FC St. Pauli

Schiedsrichter Marco Fritz, der falsche Schuldige

Foto: WITTERS / Witters

Der FC St. Pauli hadert nach dem 1:3 gegen Eintracht Frankfurt mit dem Schiedsrichter, muss sich die Niederlage aber selbst zuschreiben.

Hamburg. Es gehört zum guten Ton jeder Pressekonferenz nach einem Bundesligaspiel, dass zunächst der Trainer der Gästemannschaft das Wort hat. Also äußerte sich auch am Sonnabend im Anschluss an den 3:1-Erfolg seiner Mannschaft beim FC St. Pauli zunächst der Coach von Eintracht Frankfurt: Michael Skibbe tat seine Freude über den Sieg seines Teams kund und analysierte in sachlicher wie treffender Weise die Partie, um anschließend die Einschätzung seines Trainerkollegen Holger Stanislawski zu verfolgen. Je mehr sich dieser im weiteren Verlauf über den seiner Meinung nach "völlig überforderten" Schiedsrichter Marco Fritz vom SV Breuningsweiler beklagte, umso mehr tat Skibbe seine Überraschung über die Deutlichkeit der Äußerungen kund, indem er seine Stirn in Falten zog.

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Nachdem St. Pauli zunächst die Partie bestimmt und lange Zeit völlig verdient durch einen frühen Treffer von Carlos Zambrano (5.) in Führung gelegen hatte und von Frankfurt überhaupt nichts zu sehen gewesen war, hatte Referee Fritz den Hessen einen Foulelfmeter zugesprochen. Eine sehr harte, aber nicht unberechtigte Strafe für Zambranos Kontakt mit der Hacke von Eintracht-Torjäger Theofanis Gekas, der anschließend kurz vor der Pause vom Punkt zum Ausgleich traf.

Ob übertrieben oder nicht, war der Strafstoß der Ausgangspunkt für die Wende im Spiel und viele Diskussionen um Herrn Fritz aus Korb. Dieser schickte nämlich kurz nach dem Wechsel St. Paulis Gerald Asamoah mit Gelb-Rot vom Platz (siehe unten) und pfiff auch anschließend viele Aktionen der Braun-Weißen ab, sodass Stanislawski später zu dem Schluss kam, dass seine Mannschaft irgendwann fast keinen Zweikampf mehr habe führen dürfen.

Auch die Zuschauer hatten bereits zur Halbzeit ihren Buhmann in Fritz gefunden, ihn in Anlehnung an seinen durch den Wettskandal berüchtigten Ex-Kollegen mit "Hoyzer, Hoyzer"-Rufen bedacht. "Ich will die Schiedsrichterleistung nicht kommentieren", sagte Mittelfeldspieler Fabian Boll und entschied sich dann doch anders: "Es war ein sehr unruhiges Spiel. Die Frankfurter haben da viel Theatralik reingebracht. Ich weiß nicht, ob so was sein muss. Aber es ist ja aufgegangen, da sich der Schiedsrichter dazu entschied, für die Weißen zu pfeifen."

Stanislawski stand mit seinen kritischen Tönen also alles andere als allein. Und dennoch wäre Marco Fritz der falsche Schuldige. St. auli hatte sich die Niederlage selbst zuzuschreiben, weil der Kiezklub es verpasst hatte, die anfängliche Überlegenheit in ein zweites Tor umzumünzen, Zambrano in der Elfmetersituation unbedacht agierte und Asamoah das Team durch seinen Platzverweis selbst schwächte. "Heute fehlte uns auch der eine oder andere Zentimeter", gestand Boll ein. "Wir haben das Kampfspiel zu sehr angenommen und nicht mehr Fußball gespielt", meinte Stanislawski. "Das ist nicht unsere Art." St. Pauli konnte sogar noch von Glück reden, dass nicht auch noch Rouwen Hennings vorzeitig zum Duschen geschickt wurde, nachdem er den Frankfurter Ochs mit seinem Arm im Gesicht getroffen hatte. "Auch wenn es unabsichtlich war, sehen manche dafür Rot", sagte Hennings, "aber insgesamt waren viele Entscheidungen gegen uns schon komisch. Es war nicht immer Foul, wenn einer von denen auf dem Boden gelegen hat." Weil Rouwen Hennings anschließend bei Foulentscheidungen des Schiedsrichters immer wieder mitten im Geschehen war, entschied sich Holger Stanislawski nach einer knappen Stunde, Max Kruse für ihn einzuwechseln, um nicht noch einen Platzverweis zu riskieren.

Die Frankfurter entschieden zehn Minuten darauf das Spiel zu ihren Gunsten, als Pirmin Schwegler einen herrlichen langen Pass auf Gekas schlug, dieser von einem Stellungsfehler Markus Thorandts und Zambranos profitierte und zum 2:1 einnetzte. Dass Caio später noch den dritten Frankfurter Treffer erzielte, war dann nicht mehr als Ergebniskosmetik. Einige Zuschauer, die auf der neuen Haupttribüne gesessen hatten, bekamen davon schon nichts mehr mit, weil sie vorzeitig das Stadion verlassen hatten. Ohnehin hatte am Millerntor eine seltsame Stimmung geherrscht. Bei den strittigen Entscheidungen noch bis ins Äußerte aufgepeitscht, kam von den Rängen in der Schlussphase, als es die eigene Mannschaft am nötigsten gebraucht hätte, bis auf den Gesangsteppich der Ultras auf der Südtribüne kaum noch Anfeuerung. Erst als Schiedsrichter Fritz mit seinem Gespann den Platz verlassen wollte, waren die Fans wieder da, verabschiedeten die Unparteiischen mit einem gellenden Pfeifkonzert und Bierbecher-Würfen. Das wiederum gehört am Millerntor eigentlich nicht zum guten Ton.