DFB-Pokal

8:7 nach Elfmeterschießen: Nervenstarker HSV kommt weiter

Kurioser Elfmeter, zwei Mal im Rückstand: Die Mannschaft von Dieter Hecking lieferte sich mit dem Chemnitzer FC einen Pokalfight.

Chemnitz. Es lagen turbulente Tage hinter dem Hamburger SV. Die Causa „Jatta“ stellte das DFB-Pokal-Spiel beim Chemnitzer FC fast schon ein wenig in den Schatten. Trotzdem meisterte die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking am Sonntagabend die schwierige Aufgabe beim Drittligaclub mit 8:7 (0:0, 2:2, 0:0) nach Elfmeterschießen. Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Mittelfeldspieler Adrian Fein. "Elfmeterschießen ist immer eine Sache der Nerven. Aber wir haben Nerven bewiesen. Wichtig ist, dass wir weitergekommen sind", sagte Torhüter Daniel Heuer Fernandes.

Trainer Hecking lobt Ruhe seiner Mannschaft

Auch HSV-Coach Hecking war froh, dass sein Team noch einmal den Kopf aus der Schlinge ziehen konnte. Dabei spielte in seinen Augen vor allem die Geduld eine Rolle. "Ich muss auch meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Es ist immer schwierig, gegen einen tiefstehenden Gegner anzulaufen. Die Jungs haben aber die Ruhe bewahrt und unseren Stil beibehalten. Das war sehr gut", sagte Hecking, der aber auch die Leidenschaft der Chemnitzer anerkannte. "Kompliment an den Chemnitzer FC. Sie haben es heute gut gemacht.“

Jatta spielte unbeeindruckt vom Trouble

Dabei setzte der 54 Jahre alte HSV-Trainer auf Bakery Jatta, der in der Vorwoche deutschlandweit in den Medien stand. Der Profi aus Gambia soll angeblich falsche Angaben bezüglich seines Alters und seines Namens gemacht haben. Beweise gibt es dafür nicht. Deshalb stand es auch nicht zur Debatte, dass Hecking auf den Flügelstürmer verzichtet. Der 21-Jährige wirkte so, als hätte er das Chaos rund um seine Person gut weggesteckt. Gegen Chemnitz zeigte er eine engagierte Leistung, ohne jedoch zu glänzen. "Dieser Verein wird Bakery Jatta nie und nimmer fallenlassen“, so die klare Botschaft von Hecking nach dem Spiel.

Der HSV setzte in Chemnitz auf bewährtes Personal. Lediglich Kapitän Aaron Hunt (Adduktoren) fehlte. Für den Routinier kam David Kinsombi zu seinem ersten Startelfeinsatz. Von Beginn an hatte das Hecking-Team viel Ballbesitzt gegen tiefstehende Chemnitzer. In der achten Minute kamen die Hamburger erstmals zum Abschluss, als Kinsombi eine Flanke von Sonny Kittel über das Tor köpften.

Das Hecking-Team versuchte immer wieder, über die Außenbahnen durchzubrechen, allerdings fehlte häufig die letzte Präzision. Eine Hereingabe von Jatta köpfte Mittelstürmer Lukas Hinterseer über den Kasten.

HSV war gezwungen, geduldig zu sein

Für den HSV entwickelte sich vor 13.130 Zuschauern, darunter 2500 Anhänger aus Hamburg, ein Geduldsspiel ohne große Höhepunkte. Die größte Chance hatte Linksverteidiger Tim Leibold, der nach einer schönen Kombination über Adrian Fein, Jeremy Dudziak und Sonny Kittel nur den rechten Außenpfosten traf (37.) Trotz 66 Prozent Ballbesitz gingen die Hamburger mit einem Remis in die Halbzeit. Das Hecking-Team tat sich schwer, Räume zu finden und Tempo aufzunehmen. So machte man es Chemnitz, die wenig Interesse an Offensivfußball hatten, das Leben zu leicht.

Fragwürdiger Elfmeter bringt HSV in Rückstand

Im zweiten Durchgang verzichtete Hecking zunächst auf Wechsel. Der HSV agierte geduldig und hatte durch Kinsombi (52.) die Chance zur Führung, doch der Ex-Kieler schoss knapp über das Tor. Und so kam es, wie es kommen musste. Die offensiv harmlosen Chemnitzer erhielten Hilfte vom Schiedsrichter. HSV-Kapitän Rick van Drongelen bekam einen Schuss von Tarsis Bonga in die Rippen. Der Unparteiische Robert Kampka entschied in der 57. Minute zur Überraschung aller auf Handelfmeter. Der Niederländer zeigte noch den roten Ballabdruck auf seinen Rippen. Doch Kampka blieb bei seiner Meinung.

Die HSV-Spieler in der Einzelkritik

Dejan Bozic verwandelte ohne Mühe zur schmeichelhaften Führung."Es war heute wichtig, dass wir ruhig geblieben sind und unseren Matchplan weiter verfolgt haben. Wir haben uns von den Rückständen nicht verrückt machen lassen. Am Ende ist es wichtig, dass wir weiterkommen", sagte van Drongelen.

Hinterseer trifft und verursacht ein Gegentor

Der HSV reagierte mit wütenden Angriffen. In der 61. Minute verwandelte Hinterseer eine schöne Vorlage von Fein zum verdienten Ausgleich. Für den Österreicher war es der erste Pflichtspieltreffer im Hamburger Trikot. Doch innerhalb von sieben Minuten wurde Hinterseer vom Helden zum Deppen. Nach einer Ecke verlor der Stürmer CFC-Profi Matti Langer aus den Augen, der ungehindert einköpfen könnte. Das Hecking-Team ließ sich aber nicht unterkriegen, zeigte erneut Moral. Mit einem Traum-Freistoß aus 17 Metern konnte der HSV in der 75. Minute durch Kittel erneut ausgleichen. Der ehemalige Ingolstädter hatte schon beim 4:0 am vergangenen Montag per Freistoß getroffen.

Leidenschaftlicher Pokalfight: Abnutzungskampf in Chemnitz

Es entwickelte sich ein packender Pokalfight, bei dem sich die HSV-Chancen häuften. Der Kopfball des eingewechselten Khaled Narey wurde auf der Linie geklärt (80.). Die leidenschaftlich kämpfenden Chemnitzer stemmten sich mit allem, was sie hatten, gegen die Niederlage. Nach einem Foul an Leibold hätte Schiedsrichter Kampka auf den Elfmeterpunkt zeigen könnten. Aber er tat es nicht.

Und so ging die Partie in der Verlängerung, in der die Hamburger weiter nach Belieben dominierten. Allein die Großchancen fehlten. Nareys Weitschuss nach einem Kittel-Freistoß strich knapp am Tor vorbei (98.). In der 100. Minute feierte Toptalent Xavier Amaechi sein HSV-Debüt. Der Engländer kam für Kinsombi in die Partie und sollte noch einmal für neue Impulse sorgen.

Mittelfeldspieler Fein entscheidet Elfmeterschießen

Amaechi und der HSV taten sich aber weiter schwer, gegen die tief stehenden Ostdeutschen Räume zu finden. So mussten sich die Hamburger zwangsläufig auf einen Abnutzungskampf einlassen. Der eingewechselte Jairo hatte in der 120. Minute mit einem Fernschuss die größte Chance.

Eine Entscheidung fiel aber erst im Elfmeterschießen. Für die Hamburger trafen Kittel und Hinterseer, ehe Narey seinen Strafstoß nicht im Tor unterbringen konnte. Ex-St.-Pauli-Profi Clemens Schoppenhauer verschoss für Chemnitz genau wie Sören Reddemann. Manuel Wintzheimer, Jairo, van Drongelen und letztlich Fein sorgten für den Sieg im Elfmeterschießen. „Die Mannschaft ist einfach geil auf Siege und wir wollten unbedingt weiterkommen. Im Elfmeterschießen war es gut für mich, dass der Schütze vor mir verschossen hat“, erklärte Fein.