Basketball

Die millionenschwere Zukunft der Hamburg Towers

Die drei Macher der Hamburg Towers (v. l.): die Geschäftsführer Marvin Willoughby und Jan Fischer sowie Hauptgesellschafter Tomislav Karajica.

Die drei Macher der Hamburg Towers (v. l.): die Geschäftsführer Marvin Willoughby und Jan Fischer sowie Hauptgesellschafter Tomislav Karajica.

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Bundesliga-Aufsteiger will in Wilhelmsburg ein neues Sportzentrum bauen. Masterplan soll die Towers zum Topsportverein machen.

Hamburg.  Mit den „Towers als Vorbild“ will Hamburgs grüner Umwelt­senator Jens Kerstan am heutigen Donnerstag in Wilhelmsburg für den Umstieg vom Auto aufs Fahrrad werben. Bei einem Fototermin mit den Spielern des Basketball-Bundesliga-Aufsteigers soll die bundesweite Aktion Stadtradeln attraktiv ins Bild gesetzt werden. „Wir versuchen, schon kleine Kinder für einen aktiven Lebensstil zu begeistern“, sagt Towers-Geschäftsführer Jan Fischer. „Radfahren gehört dazu, weil es die beste Möglichkeit ist, sich in einer Großstadt schnell fortzubewegen und gleichzeitig etwas für seine Fitness zu tun.“

„More than Basketball“, „mehr als Basketball“, lautet das Motto der Towers seit den Anfängen im Jahr 2014, das Fischer, Sportchef Marvin Willoughby und Hauptgesellschafter Tomislav Karajica konsequent umzusetzen versuchen. Die zentrale Rolle spielt dabei der im Frühjahr 2016 gegründete Breitensportverein Towers, der bereits mehr als 420 Mitglieder zählt, „aktiver Partner der Stadtteilentwicklung in Wilhelmsburg und den angrenzenden Stadtteilen“ werden soll. So steht es im 25-seitigen Masterplan, den der ehemalige Sportamtsdirektor Thomas Beyer für die Towers geschrieben hat. „Wir wollen der erste Topsportverein auf der Elbinsel werden“, sagt Aufsichtsratschef Beyer.

Towers wollen Wilhelmsburger rekrutieren

Topsportvereine, in Hamburg gibt es 27, haben in der Regel mehr als 2500 Mitglieder. Die Towers streben in den nächsten Jahren die doppelte Zahl an. „Wir wollen auch als Breitensportverein in der Ersten Liga spielen“, sagt Soziologe Fischer (38), der mit Oliver Eckhardt (37) den Vorstand des e. V. bildet.

Das Potenzial sehen die Towers in den bis ins Jahr 2025 erwarteten 15.000 Neubürgern in Wilhelmsburg, für die gerade in sieben Quartieren rund 6000 Wohnungen gebaut werden, und stärkerer Rekrutierung der 60.000 Alt-Wilhelmsburger, von denen derzeit nur acht Prozent Mitglied eines Sportvereins sind. Der Bundesschnitt beträgt 30 Prozent. Der SV Wilhelmsburg von 1888 ist mit 1600 Clubangehörigen aktuell der größte Verein auf der Elbinsel, drei weitere Clubs haben um die 500 Mitglieder.

Neues Sportzentrum an der Dratelnstraße

Herzstück des Towers soll das Quartierssporthaus an der Dratelnstraße im Wilhelmsburger Rathausviertel werden. Towers-Sponsor Karajica, zugleich geschäftsführender Gesellschafter des Projektentwicklers Imvest, verhandelt mit der Stadt über das geeignete Grundstück. Eine Einigung zeichnet sich ab. Im neuen Sportzentrum sind eine inklusionsgerechte Dreifeldhalle, ein Fitnessstudio, drei Gym-Flächen für Tanzen, Ballett, Kampf-, Reha- und Gesundheitssport geplant, dazu bespielbare Dach­flächen, Räume für Kinderbetreuung, Seminare und Schulungen.

Dazu könnten auf dem etwa 13.000 Quadratmeter großen Gelände Flächen für ein Hostel, eine Beratungsstelle des Bezirks Mitte und für Gewerbe vorgehalten werden. Kalkulierte Kosten: 18,39 Millionen Euro. Der Bund zahlt bewilligte 4,5 Millionen Euro dazu, die Stadt wohl 5,5 Millionen. Laufen alle Genehmigungsverfahren halbwegs reibungslos, dürfte Ende nächsten Jahres mit dem Bau begonnen werden. Karajica will anschließend Vereinsgebäude und Grundstück als Vermögenswerte in eine Towers-Stiftung überführen.

Umfassende Kurse an Hamburger Schulen

„Wir forcieren den Aufbau eines Großsportvereins, den ein wachsender und sich wandelnder Stadtteil wie Wilhelmsburg dringend braucht. Jugend-, Schul-, Sozial- und Stadtteilarbeit sind die Wurzeln und bleiben Werte der Towers. Wir versuchen einen Verein aufzubauen, der in sich und unabhängig von den Basketballprofis funktioniert, und das über Jahrzehnte“, sagt Karajica.

Die Anfänge sind gemacht. 18 Basketballmannschaften, davon 13 Jugendteams, nehmen in der neuen Saison am Hamburger Spielbetrieb teil, die erste Herren ist inzwischen in die Bezirksliga aufgestiegen, die viertklassige Regionalliga ist das Ziel. Özhan Gürel, ehemaliger Co-Trainer der Profimannschaft, organisiert die Abteilung. Die Towers-Basketball-Akademie führt wöchentlich 50 Kurse an Hamburger Schulen durch, begleitet die Zusammenarbeit mit acht Wilhelmsburger Schulen vor allem in der Ganztagsbetreuung.

Neues Towers-Projekt mit Segelverein

31 Trainer beschäftigt der e. V. in den derzeit vier Sparten Basketball, Cheerdance, Triathlon und Kampfsport, Stand-up-Paddling und Rudern kommen demnächst dazu. Die Cheerleader wurden im Frühjahr Siebte der Weltmeisterschaften in Orlanda (USA), der e. V. hat zuletzt Mitgliedschaften im Triathlon- und Fußballverband sowie dem Verband für Turnen und Freizeit beantragt. „Die Fußballer wollen nur in der Freizeitliga kicken“, sagt Fischer. Neu ist ein Projekt mit dem Norddeutschen Regatta Verein, der Kindern und Jugendlichen der Towers auf der Außenalster Segelkurse anbietet. „In Wilhelmsburg leben mehr als 50 Ethnien und Kulturen. Golf und Tennis sind hier weniger gefragt, Kampfsport umso mehr“, sagt Beyer. Kickboxen und Kung Fu sollen neben Fitness weitere Schwerpunktsportarten werden.

Mit den anderen Clubs in Wilhelmsburg haben die Towers früh das Gespräch gesucht, ihre Pläne kommuniziert. „Alle ortsansässigen Vereine werden von unseren Aktivitäten profitieren, mittelfristig ebenfalls größeren Mitgliederzuwachs haben“, sagt Fischer. Die Konkurrenz bleibt vorerst skeptisch. „Wir freuen uns sehr, dass der Sport in Wilhelmsburg momentan so viel Aufmerksamkeit erhält“, sagt Philip Wendt, Geschäftsführer des SV Wilhelmsburg. „Wir hoffen nur, dass auch die kleineren Sportvereine auf der Elbinsel von diesem Hype profitieren werden.“