Hamburg/Stuttgart. Der Trainer bewahrte den HSV einst vor dem Abstieg und lebt in Hamburg. Jetzt soll er offenbar einen Traditionsclub übernehmen.

Auch nach dem Abschied von Sportdirektor Sven Mislintat gibt es angesichts der ungeklärten Personalien und der Gerüchte um eine Rückkehr des früheren HSV-Trainers Bruno Labbadia beim VfB Stuttgart etliche Fragezeichen. Die Führungskräfte um Vorstandschef Alexander Wehrle stehen vor weiteren Verhandlungen und wollen vor dem Trainingsstart am 12. Dezember die offenen Fragen klären.

Mehreren Medien zufolge soll Labbadia in die Bundesliga zurückkehren und die abstiegsbedrohten Schwaben als Nachfolger des schon im Oktober freigestellten Pellegrino Matarazzo und von Interimscoach Michael Wimmer übernehmen.

Der VfB kommentierte den Namen nicht. Ehrenpräsident Erwin Staudt sprach sich deutlich für neue Impulse von außen im Abstiegskampf aus und ist dagegen, den Weg mit dem früheren Assistenzcoach und bisherigen Interimstrainer Michael Wimmer weiterzugehen. „Es ist wichtig, externe Personen zu holen“, sagte der 74-Jährige. Wichtig sei es, rasch Lösungen zu haben.

Labbadia trainierte zweimal den HSV – und schon einmal den VfB

Labbadia (56) spielte von 1987 bis 1989 für den HSV, der 2009/10 zu seiner ersten Trainerstation in der Bundesliga werden sollte. 2015 kehrte er an den Volkspark zurück und bewahrte den Club in der Relegation vor dem Abstieg.

Zwischen seinen beiden Hamburger Engagements war er fast drei Jahre lang für den VfB Stuttgart tätig. 2011 rettete der gebürtige Darmstädter die Schwaben zunächst vor dem Abstieg gerettet. 2012 glückte ihm als bisher letztem VfB-Coach die Qualifikation für die Europa League. Dann stagnierte die Entwicklung, nach einem schwachen Saisonbeginn 2013 kam das Aus.

Labbadias Lebensmittelpunkt liegt weiterhin in Hamburg. Zuletzt trainierte er bis Anfang vergangenen Jahres Hertha BSC. Als Retter war er auch bei den Berlinern erfolgreich, dann erfüllte er die hohen Erwartungen aber nicht und musste gehen. Ob Labbadia der neue Mann des VfB wird oder nicht – es steht fest, dass die künftigen Führungskräfte in einer sportlich sehr schwierigen Situation einsteigen werden.

VfB-Berater Khedira kommt als Mislintat-Nachfolger noch nicht infrage

Mislintat hinterlässt einen Kader, mit dem es an 15 Spieltagen nur zu 14 Punkten reichte. Es fehlte an Erfahrung, an Torgefahr, an einer fehlerlosen Defensive. Mislintat hatte auf einen Weg mit sehr vielen jungen Talenten gesetzt. Ob sich diese Strategie unter neuer Führung ändern wird?

Eigentlich soll zunächst diese Personalie geregelt werden. Der neue Sportdirektor könnte dann in der Trainersuche bereits Einfluss nehmen. Ob es eine externe oder interne Lösung geben wird, ist offen.

Ex-Weltmeister Sami Khedira, derzeit als TV-Experte für die Fußball-WM in Katar in der ARD im Einsatz, ist seit September ein enger Berater für Vorstandschef Wehrle. Als Sportdirektor soll der frühere Mittelfeldspieler aber (noch) nicht infrage kommen. Der ehemalige VfB-Kapitän Christian Gentner ist ab dem 1. Januar 2023 als Leiter der Lizenzspielerabteilung eingeplant. Zu Mislintats Team gehörte der für die Sportorganisation zuständige Markus Rüdt.

Holt Klopp Mislintat nach Liverpool?

Sven Mislintat hat sich vom VfB Stuttgart verabschiedet. Führt ihn sein Weg zurück zu Jürgen Klopp?
Sven Mislintat hat sich vom VfB Stuttgart verabschiedet. Führt ihn sein Weg zurück zu Jürgen Klopp? © IMAGO/Sportfoto Rudel | Robin Rudel

Mislintat könnte unterdessen laut Medienberichten in der englischen Premier League einen neuen Job finden. Wie Sky Sport berichtete, gilt er als Kandidat beim FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp. In Stuttgart wird die Trainer-Entscheidung nun ohne ihn fallen. Mislintat war ein Fürsprecher von Interimscoach Wimmer.

Anstoß - der Abendblatt-Newsletter zum HSV

Melden Sie sich jetzt für den kostenlosen wöchentlichen Newsletter zum Spieltag an

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der frühere Nationaltorwart Timo Hildebrand will den VfB-Verantwortlichen um den Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle keine Ratschläge erteilen und kennt nach eigenen Worten auch die Interna nicht. Er könne sich aber Wimmer weiter als Trainer in Stuttgart vorstellen. „Ich glaube, dass er eine gute Arbeit hingelegt hat“, sagte der 43-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. In den sechs Bundesliga-Spielen habe der Interimstrainer mit den drei Heimsiegen und insgesamt neun Zählern eine für die Situation „angemessene Punktezahl“ erreicht.

Schon bevor Mislintat nach einem 0:5 bei Borussia Dortmund Ende Oktober bekannt gegeben hatte, dass Wimmer bis zur Winterpause weitermachen werde, hatte der schwäbische Traditionsverein mit potenziellen neuen Trainern Kontakt aufgenommen: mit dem vereinslosen Dänen Jess Thorup sowie Alfred Schreuder von Ajax Amsterdam.