4:0 gegen Aue

April, April! HSV besiegt Fluch und kann wieder hoffen

| Lesedauer: 6 Minuten

Die Hamburger gewinnen ihr Nachholspiel gegen Erzgebirge Aue deutlich. Sonny Kittel richtet dabei eine Botschaft an seine Kritiker.

Hamburg. Auf diesen Moment hatte die Mannschaft lange gewartet. Zwei Jahre und einen Monat nach der letzten gemeinsamen Feier im Volksparkstadion gegen Regensburg konnten die Spieler des HSV am Dienstagabend erstmals wieder mit der gesamten Fanszene vor der Nordtribüne zusammen jubeln.

Drei Tage nach der ernüchternden Heimniederlage gegen den SC Paderborn genossen die Hamburger die Stimmung nach dem 4:0 (2:0)-Heimsieg gegen den FC Erzgebirge Aue. Eine klare Ansage an die Konkurrenz: Wie leben noch. Wir geben noch nicht auf. Sechs Spieltage vor Schluss hat der HSV als Sechster noch sechs Punkte Rückstand auf Platz drei.

Tabellenspitze 2. Bundesliga
1. Werder Bremen 28 / 52:37 / 52
2. Darmstadt 98 28 / 56:35 / 51
3. FC St. Pauli 28 / 53:38 / 51
4. FC Schalke 04 28 / 56:34 / 50
5. 1. FC Nürnberg 28 / 41:37 / 46
6. HSV 28 / 51:29 / 45
7. 1. FC Heidenheim 28 / 37:36 / 45

HSV besiegt gegen Aue auch den April-Fluch

Zudem konnten die Hamburger endlich ihren April-Fluch besiegen und erstmals im ihrem Angst-Monat ein Zweitligaspiel gewinnen. „Heute ist es optimal gelaufen. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und hochverdient gewonnen“, sagte Torschütze Moritz Heyer. „Wir waren giftig in den Zweikämpfen und haben den Gegner aufgefressen. Dass wir nicht in Rückstand geraten sind, macht natürlich viel aus.“

Am Dienstagmittag hatte der HSV bereits für ein Zuschauer-Zeichen gesorgt. Innerhalb von fünf Minuten war das DFB-Pokal-Halbfinale am 19. April gegen den SC Freiburg ausverkauft. Das Interesse der HSV-Anhänger am Dienstagabend gegen Aue fiel dagegen bescheidener aus. 21.890 Zuschauer kamen ins Volksparkstadion, rund 6000 weniger als am Sonnabend gegen Paderborn.

HSV-Einzelkritik: Ein fliegender Holländer und ein ganz leiser Jubler

Dem HSV war gleich zu beginn anzumerken, dass er die Fans wieder auf seine Seite ziehen will. Trainer Tim Walter hatte mit zwei Änderungen auf die Paderborn-Pleite reagiert. Nach seinen guten Ansätzen am Wochenende nach seiner Einwechslung belohnte Walter für viele überraschend Maximilian Rohr mit einem Startelfeinsatz. Weil Faride Alidou mit Knöchelproblemen kurzfristig ausfiel, rückte Sonny Kittel auf den linken Flügel, Rohr übernahm die Kittel-Rolle auf der Doppel-Acht.

Der zuletzt vielkritisierte Kittel zeigte sich auf seiner alten Stammposition in der Anfangsphase deutlich präsenter und spielfreudiger als in den vergangenen Wochen. Der HSV startete schwungvoll und hatte durch Bakery Jatta gleich zwei gute Chancen (7./11.). Aber aller guten Dinge sind eben auch im Fußball drei. Nachdem Jattas Flanke zunächst am zweiten Pfosten landete, machte Kittel den Ball wieder heiß. Seinen gefühlvollen Heber in die Mittel verwertete Glatzel mit dem Kopf zum 1:0 (14.). Saisontor Nummer 17 für den Mittelstürmer des HSV. Die Erleichterung bei den Hamburger war bis unters Dach zu spüren.

Kittel richtet klare Botschaft an seine Kritiker

Walters Elf schaltete danach allerdings einen Gang runter. Bis zu Halbzeit überließ der HSV den Auern viel zu häufig viel zu viele Räume, die eine qualitativ besser besetzte Mannschaft durchaus hätte nutzen können. Doch dem Team von Trainer Pavel Dotchev sah man deutlich an, warum es mit 16 Punkten in der Tabelle weit abgeschlagen ist und in der kommenden Saison in der Dritten Liga spielen wird.

Ob der HSV in der kommenden Saison wieder in der Bundesliga spielt, hängt ganz entscheidend davon ab, welches Gesicht Kittel in den kommenden Wochen zeigt. Gegen Aue zeigte sich einmal mehr, dass der HSV fast immer dann erfolgreich ist, wenn der 29-Jährige einen guten Tag erwischt. Und das hatte er am Dienstagabend. Und so war es auch dem Techniker vorbehalten, kurz vor der Halbzeit für klare Verhältnisse zu sorgen. Einen Freistoß aus 27 Metern zog Kittel mit einer Schussmischung aus Cristiano Ronaldo, Hakan Calhanoglu und Thomas Gravesen auf das Tor. Der Ball war nicht sonderlich platziert, flatterte aber so stark, dass Torhüter Martin Männel den Freistoß durch die Hände rutschen ließ (45.+1).

Anschließend richtete Kittel eine klare Botschaft an seine Kritiker: Schweigen, bitte. Doch selbst Vizepräsident Bernd Wehmeyer äußerte in der Halbzeitpause noch leichte Kritik an Kittels Leistungen der vergangenen Wochen. „Wenn man diese Qualitäten hat, muss man sie auch in schwierigen Situationen abrufen“, sagte Wehmeyer bei Sky.

In der zweiten Halbzeit ließ es dann nicht nur Kittel etwas ruhiger angehen. Von Aue kam nur noch wenig Gegenwehr. Erst in der Schlussphase erhöhte der HSV noch einmal das Tempo – und belohnte sich. Zunächst schloss Moritz Heyer einen schönen Angriff über Jatta und Glatzel mit seinem sechsten Saisontor zum 3:0 ab (75.), dann fasste sich Ludovit Reis nach einem Sololauf ein Herz und traf aus 18 Metern zum Endstand (83.). Der HSV hatte sogar noch etwas für das Torverhältnis getan (+22). Wer weiß, ob das am Ende noch einmal wichtig werden kann.

Schon am Wochenende kann der HSV den Rückstand auf die Spitze weiter verkürzen. Dann spielen die sechs Aufstiegskonkurrenten in drei direkten Duellen gegeneinander. Wirklich helfen wird es dem HSV aber nur, wenn er sein eigenes Spiel in Kiel gewinnt. „Man muss ehrlich sein: Unsere Aufstiegschance ist sehr gering“, sagte Meffert. „Wenn wir in Kiel drei Punkte holen, können wir noch mal schauen, wie es aussieht.“

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