraschend im Sprung-Wettbewerb triumphiert und Weißrussland die erste Medaille in Pyeongchang beschert. Die 25-Jährige gewann das Aerials-Finale mit 96,14 Punkten vor den beiden Chinesinnen Zhang Xin (95,52) und Kong Fanyu (70,14).

Huskowa, Zweite im Gesamtweltcup, holte ihre erste Medaille bei einem Großevent. Dagegen scheiterte Topfavoritin Xu Mengtao bereits im zweiten von drei Finaldurchgängen. Die Chinesin, vor vier Jahren Silbermedaillengewinnerin in Sotschi und Weltmeisterin von 2013, verpatzte die Landung. Eine deutsche Teilnehmerin war nicht vertreten.

Lölling auf Medaillenkurs

Weltmeisterin Jacqueline Lölling (Winterberg) hat gleich zum Auftakt des olympischen Skeleton-Rennens ihre Medaillen-Ambitionen unterstrichen. Die 23-Jährige liegt nach dem ersten von vier Läufen in Pyeongchang auf dem zweiten Rang, acht Hundertstelsekunden trennen sie von der britischen Olympiasiegerin Lizzy Yarnold auf Platz eins. Janine Flock aus Österreich (0,15 Sekunden zurück) belegt den dritten Platz.

Auch Vizeweltmeisterin Tina Hermann (Königssee/+0,32) und Anna Fernstädt (Berchtesgaden/+0,33) sind gut in das Rennen gestartet und belegen zunächst die Plätze vier und fünf. Lölling ist Weltmeisterin und Weltcup-Gesamtsiegerin, zudem hatte sie den bislang einzigen Weltcup auf der neuen Olympiabahn im vergangenen Winter gewonnen. Sie reiste daher als Favoritin zu ihren ersten Winterspielen.

Yarnold hatte 2014 in Sotschi Gold gewonnen, Ende 2015 legte sie dann eine einjährige Wettkampfpause ein. Seither spielte sie in den Weltcups und bei Weltmeisterschaften keine prominente Rolle mehr, so fuhr sie im Verlauf des olympischen Winters nur ein Mal auf das Podest.

Kurz vor den Spielen in Pyeongchang war aber bekannt geworden, dass das britische Team sich durch neue Rennanzüge schnellere Endgeschwindigkeiten erhofft. Dabei handelt es sich um Fabrikate, die denen der dominanten britischen Bahnradfahrer ähneln. Im Männerrennen fuhr Dominic Parsons bereits überraschend als Dritter auf das Podest.

Österreich streicht Schlierenzauer

Weltcup-Rekordsieger Gregor Schlierenzauer ist für das Olympia-Springen von der Großschanze aus Österreichs Aufgebot gestrichen worden. In der internen Qualifikation war der Team-Olympiasieger von 2010 der schlechteste der fünf ÖSV-Skispringer und muss damit am Sonnabend (13.30 Uhr MEZ) in Pyeongchang pausieren.

Statt Schlierenzauer werden für das Team von Trainer Heinz Kuttin Topathlet Stefan Kraft sowie Michael Hayböck, Clemens Aigner und Manuel Fettner an den Start gehen. Schlierenzauer hatte als 22. schon von der Normalschanze am vergangenen Sonnabend nicht überzeugt. In seiner Karriere hat der Tiroler 53 Weltcup-Springen gewonnen.

Erste Siege für Russen und US-Amerikaner

Die USA und die Olympischen Athleten aus Russland (OAR) haben im zweiten Spiel jeweils den ersten Sieg beim Eishockey-Turnier in Pyeongchang gefeiert. Das OAR-Team rehabilitierte sich am Freitag mit einem deutlichen 8:2 (2:0, 4:1, 2:1) gegen Slowenien für die Auftaktniederlage am Mittwoch gegen die Slowakei (2:3). Superstar Ilja Kowaltschuk aus St. Petersburg traf zweimal, sein Teamkollege Pawel Dazjuk steuerte zwei Vorlagen bei. Krill Kaprisow von ZSKA Moskau schoss gar drei Tore.

Die Slowaken unterlagen zuvor den US-Boys knapp mit 1:2 (1:1, 0:0, 0:1). Ohne seine NHL-Spieler tat sich der Olympiasieger von 1980 auch diesmal wieder schwer. Zwei Überzahltore von Ryan Donato sicherten am Ende aber die drei Punkte. Zum Auftakt hatten die USA völlig überraschend gegen den großen Außenseiter Slowenien mit 2:3 nach Verlängerung verloren.

Die nordamerikanische Profiliga NHL hatte sich in diesem Jahr erstmals seit 1994 wieder geweigert, ihre Saison für die Olympischen Winterspiele zu unterbrechen. Daher fehlen in Südkorea die weltbesten Spieler. Am Sonnabend (13.10 Uhr MEZ) kommt es im abschließenden Gruppenspiel zum Prestigeduell der USA gegen das OAR-Team. Nur das US-Team kann sich in diesem Duell mit einem Sieg nach regulärer Spielzeit als Gruppenerster direkt fürs Viertelfinale qualifizieren.

DOSB-Chef sieht Strategie aufgegangen

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat die erste Wettkampfwoche bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang aus deutscher Sicht als "rundum gelungen" bezeichnet. Es sei "schön, eine solche Entwicklung zu sehen", sagte Hörmann im ZDF. Das deutsche Team führt den Medaillenspiegel in Südkorea mit neun Gold-, zwei Silber- und vier Bronzemedaillen deutlich an und weist jetzt schon eine besser Bilanz auf als am Ende der Spiele vor vier Jahren in Sotschi (8/6/5).

"Wir haben unmittelbar nach Sotschi unsere Hausaufgaben noch besser und professioneller gemacht. Und wenn dann auch noch das berühmte Quäntchen Glück dazukommt, und das hatten wir an der ein- oder anderen Stelle, dann kommt eben ein solches Ergebnis zustande", sagte Hörmann.

Die Strategie sei "vollumfänglich aufgegangen", ergänzte der DOSB-Boss, "vorbildliche Haltung und Fair Play sind kein Gegensatz zur Leistung, sondern es sind zwei Seiten einer Medaille. In den ersten Tagen ist das mustergültig gelungen."

Olympia-Highlights im TV? Fans schauen in die Röhre

Dass die Olympischen Spiele den Sender gewechselt haben, scheint beim deutschen Fernsehzuschauer noch nicht angekommen zu sein. Die Liveübertragungen von ARD und ZDF aus Pyeongchang erzielen deutlich bessere Einschaltquoten als die von Eurosport, obwohl dessen Mutterkonzern Discovery inzwischen die TV-Rechte hält. Dass die öffentlich-rechtlichen Sender nur dank sogenannter Sublizenzen übertragen dürfen, macht sich während der Wettkampfzeiten für die Zuschauer gar nicht bemerkbar.

Außerhalb allerdings schon. Denn zwischen 19 und 22 Uhr dürfen ARD und ZDF keine Sendung mit den Höhepunkten des Tages ausstrahlen. Ein Ärgernis für alle Olympiafans mit geregelten Arbeitszeiten. Discovery kann von seinen Exklusivrechten bislang allerdings kaum profitieren. Die abendliche Highlight-Sendung "Zwanzig18 – die Olympia-Show", die bei Eurosport und dem Frauensender TLC läuft, findet bislang quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Am vergangenen Sonntag wurden nur 180.000 Zuschauer gezählt, am Dienstag gar nur noch 80.000 – das entspricht etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland.

Bei Discovery gibt man sich gelassen. Die Wahrnehmung von Eurosport als Olympiasender zu steigern sei ein langfristiger Prozess. Discovery hält die europaweiten Rechte bis einschließlich 2024.

Yun beschert dem Gastgeber Skeleton-Gold

Lokalmatador Yun Sung Bin (Südkorea) hat bei den Winterspielen von Pyeongchang Gold im Skeleton gewonnen. Auf seiner Heimbahn triumphierte der Gesamtweltcupsieger mit 1,63 Sekunden Vorsprung vor Nikita Tregubow (Olympische Athleten aus Russland) und Dominic Parsons (Großbritannien/+1,65). Das Alpensia Sliding Centre stand Kopf, erstmals war es mit rund 7000 Zuschauern ausverkauft.

Medaillenhoffnung Axel Jungk (Altenberg) ging leer aus. Der Vizeweltmeister musste sich nach vier Läufen mit dem siebten Platz begnügen. Direkt dahinter landeten Christopher Grotheer (Oberhof) und Alexander Gassner (Winterberg) auf den Rängen acht und neun.

"Es war schon im Training ein bisschen der Wurm drin. Wir haben ein paar Fehler gemacht, daraus müssen wir lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Damit können wir nicht zufrieden sein", sagte Jungk, der bis zu den Winterspielen 2022 in Peking weitermachen will, "wenn es der Rücken mitmacht." Bundestrainer Jens Müller war ebenfalls nicht zufrieden. "Wir wussten, dass es schwierig wird, um die Medaillen mitzufahren. Wir hatten uns aber schon ein bisschen mehr erwartet", sagte er im ZDF.

Rekordweltmeister Martins Dukurs ging als Vierter leer aus. Der Lette ist der beste Pilot der vergangenen zehn Jahre, war aber 2014 im Kampf um Gold knapp von Lokalmatador Alexander Tretjakow geschlagen worden, der mittlerweile einer der Verdächtigen im russischen Staatsdopingskandal um die Winterspiele in Sotschi ist.

2010 in Vancouver entschied der Kanadier Jon Montgomery sein Heimspiel für sich, knapp vor Dukurs. Der fünfmalige Weltmeister, achtmalige Gesamtweltcupsieger und neunmalige Europameister hatte das Pech, dass die letzten drei Winterspiele auf neu erbauten Eisbahnen stattfanden, auf denen die jeweiligen Lokalhelden große Vorteile hatten.

Dreßens Medaillentraum geplatzt – Mayer gewinnt Super-G

Die vage Hoffnung von Thomas Dreßen auf eine Medaille bei den Winterspielen in Pyeongchang sind endgültig geplatzt. Während Matthias Mayer die alpin-verrückten Österreicher einen Tag nach dem Debakel von Team Austria in der Abfahrt mit seinem überraschenden Super-G-Triumph in Freudentaumel versetzte, musste sich Dreßen als Zwölfter klar geschlagen geben.

Mayer, Abfahrts-Olympiasieger von Sotschi, durchbrach mit seinem Sieg auch die Dominanz der Norweger in der zweiten Speed-Disziplin. Der 27 Jahre alte Österreicher, der im Kombinationsslalom noch spektakulär gestürzt war, verhinderte einen Rekord der Skandinavier, die zum fünften Mal in Folge einen olympischen Super-G hätten gewinnen können – auch in einer anderen Disziplin ist dies noch keinem Land gelungen. Doch Sotschi-Olympiasieger Kjetil Jansrud musste sich 18 Hundertstelsekunden hinter Mayer mit Bronze begnügen.

Silber holte der Schweizer Beat Feuz (+0,13), der in der Abfahrt hinter Jansrud noch Dritter geworden war. Jansruds großer Landsmann Aksel Lund Svindal wurde Fünfter und verpasste es einen Tag nach seinem Triumph auf der Abfahrt, als erster Mann in der olympischen Geschichte bei ein und denselben Spielen beide Speed-Rennen zu gewinnen.

Bester Deutscher noch vor Dreßen war Andreas Sander aus Ennepetal, der als Achter überzeugte. "Ich bin deutlich besser gefahren als in der Abfahrt. Ich habe mir mehr zugetraut", sagte Sander, der in der Abfahrt Zehnter geworden war, im ZDF.

Langlauf: Cologna holt drittes Gold in Folge

Der Schweizer Skilangläufer Dario Cologna hat über die 15 km sein drittes Olympia-Gold in Folge gefeiert. Der 31-Jährige siegte bei den Winterspielen von Pyeongchang im freien Stil vor Skiathlon-Sieger Simen Hegstad Krüger (Norwegen) und Denis Spitsow (Olympischer Athlet aus Russland). Damit wiederholte Cologna seine Triumphe von Vancouver 2010 (Freistil) und Sotschi 2014 (klassisch) und gewann nach dem Skiathlon von Sotschi seine insgesamt vierte Goldmedaille.

Paarlauf: Savchenko vertagt Karriere-Entscheidung

Paarlauf-Olympiasiegerin Aljona Savchenko wird zusammen mit ihrem Partner Bruno Massot erst nach den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften Ende März über ein mögliches Karriereende entscheiden. Dies bestätigte die fünfmalige Weltmeisterin 24 Stunden nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Winterspielen von Pyeongchang.

"Bei der WM in Mailand wollen wir noch einmal eine gute Leistung abliefern und eine tolle Geschichte schreiben", sagte die Oberstdorferin am Freitag. Vor einem derart weitreichenden Beschluss wolle sie die aktuelle Situation aber erst einmal genießen: "Wir lassen uns Zeit, die Pläne machen wir später."

Die 34-Jährige glaubt, dass sie ihren Anhängern noch viel zu sagen hat. "Es gibt so viel, was ich den jungen Fans auf den Weg geben möchte. Ich glaube, ich muss ein Buch schreiben", erklärte Savchenko.

Biathlon: Peiffer im deutschen Schlaf-Rhythmus

Die deutschen Biathleten sind in Pyeongchang ihrem eigenen Bio-Rhythmus geblieben. Trotz acht Stunden Zeitverschiebung von Deutschland nach Südkorea. Und das hat Folgen. „Ich musste mir heute tatsächlich um 13 Uhr den Wecker stellen, sonst hätte ich noch länger geschlafen“, sagte Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer am Freitag. Denn die Skijäger haben sich nur um vier Stunden umgestellt, um nicht aus dem gewohnten Rhythmus rauszukommen und den Körper zu sehr zu stressen. „Und das haut ganz gut hin“, sagte Peiffer.

Die Deutschen schlafen bis Mittags, Frühstücken dann erst, um bei den späten Abendrennen noch auf einem energetischen Top-Level zu sein. Mit dreimal Gold und zweimal Bronze hat das bisher hervorragend geklappt.

Peiffer hat auch noch ein anderes Problem. Und zwar was das Beantworten der vielen Glückwunsch-Nachrichten betrifft. „Mir tut schon der rechte Daumen weh. Denn ich habe angefangen, die ganzen Nachrichten zu beantworten. Das muss ich jetzt erstmal ein bisschen auf Eis legen. Aber es freut mich sehr, dass unsere Ergebnisse so gut zu Hause ankommen“, sagte der Harzer. Zum Glück betätigt Peiffer nicht mit seinem Daumen den Abzug am Gewehr.

Langlauf: Fessel fällt für Staffel aus

Die Hoffnungen der deutschen Skilangläuferinnen auf eine Medaille in der olympischen Staffel von Pyeongchang haben einen empfindlichen Dämpfer erlitten. Die unter Hals- und Atemproblemen leidende Nicole Fessel (Oberstdorf) steht nicht im Aufgebot für das Rennen am Sonnabend (10.35 Uhr MEZ). Dies gab der DSV am Freitag bekannt.

Ohne die beste deutsche Distanzläuferin, die bereits auf die Starts im Skiathlon und über 10 km verzichten musste, bilden Stefanie Böhler (Ibach) als damit einzig verbliebene Starterin aus der Bronzestaffel von Sotschi 2014 sowie Katharina Hennig (Oberwiesenthal), Victoria Carl (Zella-Mehlis) und Schlussläuferin Sandra Ringwald (Schonach) das deutsche Quartett.

"Schade, dass Nicole nicht dabei sein kann. Es tut mir unglaublich leid für sie, sie hat bis zum Schluss gehofft. Wir vier werden für unser Team kämpfen", sagte Böhler, die 2006 mit der Staffel Silber und 2014 Bronze gewonnen hatte. In Pyeongchang übernimmt die 36-Jährige die Rolle der Startläuferin. "Das ist eine Herausforderung, da werden viele schnelle Läuferinnen mit dabei sein. Ich hoffe, dass ich so lange wie möglich Anschluss halten kann. Da heißt es kämpfen, kämpfen, kämpfen", sagte Böhler.

Die Frauen-Staffel ist die größte Medaillenchance für die deutschen Skilangläufer in Südkorea. Vor vier Jahren in Sotschi war Bronze im Team das einzige deutsche Edelmetall in der Loipe. "Druck haben wir keinen. Keiner erwartet etwas von uns, wir sind ganz klar keine Favoriten", sagte Ringwald: "Aber man weiß nie, wie es ausgeht. Es kann immer etwas Unerwartetes passieren."

Slalom: Deutsche Starterinnen enttäuschen

Ski-Rennläuferin Mikaela Shiffrin hat ihr zweites Olympia-Gold binnen 24 Stunden verpasst. Einen Tag nach ihrem Sieg im Riesenslalom musste sich die favorisierte US-Amerikanerin im Slalom am Freitag beim Sieg der Schwedin Frida Hansdotter (1:38,63 Minuten) mit Rang vier begnügen.

Silber ging mit fünf Hundertstelsekunden Rückstand an Kombinationsweltmeisterin Wendy Holdener (Schweiz). Die Österreicherin Katharina Gallhuber, die nach dem ersten Lauf nur auf dem neunten Platz gelegen hatte, gewann Bronze (+0,32).

Die deutschen Läuferinnen enttäuschten mit dem schlechtesten Slalom-Resultat bei Olympia. Nur Marina Wallner (Inzell/+3,47) kam als 19. ins Ziel, Christina Geiger (Oberstdorf) schied im zweiten Lauf aus. Lena Dürr (Germering) war im ersten Durchgang nach einem Einfädler bereits nach acht Sekunden ausgeschieden.

Vor vier Jahren in Sotschi hatte Shiffrin, die nach dem ersten Durchgang auf der Regenbogenpiste in Yongpyong über Unwohlsein geklagt nur auf Rang vier gelegen hatte, die Goldmedaille in ihrer Paradedisziplin Slalom gewonnen.

Neujahrsfest: Frisch feiert mit Team Korea

Die südkoreanische Olympia-Mannschaft hat am Freitag nach dem alten Mondkalender das Neujahrsfest gefeiert. An der Zeremonie zum wichtigsten koreanischen Familienfest im Korea-Haus in Gangneung nahm auch die eingebürgerte deutsche Rodlerin Aileen Frisch teil.

Jeder Name des 220-köpfigen Teams wurde zu Beginn einzeln aufgerufen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Bei der traditionellen Zeremonie wird auch der Ahnen gedacht. Zum Neujahrsfrühstück wurden Schalen mit „Tteok“, einer besonderen Suppe aus Reiskuchen mit Eiern und Rindfleisch, serviert.

Insgesamt 16 eingebürgerte Sportler hat Südkoreas Olympia-Mannschaft in ihren Reihen. Die seit Januar 2017 für Südkorea rodelnde Frisch hatte am Dienstag Rang acht - und damit ihr selbstgestecktes Ziel - erreicht. Erst vor wenigen Wochen hatte die 25-Jährige einen Trümmerbruch im Fuß erlitten und vor dem Rennen auch noch die Grippe.

Vor fünf Jahren stand Frisch in Königssee als Weltcup-Dritte noch gemeinsam mit Natalie Geisenberger auf dem Podest. Doch verpasste sie die Olympia-Teilnahme in Sotschi, wollte ihre Karriere beenden. Dann kam der Anruf vom Verband Südkoreas. Es folgte die Einbürgerung. „Ich möchte mittelfristig in Korea bleiben“, sagte die Sächsin aus dem Erzgebirge. „Erstmal sehen, wie das richtige Leben dort ist.“

Eishockey: USA feiern ersten Sieg

Die USA haben im zweiten Spiel ihren ersten Sieg beim Eishockey-Turnier gefeiert. Gegen die Slowakei, die zum Auftakt überraschend den Goldfavoriten Olympische Athleten aus Russland (OAR) besiegt hatte, gewannen die US-Boys am Freitag knapp mit 2:1 (1:1, 0:0, 1:0). Ohne seine NHL-Spieler tat sich der Olympiasieger von 1980 auch diesmal wieder schwer. Zwei Überzahl-Tore von Havard-Student Ryan Donato (8. und 43. Minute) sicherten am Ende aber die drei Punkte. Zum Auftakt hatten die USA völlig überraschend gegen den großen Außenseiter Slowenien mit 2:3 nach Verlängerung verloren.

Die nordamerikanische Profiliga NHL hatte sich in diesem Jahr erstmals seit 1994 wieder geweigert, ihre Saison für die Olympischen Winterspiele zu unterbrechen. Daher fehlen in Südkorea die weltbesten Spieler. Am Sonnabend (13.10 Uhr MEZ) kommt es im abschließenden Gruppenspiel zum Prestigeduell der USA gegen das OAR-Team.

Snowboard: Gold an italienische Crosserin

Die Italienerin Michaela Moioli hat im Snowboardcross triumphiert. Im Finale setzte sich die 22-Jährige vor Julia Perreira de Sousa Mabileau aus Frankreich und der Tschechin Eva Samkova, Goldmedaillengewinnerin von Sotschi 2014, durch.

"Mir fehlen die Worte. Das ist der beste Tag meines Lebens", sagte Moioli: "Ich habe geheult, als ich die Ziellinie überquert hatte. Ich danke meiner Familie, meinem Team und meinen Freunden."

Weltmeisterin Lindsey Jacobellis (USA) ging als Fünfte leer aus. Ihr größter Erfolg bleibt Silber von den Spielen 2006 in Turin. Jana Fischer (Bräunlingen) war als einzige deutsche Starterin im Viertelfinale gescheitert.

Biathlon: Deutsches Quartett für Massenstart steht

Die deutschen Biathleten gehen mit Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer, dem Verfolgungs-Dritten Benedikt Doll, Weltmeister Simon Schempp und Erik Lesser ins letzte olympische Biathlon-Einzelrennen von Pyeongchang. Bundestrainer Mark Kirchner nominierte am Freitag erwartungsgemäß sein Top-Quartett für den Massenstart über 15 Kilometer am Sonntag (12.15 Uhr MEZ).

Bisher haben die deutschen Skijäger mit starken Leistungen aufgewartet. Auch im spektakulären Massenstart haben sie Medaillenchancen. Wenngleich es im 30 Mann umfassenden Weltklasse-Feld schwer wird. Top-Favoriten sind die beiden Olympiasieger Martin Fourcade (Verfolgung) und Johannes Thingnes Bö (Einzel). Das Duo hatte bis zu den Olympischen Winterspielen 14 der 15 Weltcuprennen unter sich ausgemacht. Der Norweger Bö feierte acht Siege, Frankreichs Star Fourcade sechs.

Eiskunstlauf: Glanz-Comeback von Japaner Hanyu

Dank eines glanzvollen Comebacks nach zweimonatiger Verletzungspause hat Yuzuru Hanyu seine Ansprüche auf den zweiten Olympiasieg binnen vier Jahren eindrucksvoll untermauert. Mit einem nahezu makellosen Kurzprogramm verschaffte sich der Eiskunstlauf-Weltmeister in Pyeongchang für die Kürentscheidung am Samstag (10.00 Uhr Ortszeit/02.00 Uhr MEZ) einen kleinen Vorsprung.

Mit 111,68 Zählern liegt der von vielen mitgereisten Landsleuten euphorisch bejubelte Japaner, der sich im November am Knöchel verletzt hatte, vor dem sechsmaligen Europameister Javier Fernandez aus Spanien (107,58) sowie dem japanischen Vize-Weltmeister Shoma Uno (104,17).

Punktlandung hingegen nur für Paul Fentz: Nach einer abgespeckten Sprungkombination hat sich der deutsche Meister nur knapp für die Medaillenentscheidung in der Gangneung Ice Arena qualifiziert. Der Berliner landete unter 30 Startern auf dem 24. Platz.

Bei der Vierfach-Dreifach-Kombination verließ den 25-Jährigen in der Luft der Mut, er drehte nur zweimal dreifach. Auch für die Schlusspirouette gab es Punktabzüge, mit 74,73 Zählern blieb Fentz fast drei Punkte unter seiner Saisonbestleistung.

"Der Olympiasieg von Aljona und Bruno hat mir so viel Motivation gegeben. Deshalb ärgere ich mich über meinen Fehler, auch weil die Kombi beim Einlaufen zweimal richtig gut war. Am liebsten würde ich sofort wieder auf das Eis gehen und noch mal laufen", sagte Fentz. Aljona Savchenko und Bruno Massot hatten am Donnerstag die Paarlauf-Konkurrenz gewonnen.

Norovirus: Zwei Schweizer Athleten infiziert

Zwei Schweizer Olympia-Athleten haben sich mit dem Norovirus infiziert. Die beiden Sportler wurden sofort in Einzelzimmer verlegt und haben keinen Kontakt mehr zu anderen Athleten. Das gab das Nationale Olympische Komitee der Schweiz bekannt.

Beide Athleten, Schweizer Medienberichten zufolge zwei Freeskier, wurden umfassend vom Ärzteteam behandelt und sollen mittlerweile keine Symptome der Krankheit mehr aufweisen. Sie waren nicht im olympischen Dorf, sondern in der Außenstelle in Bokwang untergebracht.

Die Schweizer Delegation wurde aufgefordert, die Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen mit Desinfektionsmittel verstärkt zu befolgen. "Wir gehen somit davon aus, dass es bei diesen Einzelfällen bleibt und sich die beiden Athleten schon bald vollumfänglich erholt haben", hieß es von NOK-Seite.

Die Schweizer wiesen darauf hin, dass die Athleten zu den Wettkämpfen zugelassen werden, wenn sie wieder bei guter körperlicher Verfassung sind und durch den Teamarzt untersucht wurden. Es sei gut möglich, dass sie nach Abklingen der Krankheit wieder konkurrenzfähig sind.

Das Norovirus verursacht neben anderen Symptomen Erbrechen und Magenkrämpfe und ist hoch ansteckend. Mehrere hundert Personen mussten bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang bereits in Quarantäne. Dabei handelte es meistens um Sicherheitspersonal und Volunteers.