Handball

HSV liefert sich vor den Augen des Neuzugangs einen Krimi

Durchsetzungsstark: Hamburgs Philipp Bauer (M.) gegen Emsdettens Paul Kork (l.) und Merten Krings.

Durchsetzungsstark: Hamburgs Philipp Bauer (M.) gegen Emsdettens Paul Kork (l.) und Merten Krings.

Foto: Witters

Hamburg bezwingt den TV Emsdetten im Abstiegskampf mit 27:26. Bitter-Empfehlung Schimmelbauer fiebert auf der Tribüne mit.

Hamburg.  Tobias Schimmelbauer genießt sein Wochenende in der Hansestadt. Erfolgreicher Medizincheck im Lans Medicum am Stephansplatz, Fotoshooting an der Binnenalster, Wohnungsbesichtigung mit Frau Jessica in Eimsbüttel – und: 27:26 (12:8)-Heimsieg des Handball Sport Vereins Hamburg, seines künftigen Arbeitgebers ab Juli dieses Jahres. Der prominente Neuzugang vom Erstligaclub TVB Stuttgart fieberte live auf der Tribüne der Sporthalle Hamburg mit, wie der HSVH mitten im Abstiegskampf gegen den TV Emsdetten „einen tollen Fight“ lieferte. „Das macht Lust auf mehr“, sagte der 31 Jahre alte Linksaußen.

Der gebürtige Hesse, der aus der Jugend der SG Wallau/Massenheim stammt, erhält einen Zweijahresvertrag, der im ungünstigsten Fall auch bei Abstieg in die Dritte Liga gilt. Doch daran verschwendet er keinen Gedanken. „Für den Klassenerhalt sollte es reichen. Ich habe heute viele gute, junge Leute kennengelernt und auf dem Spielfeld gesehen. Dazu einen starken Torhüter“, sagt der designierte Führungsspieler, der sportlich und finanziell die prominenteste Neuverpflichtung für die kommende Spielzeit werden könnte.

In der zweiten Halbzeit flatterten die Nerven

Teil eins des Doppelspieltags geriet vor 3177 Zuschauern am Freitagabend zu einem Nervenkrimi. Nach dominanter erster Halbzeit, in der sich der HSVH gegen den direkten Konkurrenten bis auf vier Tore absetzen konnte, flatterten in den zweiten 30 Minuten die Nerven. Allein Rückraumshooter Finn Wullenweber, mit zwölf Toren treffsicherster Werfer, und Torhüter Aron Edvardsson mit bärenstarken 16 Paraden blieben cool. Das Rezept der erfolgreichen vergangenen Wochen – es hat Bestand. „Das war ein Sieg des Willens. Auch wenn wir es mit vielen Fehlern in der zweiten Halbzeit unnötig spannend gemacht haben“, sagte Trainer Torsten Jansen.

Vor dem nächsten Auftritt nur 45 Stunden später am Sonntag (17 Uhr/sportdeutschland.tv) bei Aufstiegskandidat HSG Nordhorn-Lingen sind die Hamburger der Gewinner des Spieltags. Aus der unteren Tabellenhälfte konnte nur der HC Elbflorenz gewinnen. Sieben Spieltage vor Schluss legte der HSVH sechs Punkte zwischen sich und die bedrohte Zone ab Platz 16. Das liegt auch an der Heimstärke. Das fünfte ungeschlagene Spiel in eigener Halle stellt die Weichen auf Klassenerhalt.

Schimmelbauer passt in Jansens Profil

„In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel hektischer, Emsdetten hat das Tempo angezogen, und wir haben in der Abwehr nicht mehr so konsequent zugepackt“, analysierte Youngster Wullenweber. Beim zwischenzeitlichen 24:23 (53.) schlug sich auch Schimmelbauer die Hände vor den Kopf, zog seine Jacke aus und sprang jedes Mal auf, als Edvardsson stets den Ausgleich verhinderte. Den Sonnabend will der Sportwissenschaftler mit Freunden an der Ostsee verbringen, ehe im Juni der Umzug ansteht.

Mitspieler und Ex-HSV-Torhüter Johannes Bitter (36) riet Schimmelbauer zum Wechsel nach Hamburg. Mit einer Körpergröße von 1,99 Metern und 105 Kilo ist er nicht nur als Verstärkung für die Offensive eingeplant, sondern vor allem als Abwehrkante. „Wir haben uns gezielt nach einem abwehrstarken Linksaußen umgeschaut, der auf der Halbposition decken kann“, kommentierte Jansen die Wunschverpflichtung. Nach neun Jahren in Stuttgart, wo „Schimmel“ in vier Zweitligajahren 2015/16 mit dem TVB den Erstligaaufstieg schaffte, habe er eine neue Aufgabe gesucht, „bei der ich gebraucht werde, vorangehen kann, meine Erfahrung einbringen kann“. Die hat er gefunden.