HSV Hamburg

Handball-Chef: "Wir brauchen in Hamburg eine neue Halle"

Der Unternehmer Marc Evermann ist seit drei Jahren Präsident des HSV Hamburg.

Der Unternehmer Marc Evermann ist seit drei Jahren Präsident des HSV Hamburg.

Foto: Witters

HSVH-Präsident Marc Evermann über die Planungen der Handballer für 2019/2020 und den Wunsch nach einer größeren Spielstätte.

Hamburg.  Am heutigen Freitagabend (19.30 Uhr, sportdeutschland.tv) kann Vereinspräsident Marc Evermann beim VfL Lübeck-Schwartau in der mit 2135 Zuschauern ausverkaufen Hansehalle erstmals seit Jahren wieder ein Handballspiel seines HSV Hamburg mit einem Wurf Gelassenheit verfolgen.

Der Aufsteiger hat den Klassenerhalt in der Zweiten Bundesliga drei Spieltage vor Saisonende geschafft, auch die Planungen für die nächste Spielzeit sind weit fortgeschritten. „Um unsere nächsten Entwicklungsschritte zu machen, brauchen wir jedoch mittelfristig in Hamburg eine Halle für 6000 bis 8000 Zuschauer“, sagt Evermann (47) im Gespräch mit dem Abendblatt im Garten des Langenhorner Restaurants Zum Wattkorn.

Hamburger Abendblatt: Herr Evermann, Ihre Mannschaft hat nach einer starken Rückrunde den Klassenerhalt souverän geschafft. Wie sehen Ihre Ziele für die nächsten Spielzeiten aus?

Marc Evermann: Wir wollen künftig mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun haben, uns im gesicherten Mittelfeld behaupten und, läuft alles gut, einen Platz im ersten Drittel der Tabelle erreichen. Irgendwann wird auch der Aufstieg in die Bundesliga wieder ein Thema sein, voraussichtlich nicht aber in den nächsten zwei Jahren.

Höhere Ziele bedeuten höhere Ausgaben und bessere Spieler. Wie weit sind Sie mit Ihren Planungen?

Evermann: Wir werden unseren Etat um gut 20 Prozent steigern, auf mindestens 2,2 Millionen Euro. Mit Linksaußen Tobias Schimmelbauer haben wir unser junges Team mit einem gestandenen Bundesligaspieler vom TVB Stuttgart verstärkt, und wir stehen vor dem Vertragsabschluss mit einem erfahrenen Torhüter. Mit dem Thema Linkshänder für die rechte Rückraumseite beschäftigen wir uns derzeit.

Wie ist Ihr Budget im Verhältnis zur Konkurrenz zu bewerten?

Evermann: Ohne die genauen Zahlen der anderen Vereine für die kommende Saison detailliert zu kennen, stehen wir damit sicherlich im Mittelfeld der Liga. Einschränkend kommt der Hamburg-Faktor hinzu. Wir haben nicht die großen ehrenamtlichen Strukturen wie die Clubs in kleinen Städten, uns wird die Sporthalle Hamburg zwar zu annehmbaren Konditionen vermietet, aber potenzielle Spieler klagen, sie würden gern nach Hamburg wechseln, hier seien jedoch die Mieten und Lebenshaltungskosten so hoch; was ja stimmt. Sie bräuchten deswegen noch mal 500 Euro extra. Die Aussagekraft der Etats ist daher schwer zu vergleichen.

Unabhängig davon: Für den Bundesliga-Aufstieg müsste wahrscheinlich bei Ihrem Budget eine vier vor dem Komma stehen. Woher soll das Geld kommen?

Evermann: Das ist ein komplexes Thema. Unsere Möglichkeiten in der Sporthalle Hamburg mit einer Besucherkapazität von 3500 Zuschauern, begrenzten Flächen für Werbung, Sponsoren und VIPs sind fast komplett ausgereizt. Wir haben derzeit 120 Sponsoren und Partner. Wir streben eine Zahl von 350 an, die halten wir auf dem Weg in die Bundesliga für realistisch. Im Augenblick könnten wir so viele Personen aber nicht angemessen unterbringen. Dazu fehlt es in der Sporthalle an Premiumplätzen auf der Tribüne und Räumlichkeiten im Umlauf.

Was fordern Sie?

Evermann: Um unseren nächsten Entwicklungsschritt zu machen, benötigten wir eine Spielstätte für 6000 bis 8000 Zuschauer. Die Barclaycard Arena, die unser Vorgängerverein in der Bundesliga jahrelang gut gefüllt hat, wäre dafür dauerhaft noch zu groß. Für ausgewählte Spiele werden wir sie weiter nutzen, in diesem Jahr werden wir dort am 26. Dezember zum dritten Mal ein „Weihnachtsspiel“ organisieren. Und ich kann mir vorstellen, dass wir nächste Saison im Volkspark zwei, drei weitere Begegnungen dann mit abgehängten Oberrang austragen könnten. Dazu bräuchten wir 6000 Zuschauer, um kein Minus zu machen.

Das löst Ihre strategischen Probleme nicht. Die Halle, die Sie bräuchten, gibt es aber momentan in Hamburg nicht. Tomislav Karajica, der Hauptgesellschafter der Basketballer der Hamburg Towers, plant eine Arena für bis zu 9000 Zuschauern an den Elbbrücken. Können Sie auf diese warten?

Evermann: Wir haben da weit weniger Druck als die Towers, die schon in die Bundesliga aufgestiegen sind. Dennoch: Wir können unsere Ziele nur ambitioniert verfolgen, wenn die Hallenproblematik mittelfristig gelöst wird. Ich treffe mich kurzfristig mit Tomislav Karajica, um den Stand seiner Planungen zu erfahren. Ich fürchte allerdings, bis seine Arena steht, könnten bis zu zehn Jahre vergehen. Das ist im Spitzensport eine sehr lange Zeit. Wir bräuchten weit früher eine Lösung.

Wen sehen Sie da in der Pflicht?

Evermann: Die Stadt. Der Senat gibt seit Jahren sehr viel Geld für die Verbesserung der sportlichen Infrastruktur aus, für neue Schulsporthallen und Kunststoffrasenplätze. Das sind große finanzielle Anstrengungen, und dies ist zu Recht ein sportpolitischer Schwerpunkt. Aus der Sicht des Leistungssports ist eine Halle für 6000 bis 8000 Zuschauer jedoch alternativlos, damit wir in absehbarer Zeit auf einer stabilen wirtschaftlichen Grundlage erstklassigen Sport in Hamburg anbieten können. Dabei geht es nicht nur um die Towers oder den HSV Hamburg. Was ist mit der großen Nachfrage nach E-Sports-Events oder anderen Trends, die solche Arenen füllen werden? Auch dem Hallenhockey fehlt eine Halle dieser Größe. Für uns ist der Standort dabei weniger wichtig als für die Towers, die im Süden Hamburgs bleiben wollen. Wichtig wäre nur eine gute Infrastruktur und Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Vielleicht könnte sich am Fernsehturm in den schon bestehenden Messehallen eine Übergangslösung auftun.

Die Kultur ist da offenbar geschmeidiger. Für das Mehr! Theater am Großmarkt, das dem Musical Harry Potter weichen muss, soll am Diebsteich eine Halle für 5000 Besucher gebaut werden. Fehlt dem Sport in Hamburg immer noch die Lobby?

Evermann: Es hat sich in Hamburg in den vergangenen Jahren sehr vieles zum Positiven entwickelt. Und der sportliche Bedarf ist ja erst jetzt entstanden, nachdem die Towers aufgestiegen sind und wir die Klasse gehalten haben. Vielleicht gibt es darauf eine Reaktion aus der Politik? Hamburg braucht diese Halle, sie würde sich für die Stadt über zusätzliche Einnahmen aus diversen Betriebs- und Verbrauchssteuern rechnen und eine tolles Imageprojekt sein, da bin ich mir sicher.

Rechnen müssen Sie auch weiter beim HSV Hamburg e.V. Die Verbindlichkeiten sollen fast siebenstellig sein.

Evermann: Die Zahl will ich nicht kommentieren. Richtig ist, dass die bilanziellen Zahlen besser sein könnten. Die Verbindlichkeiten stammen im Wesentlichen aus der Vergangenheit. Heute haben wir alles unter Kontrolle. Wichtig ist, dass wir ausreichend Liquidität haben. Die haben wir. Wir haben vor drei Jahren einen kompletten Verein neu aufbauen müssen, frühzeitig richtungweisende Strukturen geschaffen, die mit Drittliga-Handball nur schwer zu finanzieren waren. Jetzt sind wir auf einem sehr guten Weg.

Wie wichtig war für Sie der Wiederaufstieg der HG Hamburg-Barmbek in die 3. Liga?

Evermann: Wir wollen nicht nur den HSV Hamburg, sondern insgesamt den Handball in der Metropolregion Hamburg auf ein breiteres und höheres Niveau bringen. Und da wir weiter zu unserem Beschluss stehen, uns keine zweite Mannschaft leisten zu wollen, brauchen wir für unsere Talente und jene, die es aus der Jugend nicht sofort in die Zweite Bundesliga schaffen, attraktive Spielmöglichkeiten. Die bieten die Barmbeker jetzt. Wir werden in den nächsten Wochen mit ihnen über die Art der Zusammenarbeit sprechen, zum Beispiel über ein Zweitspielrecht für Unter-23-Jährige. Ich freue mich auf diese Kooperation. Unser Torhüter Justin Rundt profitiert schon davon, er wechselt voraussichtlich zur nächsten Saison nach Barmbek.