Neuzugang vom HSV

St. Pauli geht bei Sobiechs Gehalt an die Schmerzgrenze

Drei „Neue“ für St. Pauli: Während Nico Empen (l.) aus der U19 kommt, wird Lasse Sobiech fest verpflichtet. Ryo Miyaichi (r.) macht sein erstes Training

Drei „Neue“ für St. Pauli: Während Nico Empen (l.) aus der U19 kommt, wird Lasse Sobiech fest verpflichtet. Ryo Miyaichi (r.) macht sein erstes Training

Foto: Witters

Der Abwehrspieler kommt vom HSV und entschied sich wohl auch wegen der Fans für St. Pauli. Auch Miyaichi lobt die Anhänger, Nöthe geht.

Hamburg. Die rund 75 Trainingsgäste auf dem Gelände des FC St. Pauli an der Kollaustraße staunten am Montagvormitttag nicht schlecht, als zur ersten Übungseinheit der neuen Saison auch Lasse Sobiech aus dem Kabinentrakt des Leistungszentrums kam, freundlich nach links und rechts grüßte und auf den Rasen lief. Bis dahin galt es als fraglich, ob es St. Paulis Sportchef Thomas Meggle gelingen würde, den leistungsstarken Innenverteidiger, der in der vergangenen Saison als Leihgabe des HSV am Millerntor gespielt hatte, jetzt fest zu verpflichten.

Auf Nachfrage dämpfte Meggle denn auch im ersten Moment die Hoffnungen. „Da sein Vertrag bei uns noch bis zum Ende des Monats läuft, haben wir ihn angefordert“, sagte der Sportchef und grinste. Dann aber stellte er klar, dass der 24 Jahre alte Sobiech auch über den 30. Juni hinaus beim FC St. Pauli bleiben wird. „Wir sind uns mit Lasse und dem HSV mündlich einig. Lasse wird hier in Kürze einen Vertrag unterschreiben“, sagte Meggle. „Weitere Details werden wir bekannt geben, wenn die Vereinbarungen auch unterschrieben sind“, so der Sportchef.

„Ich hatte auch noch andere Angebote für ihn, aber der Spieler wollte unbedingt weiter beim FC St. Pauli spielen“, erklärte Sobiechs Berater Jürgen Milewski. Der bei Borussia Dortmund ausgebildete Abwehrhüne (1,96 Meter) hatte beim HSV noch einen Vertrag bis zum Juni kommenden Jahres.

Für den FC St. Pauli ist damit die vorerst wichtigste Personalfrage bei seiner Kaderplanung für die neue Zweitligasaison geklärt worden. Sobiech hatte sich in der abgelaufenen Spielzeit als einer der besten Innenverteidiger der Liga profiliert und sich auch bei den St.-Pauli-Anhängern eine große Beliebtheit erworben. Diese Rolle als sportlicher Leistungsträger und Vorzeigefigur dürfte auch für Sobiech ein entscheidender Anlass gewesen sein, sich an den Kiezclub zu binden.

„Eine besondere Situation erfordert eine besondere Lösung“, sagte Meggle und deutete damit an, dass sich der Kiezclub nicht nur aktiv an der Vertragsauflösung Sobiechs beim HSV beteiligt habe, sondern auch bei der Gehaltshöhe an die eigene Schmerzgrenze gegangen sein dürfte. Die Personalplanung im Abwehrzentrum ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Ein weiterer Innenverteidiger soll noch kommen.

Cheftrainer Ewald Lienen freut sich über die Einigung mit Sobiech auch deshalb, weil er nun in der Defensive weitgehend mit dem in der vergangenen Rückrunde überzeugenden Defensivverbund weiterarbeiten kann. Dies gilt auch deshalb, weil sich die Wechseltendenzen des Linksverteidigers Marcel Halstenberg offenbar vorerst erledigt haben. Hannover 96 hatte ein Angebot abgegeben. „Ich denke nicht, dass Hannover in solchen Kategorien denkt, in denen wir anfangen zu überlegen“, sagte Lienen.

Seine ersten Schritte auf dem Trainingsplatz des FC St. Pauli setzte am Montag Neuzugang Ryo Miyaichi. Welche Fähigkeiten der vom FC Arsenal gekommene Japaner besitzt, war am Vormittag zwar noch nicht zu erkennen – Lienen ließ hauptsächlich ein lockeres Kreisspiel üben – seine Stärken beschrieb der 22-Jährige anschließend aber selbst: „Ich bin schnell, kann Tore vorbereiten und auch selbst welche schießen“, sagte Miyaichi auf Englisch.

Zuvor hatte er die Medienvertreter mit einer kleinen Kostprobe seiner ersten Deutschkenntnisse begrüßt. „Moin, moin, guten Tag, ich heiße Ryo, danke schön.“ Dabei strahlte er mit seinen großen Augen und wirkte richtig zufrieden, dass er nach einer langen Ausleih-Odyssee endlich eine neue sportliche Heimat gefunden hat. „St. Pauli hat tolle Fans, ich wollte unbedingt hier spielen“, sagte Miyaichi, der vor einem Monat geheiratet hat und nun auf seine Frau wartet, die noch in Japan lebt und schon bald nach Hamburg zieht. „Wir haben auch schon ein Haus gefunden“, sagte Miyaichi, der die erste Einheit vor allem an der Seite des angeblich von Bayer Leverkusen umworbenen Koreaners Kyoung-Rok Choi verbrachte.

Auch Meggle und Lienen äußerten sich zufrieden über ihren Neuzugang. „Ryo kann über Außen Druck machen. Das hat uns in der vergangenen Saison gefehlt“, sagte Lienen. „Unser Ziel ist es, unsere Stürmer besser in Szene zu setzen. Deswegen wollen wir auch Waldi halten.“ Mit Waldi meinte Lienen Waldemar Sobota, den der Verein gerne fest verpflichten würde. Bislang war der 28-jährige Rechtsaußen vom FC Brügge wie Sobiech nur ausgeliehen. Eine Entscheidung über einen Transfer könnte noch in dieser Woche fallen.

Keine Zukunft bei St. Pauli hat Christopher Nöthe, 27. Der Stürmer fehlte beim Training trotz laufenden Vertrags. Meggle erklärte, warum: „Er wird seinen Vertrag auflösen. Darüber sind wir uns mündlich einig.“