FC St. Pauli siegt im Derby beim HSV

Keine Ausschreitungen in der Stadt, aber Ärger im Pauli-Block

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Mit Pyrotechnik sorgten die Anhänger der Gäste für ein Großaufgebot der Polizei im Fanblock. Nach dem Spiel blieb es überwiegend friedlich.

Hamburg. Es war noch keine halbe Stunde gespielt, da richteten sich die Blicke der 57.000 Zuschauer im Stadion während des Derbys zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli auf den Bereich der Gästefans. Zwei Feuerwerkskörper brannten im Block zwischen der Süd- und der Westtribüne. Die Chaoten ließen sich auch von mehrfachen Durchsagen des Stadionsprechers nicht beirren, zündeten weitere Rauchbomben. Anschließend gingen die Pauli-Fans sogar gegenseitig aufeinander los, weil sie sich über das Abbrennen der Pyrotechnik uneinig waren.

Die Polizei und die Ordnungskräfte bauten sich zunächst rund um den Gästeblock auf, drangen in der Halbzeit schließlich in die untere Zone der Anhänger ein. Daraufhin boten sich unschöne Bilder. Viele Fans prügelten auf die Sicherheitskräfte ein. Durch das starke Aufgebot kam es zu einem dichten Gedränge, das beinahe in einer Massenpanik endete. Viele Pauli-Fans mussten über den Zaun aus dem Block gehoben werden, darunter auch einige Jugendliche.

Nach der Halbzeit kehrte schließlich Ruhe ein. Auch dank des Einsatzes des sogenannten Einpeitschers, der sich mit seinem Megaphon an die Fans wand und sie aufforderte, die mitgebrachten Fahnen einzusammeln. Durch den gesamten Block wurden hunderte Flaggen nach vorne gereicht. Zuvor hatten einige Anhänger die Stile der Flaggen benutzt, um auf Ordern und Polizei einzuschlagen.

Sieben Fans und sechs Polizisten wurden leicht verletzt, vier Pauli-Anhänger vorübergehend festgenommen. Nach dem 1:0-Führungstreffer durch Gerald Asamoah wurden erneut Feuerwerkskörper gezündet. Nach dem Spiel herrschte dann aber friedlicher, dafür umso ausgelassener Jubel im Gästebereich.

Ihren ersten Sieg gegen den HSV seit mehr als 33 Jahren feierten die Fans in der Stadt weitestgehend ohne negative Begleiterscheinungen. Das bestätigte ein Sprecher der Hamburger Polizei am frühen Morgen. Demnach blieben die von einigen Seiten befürchteten Ausschreitungen aus. Hoch her ging es vor allem auf der Reeperbahn. Der Verkehr im Bereich der Budapester Straße nahe der Kiez-Fankneipe „Jolly Roger“ musste in der Nacht für mehrere Stunden umgeleitet werden, weil am späten Abend zu viele Menschen die Fahrbahn versperrten.

Die Partie war im Vorfeld als Risikospiel eingestuft worden. Rund 1000 Polizisten aus Hamburg und den benachbarten Bundesländern waren im Einsatz, hinzu kamen etwa 700 Ordnungskräfte. Nach der witterungsbedingten Absage der zunächst für den 6. Februar angesetzten Begegnung im HSV-Stadion (Stellingen) war es an den Vortagen in der Hamburger Innenstadt noch zu Krawallen gekommen. Im Millerntor-Stadion wurde das Spiel am Mittwochabend dann live auf drei Videowänden übertragen. Dort versammelten sich rund 9500 Fans, um den historischen Sieg ihrer Kiezkicker zu verfolgen.

DFB: Legalisierung von Pyrotechnik rückt in weite Ferne

Die von den Fan-Szenen massiv geforderte Legalisierung der Pyrotechnik in den Stadien der Fußball-Bundesliga rückt in immer weitere Ferne. „Schon aus rechtlichen Gründen ist eine generelle Freigabe nicht möglich. Schön wäre es, wenn die Fanszenen uns auch ein Signal geben würden, an einem ernsthaften Dialog interessiert zu sein. Das kann nur heißen: Die gültigen Regeln zu akzeptieren und auf Pyrotechnik zu verzichten“, sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn.

Derzeit fordern rund 60 Ultra-Gruppierungen aus dem gesamten Bundesgebiet die legale Rückkehr der momentan verbotenen Pyrotechnik in die Stadien. Beim Kongress „Feindbilder ins Abseits“ in Frankfurt/Main Mitte Januar wurde dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Spahn ein erarbeitetes Konzept mit der Überschrift „Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren“ übergeben.

Doch die Fans scheinen sich bei dem Thema selbst nicht einig zu sein, wie die Vorfälle rund um das Hamburger-Derby am Mittwoch einmal mehr untermauerten. Im Block der St. Pauli-Anhänger wurden Böller gezündet. In der zweiten Halbzeit mussten Ordner dann die Pauli-Fans vor sich selbst schützen.

Spahn enttäuscht, dass die Ultras ihre eigene Anhängerschaft nicht in den Griff kriegen. „Das ist eine Entwicklung, die uns durchaus nachdenklich macht. Die Prozesse der Selbstregulierung funktionieren noch nicht so, wie wir uns das wünschen. Das belastet die bevorstehenden Gespräche natürlich. Wir hatten in der letzten Saison im Vergleich zum Vorjahr bereits einen Zuwachs von 150 Prozent. Eine Auswertung der Hinserie der laufenden Spielzeit hat ergeben, dass in nur einem halben Jahr genauso viele gefährliche Vorfälle mit Pyrotechnik passiert sind wie in der kompletten letzten Saison“, sagte Spahn. (sid/abendblatt.de)