HSV

Grantler Zettel-Dieter ärgert sich über das Gesamtpaket

Sonny Kittel (M.) gehörte in Regensburg zu den wenigen Hamburgern in Normalform. Regensburgs Sebastian Stolze (r.) konnte aber nicht nur dieses spektakuläre Duell gewinnen. Der Jahn-Stürmer traf nach einem Patzer von Daniel Heuer Fernandes zum frühen 1:0 in der ersten Halbzeit.

Sonny Kittel (M.) gehörte in Regensburg zu den wenigen Hamburgern in Normalform. Regensburgs Sebastian Stolze (r.) konnte aber nicht nur dieses spektakuläre Duell gewinnen. Der Jahn-Stürmer traf nach einem Patzer von Daniel Heuer Fernandes zum frühen 1:0 in der ersten Halbzeit.

Foto: Andreas Nickl /Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de / imago images/Eibner

Der HSV spielt beim 2:2 in Regensburg phasenweise so schlecht wie noch nie in dieser Saison. Trainer und Profis analysieren hart.

Regensburg/Hamburg. Auch am Morgen nach dem 2:2 gegen Regensburg wurde Trainer Dieter Hecking im Regen stehen gelassen. Ein zum HSV-Wochenende passender erster Satz, der allerdings nicht ganz richtig ist. Denn eigentlich hatte sich der ohnehin schon völlig durchnässte Hecking nach dem Vormittagstraining selbst in den Regen gestellt, als die Frage aufkam, ob man die obligatorische Interviewrunde am Tag nach dem Spiel angesichts des Starkregens nicht lieber überdacht durchführen lassen wolle. „Nun bin ich ja schon nass“, sagte Hecking – und stand folglich im strömenden Regen Rede und Antwort.

HSV-Profis erwischten keinen guten Tag

Warum seine Mannschaft schon am Tag zuvor vom SSV Jahn Regensburg so nass gemacht worden war, war wahrscheinlich die zentrale Frage. „Wir haben sicherlich nicht unser bestes Spiel gemacht“, gab Hecking am Tag danach unumwunden zu – und suchte nach plausiblen Erklärungen: „Wir haben nicht gut umgeschaltet. Unser zentrales Mittelfeld war gestern nicht aufmerksam.“

Auch Neuzugang Martin Harnik hätte nicht seinen besten Tag erwischt, Mittelfeldmann Jeremy Dudziak auch nicht und Abwehrmann Rick van Drongelen schon gar nicht. Je mehr es regnete, desto mehr nahm sich Hecking seine eigene Mannschaft vor. Adrian Fein? Nicht gut. Aaron Hunt? Auch nicht gut. Der eingewechselte David Kinsombi? Na ja.

Hecking nimmt Heuer Fernandes in Schutz

Und dann war da ja auch noch Torhüter Daniel Heuer Fernandes, der vor dem 0:1 (29.) patzte, dem Hecking aber trotzdem das uneingeschränkte Vertrauen aussprach. Eine Torhüterdiskussion sei unnötig – trotz der misslungenen Faustabwehr. „Das Gegentor allein dem Torwart anzulasten, ist mir zu einfach und zu billig“, grantelte der Coach.

Trotzdem: Das 2:2 in Regensburg sei möglicherweise „ein kleiner Warnschuss“ gewesen, so Hecking, aber: „Den Punkt nehme ich gern mit. In der Vorsaison haben wir gegen den Jahn gar keinen geholt, jetzt haben wir einen. Alles gut.“

HSV-Trainer nimmt zwei Systemwechsel vor

Weil aber zumindest in der ersten Halbzeit, ähnlich wie schon im Auswärtsspiel davor beim FC St. Pauli (0:2), nahezu gar nichts gut war, musste Hecking seine schlampernde Mannschaft in Regensburg zurück in die Spur coachen. Gleich zweimal drehte der Fußballlehrer alles auf links und meinte von draußen, den Fehler im System erkannt zu haben.

Nach 67 Minuten nahm Hecking Dudziak runter, brachte Kinsombi und stellte die 4-3-3-Taktik auf ein klassisches 4-4-2 um. Und der Erfolg sollte nicht lange auf sich warten lassen: Innerhalb von sieben Minuten drehten die Hamburger die schwache Partie, kamen zunächst durch ein Eigentor von Sebastian Nachreiner (72.) zum Ausgleich und kurz darauf durch Hunt sogar zum glücklichen Führungstreffer (75.). Es war zu diesem Zeitpunkt aber vielleicht des Guten zu viel.

Hecking gibt Kapitän Hunt einen Zettel mit

Das sah offenbar Hecking auch selbst so – und entschied sich zu einem weiteren Systemwechsel. Zunächst wechselte er für den am Oberschenkel angeschlagenen Gideon Jung den lange verletzten Timo Letschert ein (79.) und ließ diesen die modifizierten Taktiküberlegungen auf einem kleinen Zettel an Kapitän Hunt überbringen.

Die Anweisung auf dem Papier: Zurück zum 4-3-3. Die Erklärung am Morgen danach: „Regensburg spielte nur noch lange Bälle. Wir haben dann einen dritten Mann vor die Abwehr gezogen“, so Hecking, der aber diesmal für seinen Systemwechsel nicht belohnt werden sollte: „Vor dem 2:2 waren statt drei Mann keiner vor der Abwehr – das war schon ärgerlich.“

HSV vs. Regensburg: Die besten Bilder

HSV-Sportdirektor Mutzel: "Ein wildes Spiel"

Immerhin: Geärgert hat sich nach dem Remis nicht nur der Trainer. Innerhalb der Mannschaft war man sich einig, dass der Anspruch des HSV ein anderer sei. „In der ersten Halbzeit haben wir ein schwaches Spiel gemacht, mit eines unserer schwächsten in dieser frühen Phase“, kritisierte Hunt. Fein und Tim Leibold verglichen den Auftritt mit der bislang einzigen Niederlage im Derby („Es hat ein bisschen an die erste Halbzeit gegen St. Pauli erinnert“).

Sportdirektor Michael Mutzel sprach von einem „wilden Spiel“. Der Unterschied zur vergangenen Saison: Damals endete das wildeste Spiel der Hinrunde mit 0:5 – diesmal konnte unter dem Strich immerhin ein 2:2 vermerkt werden. „Das Gesamtpaket hat nicht gereicht“, kritisierte Hecking, sagte aber: „Selbst wenn wir mal nicht unsere beste Leistung abrufen, sind wir in der Lage, Tore zu machen.“

HSV-Zwischenfazit bleibt positiv

Nach dem ersten Saisonviertel bleibt das Zwischenfazit also positiv. „Wir stehen auf dem zweiten Platz. Das muss man erst mal schaffen“, bilanzierte Fein, der die verlorenen Regensburg-Punkte nun vor der anstehenden Länderspielpause noch am kommenden Sonnabend im Heimspiel gegen Greuther Fürth wieder hereinholen will.

Die Aussichten dann: ein paar Wolken, ein bisschen Sonne, 16 Grad. Und auch für Trainer Hecking am wichtigsten: null Prozent Regenwahrscheinlichkeit.