Trainingsauftakt

Auf diesen Positionen hat St. Pauli noch Handlungsbedarf

Endlich wieder am Ball: Marc Rzatkowski (l.) und Kapitän Sören Gonther sind im Team des FC St. Pauli auch in der neuen Saison gesetzt

Endlich wieder am Ball: Marc Rzatkowski (l.) und Kapitän Sören Gonther sind im Team des FC St. Pauli auch in der neuen Saison gesetzt

Foto: Witters

Der FC St. Pauli startet in die Vorbereitung auf die neue Zweitliga-Saison. Noch ist die Kaderplanung nicht abgeschlossen.

Hamburg. An diesem Montag ist der Sommerurlaub für die Fußballprofis des FC St. Pauli beendet. Vier Wochen hatten die Spieler Zeit, das dramatische Saisonfinale und die damit verbundenen Emotionen nach dem Klassenerhalt zu verarbeiten. Cheftrainer Ewald Lienen erwartet seine Akteure spätestens um zehn Uhr an der Kollaustraße, um in die knapp fünfwöchige Vorbereitung zu starten. Dabei wird das Ensemble personell noch längst nicht mit dem Kader übereinstimmen, mit dem er am letzten Juliwochenende das erste Zweitligamatch der Saison 2015/16 bestreitet. Von den geplanten Neuzugängen ist lediglich der vor vier Tagen verpflichtete Japaner Ryo Miyaichi an Bord. Und es werden Spieler dabei sein, die den Kiezclub noch in der bis Ende August laufenden Transferperiode verlassen.

Die Kaderplanung von Trainer Lienen und Sportchef Thomas Meggle ist benannt: Jede Position soll doppelt besetzt sein, dazu kommen fünf Talente, die aus dem eigenen Nachwuchs in den Profikader rücken. Inwiefern der Kader der angestrebten Konstellation schon entspricht und wo noch Handlungsbedarf besteht, zeigt folgender Überblick .

Tor: Hier ist die Idealvorstellung perfekt umgesetzt. Stammkeeper Robin Himmelmann, 26, und Stellvertreter Philipp Heerwagen, 32, wurden mit neuen Verträgen ausgestattet, Talent Svend Brodersen, 18, soll behutsam an das Profigeschäft gewöhnt werden.

Abwehr: In der Innenverteidigung stehen aktuell als gestandene Profis nur Kapitän Sören Gonther und Philipp Ziereis, der in den letzten Spielen der abgelaufenen Saison als Gonther-Ersatz überzeugt hatte, zur Verfügung. Dazu kommt ein Nachwuchstalent, vermutlich Laurens Rogowski, nachdem Tjorben Uphoff zur U23 des FC Schalke 04 gewechselt ist. Weiterhin ungeklärt ist, ob, wie erhofft, Leistungsträger Lasse Sobiech vom HSV gekauft und von einem Verbleib am Millerntor überzeugt werden kann, zumal einige andere Clubs an ihm interessiert sind.

Gelingt Sportchef Meggle die Aktion „Lasse halten“ nicht, besteht akuter Handlungsbedarf. Dann müsste der Sportchef gleich zwei neue Innenverteidiger holen. Auf den defensiven Außenbahnen scheint mit Jan-Philipp Kalla und Andrej Startsev (rechts) sowie Marcel Halstenberg und Daniel Buballa (links) die Besetzung geklärt. Das Problem ist allerdings, dass Halstenberg von anderen Clubs schwer umworben wird und offenbar auch wechselwillig ist. Und gute Linksverteidiger gelten als Mangelware.

Mittelfeld: Ein großes Fragezeichen steht hinter der Besetzung der Doppelsechs im defensiven Mittelfeld. Mit Julian Koch und Dennis Daube hat die Stammformation der Rückrunde den Verein verlassen. Gesetzt sein dürfte Enis Alushi, der in den letzten Wochen der Saison auf dieser Position überzeugte. Er wird den spielerischen Part übernehmen. Die Rolle des Abräumers könnte an seiner Seite Bernd Nehrig ausfüllen. Lienen mag den zweikampfstarken Rechtsverteidiger, der zu Beginn seiner Amtszeit auf der Sechs gesetzt war. Auch Marc Rzatkowski hat gegen Bochum (5:1) gezeigt, dass er auf dieser Position spielen kann. Bei Okan Kurt wäre eine Ausleihe möglich. Ar­mando Cooper hat seine Zweitligatauglichkeit noch nicht nachgewiesen. Dennis Rosin, der aus der U19 kommt, könnte eine Überraschung werden.

Auf der Zehn ist Christopher Buchtmann gesetzt. Nach einer langen Leidenszeit in der Rückrunde war er rechtzeitig zum Saisonfinale wieder fit und überzeugte mit Laufstärke und Effektivität. Als hängende Spitze wäre Kyoung-Rok Choi die erste Alternative. Der Koreaner könnte aber auch auf den Außenpositionen spielen.

Auf der linken Außenbahn ist Neuzugang Ryo Miyaichi der Hoffnungsträger. Er bringt eine Stärke mit, die St. Pauli zuletzt gefehlt hat: das Tempodribbling. In seinem Rücken könnte Maurice Litka aus der U19 immer mal wieder zu Kurzeinsätzen kommen. Unklar ist noch die Besetzung der rechten Außenbahn. Sebastian Maier zeigt sein Talent zu selten. Waldemar Sobota wäre die Wunschlösung. Über eine feste Verpflichtung der polnischen Leihgabe verhandelt Meggle mit dem FC Brügge.

Angriff: Die Sturmbesetzung bleibt auch in der neuen Saison die größte Baustelle. Fünf gelernte Mittelstürmer hat St. Pauli im Kader, ein weiterer soll noch kommen. Kaum vorstellbar, dass Lienen mit sechs Angreifern in die Saison geht. Mindestens einer muss gehen. Lennart Thy hat seinen Platz sicher, Ante Budimir ist noch gar nicht ganz abbezahlt und soll einen Neustart versuchen. Findet Meggle Interessenten für John Verhoek und Christopher Nöthe (beide Vertrag bis 2016), könnten beide verkauft werden.

Freuen dürfen sich die Fans auf Sturmtalent Nico Empen, 19. Kommt der Torschützenkönig der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost (27 Treffer) diesmal verletzungsfrei durch die Vorbereitung, wird er schnell die ersten Einsätze im Profifußball bekommen.