Basketball

Hamburg Towers trösten sich mit einem Transfercoup

Yannick Franke war noch Hamburgs bester Korbjäger.

Yannick Franke war noch Hamburgs bester Korbjäger.

Foto: Witters

Aufsteiger verpatzt die Saisoneröffnung mit einer deutlichen Pleite gegen Bonn. Dafür heuert ein Ex-Nationalspieler in Wilhelmsburg an.

Hamburg. Mike Taylor wirkte wie ein Familienvater, der nach langer Dienstreise zu seiner Familie zurückkehrt. Noch eine halbe Stunde nach der 79:98 (47:49)-Testspielniederlage gegen die Telekom Baskets Bonn herzte, redete und flachste der 47-Jährige mit seinen Spielern. Die Wochen zuvor hatte der US-Amerikaner die polnische Nationalmannschaft bei der Basketball-Weltmeisterschaft in China betreut. Sie wurde dort am Sonnabend nach einer 74:87-Niederlage gegen die USA Achter – ein großer Erfolg. Am Sonntagnachmittag um 15.39 Uhr, 81 Minuten vor Spielbeginn, traf Taylor in Wilhelmsburg ein.

„Müde bin ich nicht. Ich freue mich, wieder hier zu sein. Mit Polen habe ich Eindrücke gesammelt, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde“, sagte Taylor. „Aber meine Jungs hier gefallen mir auch richtig gut. Das ist ein junges Team, das in einem Prozess steckt und noch Zeit braucht“, bilanzierte der Trainer, der trotz seiner Marathonreise aus Asien so viel Feuer versprühte, dass er Ende des dritten Viertels ein technisches Foul wegen Meckerns erhielt.

Ähnlich engagiert wie ihr Trainer präsentierten sich die Wilhelmsburger gegen den Ligarivalen. Über drei Viertel war es vor 3162 Zuschauern in der fast ausverkauften edel-optics.de-Arena ge-gen den Bundesliga-Siebten der vergangenen Saison ein Duell auf Augenhöhe. Vor allem in der Offensive waren die Hamburger variabel. Am Ende sorgten 21 Ballverluste dafür, dass die Niederlage am Ende ein wenig zu hoch für die Towers ausfiel. Erfolgreichster Werfer war einmal mehr Neuzugang Yannick Franke. Der Center erzielte 19 Punkte.

Towers fliegen zum Trainingslager nach Budapest

„Ich finde, dass das Ergebnis nicht den Spielverlauf widerspiegelt. Wir haben viele Dinge gut gemacht, müssen uns aber an die Bundesliga gewöhnen, jeder Fehler wird direkt bestraft. Nach dem Spiel wissen wir viel, was wir ins Trainingslager mitnehmen können“, sagte Guard Malik Müller, dem diesmal elf Zähler gelangen.

Am Dienstag fliegt er Bundesliga-Aufsteiger für vier Tage nach Budapest, um sich dort den letzten Feinschliff für das erste Bundesligaspiel der Clubgeschichte am 30. September bei Meister FC Bayern zu holen. Offen ist, ob die verletzten Profis Marshawn Powell (Daumenverletzung) und Justus Hollatz (Fersenprellung), die beide gegen Bonn fehlten, mit im Flugzeug sitzen werden. „Wir entscheiden das am Montag. Ich hoffe sehr, dass alle Mann dabei sein werden. Es wird kein Konditionstrainingslager, sondern wir werden intensiv im taktischen Bereich arbeiten. Das werden wichtige Tage für uns“, sagte Taylor.

Transfercoup: Schaffartzik im Anflug

Vor allem, weil ein weiterer Neuzugang in die Mannschaft integriert werden soll. Wie das Abendblatt erfuhr, wird der ehemalige Nationalspieler Heiko Schaffartzik (35) am Montag nach Hamburg reisen, um bei den Towers einen Einjahresvertrag zu unterschreiben. In der vergangenen Saison war der 1,83 Meter große Spielmacher ohne Vertrag, hielt sich zuletzt beim FC Bayern München fit, soll sich aber in einem guten körperlichen Zustand befinden. Der Routinier, der 115 Länderspiele absolvierte, kann den Towers auf der Spielmacherposition mehr Tiefe verleihen.