Basketball

Bundesliga-Planung: Die vier Szenarien für die Towers

Jubel der Towers über den Auftieg: Max Montana, Trainer Michael ''Mike'' Taylor, Malik Mueller und Tevonn Walker (v.l.)

Jubel der Towers über den Auftieg: Max Montana, Trainer Michael ''Mike'' Taylor, Malik Mueller und Tevonn Walker (v.l.)

Foto: Witters

Weil Bremerhaven und Nürnberg keine Lizenz erhielten, droht zum Missfallen der Towers eine kleinere Liga.

Hamburg. Am gestrigen Freitag, einen Tag nachdem die Hamburg Towers die Lizenz für die Basketball-Bundesliga (BBL) erhalten hatten, war die Freude auf der Geschäftsstelle des Vereins am Wilhelmsburger Kurt-Emmerich-Platz 2 über die erteilte Spielgenehmigung fast schon wieder verflogen. Die zwei nachzuliefernden Bedingungen, ein weiterer hauptamtlicher Jugendtrainer und der Nachweis eines positiven Eigenkapitals von 250.000 Euro, bereiteten Sportchef Marvin Willoughby (41) allerdings kein Kopfzerbrechen. Sie werden schon in der nächsten Woche erfüllt.

Weil aber den Eisbären Bremerhaven (unzureichender Eigenkapitalnachweis) und Mitaufsteiger Nürnberg Falcons (fehlender Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und einer Spielstätte) in erster Instanz die Lizenz verweigert wurde, wogegen beide Clubs Anfang nächster Woche Berufung einlegen werden, droht die BBL in der nächsten Saison nur mit 16 statt wie zuletzt mit 18 Mannschaften zu spielen. Und das gefällt den Towers gar nicht.

Weitere Herausforderung

„Das wäre eine weitere Herausforderung für uns“, sagt Willoughby. Zum einen würden die Einnahmen aus zwei vermutlich ausverkauften Heimspielen fehlen, rund 100.000 Euro, das Gehalt eines durchschnittlichen Bundesligaspielers, zum anderen würde sich der Kampf um den Klassenerhalt weit schwieriger gestalten, weil mit Bremerhaven und Nürnberg zwei potenzielle Mitkonkurrenten nicht mehr in der Liga vertreten wären. „Dass 24 Erstligaprofis zusätzlich auf einen Markt mit weniger Arbeitsplätzen kämen, könnte die Gehälter drücken.

Towers schaffen den Aufstieg:

Das wären jedoch Spieler von Abstiegskandidaten, die womöglich den künftig höheren Ansprüchen nicht genügten“, sagt Willough­by. Unter diesen Aspekten dürfte ein bisher realistischer Etat von vier Millionen Euro kaum ausreichen, um im gesicherten Mittelfeld mitwerfen zu können. Aber: In der laufenden Saison reüssierte BBL-Aufsteiger Rasta Vechta, der als Tabellenvierter die Play-offs erreichte, mit einem Budget von rund 2,7 Millionen Euro.

„Unsere Wunschlösung bleibt eine 18er-Liga“

Möglich wäre, dass die BBL eine Saison lang mit 16 Mannschaften spielt und die Liga 2020/21 wieder auf 18 Clubs aufstockt – und es in der nächsten Spielzeit keinen Absteiger gäbe. Dagegen spricht, dass die Spitzenclubs um Meister Bayern München wegen ihrer Belastungen in den europäischen Wettbewerben die BBL gern verkleinert sehen.

Die Towers übernehmen Hamburg:

Ob dies dem Gesamtprodukt zuträglich wäre, müssen die Clubs nun diskutieren. Vier Spieltage würden bei einer 16er-Liga entfallen, ein weiterer Monat wäre spielfrei, was keinem Sponsor gefallen kann. „Wir sind jetzt nur Zuschauer, weil wir als Aufsteiger nicht über Belange der BBL abstimmen dürfen“, sagt Willoughby. „Bisher haben wir in unserer Geschichte aber alle Herausforderungen gemeistert, daher werden wir auch diese meistern. Unsere Wunschlösung bleibt eine 18er-Liga.“

Bei den Towers werden Stand heute vier denkbare Szenarien diskutiert:
Fall 1: Die Crailsheim Merlins steigen neben Science City Jena als zweiter Club aus der BBL sportlich ab. Bei Punktgleichheit mit Bremerhaven entschiede der direkte Vergleich zugunsten der Norddeutschen. Damit würden Bremerhaven (ohne Lizenz), Jena und Crailsheim die Liga verlassen. Nürnberg erhielte keine Lizenz. Mit den Towers steigt nur ein Verein auf. Crailsheim darf nicht wie zuletzt 2015 eine Wildcard beantragen, damals noch für 250.000 Euro. Das ist nur einmal in fünf Jahren möglich. Dieser BBL-Zugang ist zudem mit 700.000 Euro sehr teuer geworden, dennoch gibt es mit Jena jetzt einen Interessenten. Chemnitz, in den Aufstiegsspielen den Towers unterlegen, hat diese Möglichkeit ausgeschlossen. Aktueller Stand: Die BBL bleibt vorerst eine Liga mit 18 Clubs, spielt aber mit 16.


Fall 2: Wie Fall 1, aber Nürnberg bekäme doch noch die Lizenz, wovon der Club weiterhin fest überzeugt ist. Resultat: Die BBL spielt mit 17 Teams. Dann könnte es 2019/20 nur einen Absteiger geben.


Fall 3: Bremerhaven steigt sportlich ab. Crailsheim bleibt in der Liga. Nürnberg erhält keine Lizenz. In der BBL treten – wie in Fall 2 – 17 Mannschaften an.


Fall 4: Wie Fall 3, aber Nürnberg bekommt doch die Lizenz. Resultat: Die BBL spielt mit 18 Clubs. Und bei den Towers kommt wieder Freude auf.