Stanislawski: "33 Jahre gewartet"

Der St.-Pauli-Trainer über einen glücklichen Derby-Sieg und den überraschenden Wechsel

Hamburg. Er war bereits vor der Partie recht zuversichtlich gewesen, strahlte Selbstbewusstsein und Vorfreude aus. Ein Gefühlszustand, den die 90 Minuten bestätigten. Eine Dreiviertelstunde nach dem Abpfiff bahnte sich ein sichtlich zufriedener Trainer des FC St. Pauli dann den Weg zu den wartenden Journalisten. Holger Stanislawski wirkte nach dem ersten Derby-Sieg seit 1977 gleichermaßen glücklich wie erleichtert.

Hamburger Abendblatt:

Wie fühlen Sie sich nach der dieser denkwürdigen Partie?

Holger Stanislawski:

Ich bin sehr glücklich. Das ist ein ganz besonderer Moment. So was kommt bei uns ja nicht alle Jahre vor. Wir haben schließlich 33 Jahre darauf gewartet.

Ein Erfolg auf ganzer Linie?

Stanislawski:

Na ja, wir waren in der ersten Halbzeit viel zu passiv, haben viel zu viele Flanken und Standardsituationen zugelassen. Wir sind das Derby zu verhalten angegangen, scheinbar war das für viele meiner Spieler ein zu großer Rucksack. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann es klingelt.

Dann hat Ihr Team jedoch überraschend das Führungstor erzielt.

Stanislawski:

In der zweiten Hälfte haben wir uns neu sortiert. Das Tor war jedoch überhaupt erst die zweite echt gefährliche Offensivaktion meiner Mannschaft. Nach dem 1:0 haben die Jungs sehr viel Leidenschaft und sehr viel Kampf in die Waagschale geworfen, das hat meine Mannschaft dann sehr aufopferungsvoll gemacht.

War der Sieg aufgrund dessen dann doch verdient?

Stanislawski:

Unter dem Strich war es ein glücklicher Derbysieg, aber das interessiert dann keinen mehr. Ich bin wirklich sehr, sehr stolz auf jeden Einzelnen bei uns, der dabei war.

Mit Ihrem Torhüter Benedikt Pliquett war ein Spieler auf dem Platz, mit dem keiner gerechnet hatte. Was hat Sie dazu bewegt?

Stanislawski:

Bene ist St. Paulianer durch und durch. Wie weit er wirklich ist, kann man nicht nur im Training beurteilen, sondern muss es im Spiel sehen. Ich habe meinem Vertrauen Taten folgen lassen. Er war einer der Garanten für den Sieg.