FC St. Pauli

Flutlicht-Fußball am Millerntor als Quotengarant

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Nils Kemter

Schon zum dritten Mal tritt der FC St. Pauli am Montag zu einem Abendspiel an. Auch bei internationalen TV-Sendern ist das Interesse am Kiezclub hoch.

Hamburg. „20.30 Uhr, Flutlicht – das ist schon gefühlte Erste Liga“, hatte Bochums Trainer Peter Neururer am Rande der Partie am vergangenen Freitagabend gegen den FC St. Pauli (2:2) geschwärmt. Auch beim bundesligaerfahrenen Florian Kringe glänzen die Augen, wenn er von Flutlichtspielen am Millerntor spricht. Da entwickle sich noch mehr als sonst eine Dynamik zwischen Spielern und Publikum. So soll es nach Wunsch der Profis auch am Montagabend sein, wenn die Hamburger Dynamo Dresden (20.15 Uhr) zum Topspiel der Zweiten Liga empfangen. Lediglich 300 Karten sind noch erhältlich, weshalb das Stadion mit mehr als 28.000 Zuschauern gefüllt sein wird.

Beim Bezahlfernsehsender Sky, der die Live-Übertragungsrechte hält, freut man sich über den bereits dritten Auftritt St. Paulis in der noch jungen Saison zur besten Sendezeit. Schon gegen 1860 München und in Bochum (jeweils freitags 20.30 Uhr) sorgten die Spielplaner der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für den exklusiven Rahmen: Denn der Verein darf sich über gesteigerte Aufmerksamkeit freuen, der Sender über gute Einschaltquoten. Am Montag überträgt auch Sport1 im frei empfangbaren Fernsehen vom Millerntor.

Auf St. Pauli sieht man dies mit gemischten Gefühlen. „Aus Marketingsicht sind die Ansetzungen attraktiv, da sie aufgrund ihrer hohen Exklusivität große Reichweiten liefern“, erläutert Geschäftsführer Michael Meeske, weiß aber auch: „Aus Auswärtsfanperspektive sind sie natürlich schwierig. Deswegen sehen wir positive wie negative Aspekte.“ Bei Sky sahen 240.000 Zuschauer den Auftakterfolg gegen die Münchner Löwen vom heimischen Sofa aus, 230.000 schalteten gegen Bochum ein. In der Vorsaison lag der Durchschnittswert bei nur 150.000 Zuschauern. Zum Vergleich: Bundesliga-Bestwerte erzielte die Partie zwischen Dortmund und Eintracht Braunschweig mit 900.000 Fans, Leverkusen gegen Freiburg schauten nur 5000 Menschen. Hinzu kommen die nicht statistisch erfassten Zuschauer in Sportbars.

St. Pauli auch im Dubai Sports Channel

Trotz des fehlenden sportlichen Erfolgs bleibt der Kiezclub ein Zuschauermagnet. Denn auch international genießen die Hamburger dank der für die Fernsehanstalten attraktiven Anstoßzeiten gesteigerte Aufmerksamkeit. Mehrere ausländische TV-Vertragspartner der DFL zeigen die Freitags- und Montagsspiele in ihrem Programm. So überträgt Eurosport 2 jene Partien im skandinavischen und osteuropäischen Raum in insgesamt 23 Länder, auch der Dubai Sports Channel ist im gesamten arabischsprachigen Raum live dabei. Zwar gibt es keine Verwertungsverpflichtung für die Sender, bei attraktiven Teams wie St.Pauli, dem 1. FC Köln oder Kaiserslautern ist das Interesse jedoch auch im Ausland hoch.

Die stimmungsvolle Atmosphäre am Millerntor hoben Vertreter der internationalen Sportkanäle bei Besuchen vor Ort regelmäßig hervor. Bei der Terminierung der Partien sollen diese Faktoren bei der DFL aber keine Rolle spielen. Offiziell heißt es, alle Teams sollen regelmäßig Abendspiele austragen. Dennoch bekamen im vergangenen Jahr Hertha BSC, Kaiserslautern und Köln gleich neun Partien mit Anpfiff nach 20 Uhr zugesprochen. St. Pauli spielte fünfmal an einem Montagabend. Ein Wert, der in dieser Saison deutlich übertroffen werden dürfte.

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