Handball

Blazenko Lackovic: „Die Regeneration wird immer schwerer“

Abwehrchef Blazenko Lackovic (l.) scheut keinen Zweikampf.

Abwehrchef Blazenko Lackovic (l.) scheut keinen Zweikampf.

Foto: EIBNER/Mario Hommesvia www.imago-images.de / imago images / Eibner

Handball-Olympiasieger Blazenko Lackovic über den HSV Hamburg im Abstiegskampf und das nahende Karriereende.

Hamburg. Blazenko Lackovic muss lachen, dann sprudelt es aus dem Olympiasieger und Ex-Weltmeister in Diensten des Handball Sport Vereins Hamburg heraus. „Ein einziges Mal habe ich Abstiegskampf in meiner Karriere erlebt“, sagt der 38 Jahre alte Kroate und muss ob der Erinnerung wieder schmunzeln. „In meinem ersten Profijahr in Kroatien mussten wir gewinnen, um nicht abzusteigen. Es war ein richtiges Schlägerei-Spiel“, berichtet Lackovic über seine Anfänge bei RK Varteks di Caprio in seiner Geburtsstadt Varazdin. 35 Grad in der Halle ließen die Gemüter zusätzlich erhitzen, Fausthiebe wurden ausgeteilt. Handball Ende der 1990er-Jahre auf Kroatisch. „Ich habe den Siegtreffer geworfen. Es hat gereicht.“

Was „Kuna“, wie ihn seine treuesten Fans nennen, zum Lachen bringt, sind weniger die Umstände seines ersten Mals.

„Mannschaft hat eine gute Entwicklung genommen“

Vielmehr ist es die Tatsache, dass der Rückraumlinke damals ein Jungspund war. 20 Jahre und unzählige Titelgewinne mit Zagreb, Flensburg, dem HSV, Skopje und Kiel später ist er beim zweiten Mal der Älteste. Mit dem HSVH (Tabellenelfter/28:36 Pkt.) empfängt der Abwehrchef im Zweitligaabstiegskampf am Sonnabend (19 Uhr, Sporthalle Hamburg/sportdeutschland.tv) den HSC Coburg. Der Ligazweite (49:15) kämpft seinerseits mit Balingen (50:14) und Nordhorn (48:16) um den Erstligaaufstieg. Eine Herkulesaufgabe für den HSVH.

„Ich rechne nicht, wie viele Punkte reichen könnten, ob ein Sieg oder zwei“, stellt Lackovic sechs Spieltage vor Toreschluss klar. Er wolle den Fokus wahren, und ohnehin jedes Spiel gewinnen. Allein auf die wohl entscheidenden Heimspiele gegen Hagen (19. Mai/24:40) und Großwallstadt (1. Juni/21:43) zu setzen, liegt nicht im Naturell eines Leistungssportlers. Das Hinspiel in Coburg (28:32) habe gezeigt: Da geht was. „Unsere Mannschaft hat eine gute Entwicklung genommen“, sagt der spielende Co-Trainer von Chef Torsten Jansen (42).

Lackovic Doppelvertrag als Spieler gilt bis Sommer 2020

Auf Nachfrage, voran er das festmache, beginnt Lackovic ganz uneitel weit weg von seiner eigenen Position: im Angriff. „Die Jungs sind gefährlicher im Rückraum, haben ihre Erfahrungen gesammelt, erkennen die Schwächen der Abwehrreihen besser“, sagt der frühere Torjäger, der ausschließlich im defensiven Mittelblock zum Einsatz kommt. Die Mittellinie übertritt Lackovic im Wechselspiel mit Rückraumshooter Finn Wullenweber (21/zuletzt 57 Tore in sieben Spielen) nie. Auch die Abwehr habe sich im Verbund mit Torhüter Aron Edvardsson gefunden. Oldie Lackovic bildet ein starkes Duo mit Youngster Dominik Vogt (20). Dazu habe das Team in Phasen, in denen es nicht so läuft, die Nervosität abgelegt. „In der Hinrunde war dann Kollaps. Jetzt nicht mehr.“

Lackovic selbst wollte einfach noch einmal helfen können. Dafür war er 2017 schließlich vom THW Kiel zurückgeholt worden. Nach mehr als einem Jahr Verletzungspause wegen seines Sehnenrisses in der Schulter blieb er ein Schatten seiner selbst. „Ich hatte selbst auch Zweifel“, gesteht der ehemalige Nationalspieler, der erst vor dem Coburg-Hinspiel die finale Spielerlaubnis bekam. Fürsprecher blieb Kumpel Jansen, der dem früheren Mitspieler die Spezialistenrolle andiente. Lackovic schlug ein. Auch für die kommende Saison? Sein Doppelvertrag als Spieler und/oder Co-Trainer gilt bis Sommer 2020. „Wir müssen Bilanz ziehen. Die Regeneration bei mir wird immer schwerer“, sagt er. Selbst bei fünf spielfreien Tagen mit reduziertem Trainingsaufwand ist es „sehr eng, wieder rechtzeitig fit zu werden“. Entscheidend sei, „was ,Toto’ will“. Die Trainer-A-Lizenz will er so oder so 2020 angehen.

Bleibt zum nahenden Karriereende die Frage, ob die Fans noch einen Lackovic-Treffer bejubeln werden. „Muss“, sagt er und lacht, „so wie damals in meinem ersten Männerjahr in Kroatien.“