FC St. Pauli

Andreas Rettig schlägt wegen Sparkurs bei Sky Alarm

Funktionäre statt Fieldreporter: St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig (r.) und Sportchef Uwe Stöver auf dem Rasen des Millerntorstadions.

Funktionäre statt Fieldreporter: St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig (r.) und Sportchef Uwe Stöver auf dem Rasen des Millerntorstadions.

Bezahlsender verzichtet bei vielen Livespielen auf Reporter im Stadion. St. Paulis Geschäftsführer kritisiert die Entwicklung.

Hamburg.  Man stelle sich vor, Reporter Steffen Simon kommentiert an diesem Montag das Nations-League-Spiel zwischen Deutschland und den Niederlanden aus einem Studio irgendwo in diesem Land, Moderatoren sowie Interviewer sind ebenfalls nicht im Stadion. Undenkbar? Bei der ARD und einem Fußballländerspiel sicherlich – beim Bezahlsender Sky aber ist dies seit dem vierten Spieltag dieser Saison bei den Liveübertragungen der Zweiten Liga sogar zu fast 50 Prozent die Regel, dass kein Reporter vor Ort ist.

Erstmals war der FC St. Pauli bei seinem jüngsten Heimspiel vor gut einer Woche davon betroffen. Nicht nur für die Konferenz, sondern zum ersten Mal auch bei der Option, die Partie gegen den 1. FC Heidenheim komplett live am Bildschirm zu erleben, saß Reporter Sven Schröter in der Sky-Zentrale in Unterföhring. Dabei war diese Partie, wenn man die Tabellenstände vor dem Spiel zugrunde legt (Zweiter gegen Sechster) das Topmatch des Spieltages.

Keine Interviews mehr nach dem Spiel

Dieser Verzicht auf einen Reporter vor Ort hatte auch zur Folge, dass weder vor noch nach dem Spiel irgendwelche Interviews mit Trainern, Sportchefs und Spielern geführt wurden. Bei vier von neun Partien eines Spieltags ist kein Sky-Reporter mehr vor Ort. Andreas Rettig, der Geschäftsführer des FC St. Pauli sieht diese Entwicklung kritisch – und zwar aus mehreren Gesichtspunkten.

„Aus der Sicht des TV-Fußball-Fans fällt die gesamte Vor- und Nachberichterstattung weg. Das sind gelernte und geschätzte Abläufe, auf die der TV-Zuschauer nun teilweise verzichten muss. Auch bei der Berichterstattung ändert sich etwas, da der Kommentator die Atmosphäre und die Randaspekte aus dem Stadion nicht wahrnimmt oder mitbekommt. Durch den Wegfall der Interviews nach dem Spiel kann auch nicht mehr auf Spektakuläres oder Kurioses eingegangen werden“, sagt Rettig.

Der Sparkurs trifft auch die Sponsoren

Hinzu komme für die Zweitligaclubs die wirtschaftliche Komponente. „Aus ökonomischer Sicht ist es die Fortführung einer für die Zweiten Liga schlechten Entwicklung, denn neben dem Wegfall des Live-Spiels im Free-TV und der damit verbundenen verringerten Reichweite wird durch diese Entscheidung das redaktionelle Produkt weiter beschnitten und zudem mediale Reichweite verringert. Während dieser Aspekt für uns derzeit eine untergeordnete Rolle spielt, kann er an anderen Standorten einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor darstellen“, sagt Rettig weiter.

Er spielt darauf an, dass die Sponsoren der Clubs einen Nachteil haben. Bei Interviews nach einem Match stehen die Spieler sonst vor einer Wand mit den Logos der betreffenden Firmen.

Was bisher die Regel war, wird zur Ausnahme

Für Irritation sorgte auch, dass die Clubs erst kurz vor dem dritten Spieltag informiert wurden, dass Sky bereits ab dem vierten Spieltag diese Sparmaßnahme umsetzt. Die Abonnenten von Sky, die im ersten Jahr mindestens 19,99 Euro pro Monat zahlen müssen, um Bundesliga und Zweite Liga zu sehen, wurden von Sky nicht über die Änderung informiert.

„Für unsere Zuschauer ändert sich nichts Wesentliches. Sie können weiterhin alle Spiele der Zweiten Liga live und in hoher Übertragungsqualität bei uns sehen“, sagt dazu Jens Bohl, Senior Manager External Communications von Sky Sports. Und weiter: „Sky überträgt alle 306 Spiele der Zweiten Liga live, und jedes Spiel ist besetzt mit einem Live-Kommentator. Darüber hinaus sind wir bei ausgewählten Spielen des Spieltags vor Ort.“ Damit wird ganz offen das, was bisher die Regel war, nämlich einen Reporter vor Ort zu haben, zur Ausnahme erklärt.

Welche Clubs von der Maßnahme bisher am meisten betroffen waren, wollte Sky auf Nachfrage nicht mitteilen. „Für eine genaue Analyse ist es noch zu früh“, teilte Jens Bohl mit. Einfaches Zählen hätte gereicht ...