HSV vs. Chemnitz

Steinmann: „Die Berichte über Frahn haben mich verwundert“

Matti Steinmann und Daniel Frahn (l.) verstanden sich immer gut.

Matti Steinmann und Daniel Frahn (l.) verstanden sich immer gut.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Picture Point

Matti Steinmann spricht vor dem HSV-Spiel in Chemnitz über seine Ex-Clubs, Jatta und seinen Wellington-Wechsel.

Hamburg..  Die Schlagzeilen über den HSV und den Chemnitzer FC verfolgte Matti Steinmann in dieser Woche aus 18.247 Kilometern Luftlinie Entfernung. Der langjährige HSV-Spieler war bereits vor einigen Tagen in die neuseeländische Hauptstadt Wellington geflogen. Dort unterschrieb Steinmann am Freitag einen Einjahresvertrag beim Club Wellington Phoenix, der im Oktober in der australischen A-League in die neue Saison startet. „Als das Angebot kam, wusste ich sofort, dass ich diese Herausforderung annehmen möchte.“

Am Sonntag geht Steinmanns Blick aber noch einmal zum HSV. Genauer gesagt zum Chemnitzer FC, bei dem die Hamburger in der ersten DFB-Pokalrunde antreten. Steinmann wird diese Partie auf seinem Laptop mit besonderem Interesse verfolgen. Schließlich spielte der Mittelfeldmann nicht nur acht Jahre lang für den HSV, sondern in der Saison 2015/16 auch ein Jahr lang für Chemnitz in der Dritten Liga. „Es war eine spannende Zeit mit vielen Aufs und Abs“, sagte Steinmann am Freitag dem Abendblatt. „Ich habe mich im Verein und in der Stadt sehr wohlgefühlt“, so Steinmann, der im Stadtteil Kassberg wohnte und nebenbei an der TU Chemnitz Wirtschaftsingenieurwesen studierte.

Steinmann teilte sich mit Frahn ein Hotelzimmer

Einen besonderen Draht hatte Steinmann in dieser Zeit zu Daniel Frahn. Mit dem Stürmer, der in dieser Woche aufgrund der Nähe zu einer rechten Fangruppe aus dem Verein ausgeschlossen wurde, teilte sich der 24-Jährige auf Auswärtsfahrten ein Hotelzimmer. „Über die Berichte habe ich mich sehr gewundert. Ich habe Daniel als super Typen kennengelernt und kann die Vorwürfe kaum glauben.“ Frahn selbst ließ ankündigen, gegen den Rauswurf zu klagen.

Am vergangenen Sonnabend wurde der 32-Jährige im Fanblock an der Seite der rechtsgesinnten Gruppierung „Kaotic Chemnitz“ beobachtet. In der Kurve wurde unter anderem ein Plakat mit Insolvenzverwalter Klaus Siemon im Fadenkreuz ausgerollt. Hintergrund: Durch die Insolvenz des Vereins könnte auch die Fußballabteilung vor dem Aus stehen. Die Anhänger haben für Sonntag einen Fanmarsch durch die Stadt bis zum Stadion angekündigt. Motto: „Tot sind wir noch lange nicht!“

Steinmann hofft, dass in Chemnitz alles friedlich bleibt

Der HSV ist auf eine angespannte Atmosphäre vorbereitet. „Natürlich weiß man vorher nicht zu 100 Prozent, was in so einem Spiel alles passieren kann. Aber nach unseren Gesprächen gibt es vorab keinen Anlass für größere Sorgen für HSV-Fans“, sagte Cornelius Göbel, Leiter der Fanbetreuung, dem Abendblatt. „Man darf als Außenstehender nicht in die Falle tappen und ganz Chemnitz verurteilen. Mein Eindruck ist, dass es einen konsequenten Wandel im Verein gegeben hat und dass sehr überzeugend gegen rechte Fangruppierungen vorgegangen wird. Das ist ein unheimlich schwerer Prozess, der Jahre dauern wird“, so Göbel, der den FC für das Vorgehen in dieser Woche lobt. „Der Druck aus dem rechten Milieu war in den vergangenen Jahren extrem groß auf den FC Chemnitz. Umso beeindruckender empfinde ich es, wie der Club versucht, nun konsequent dagegen vorzugehen.“

Matti Steinmann hofft derweil in Wellington, dass am Sonntag in Chemnitz alles friedlich bleibt und vor allem sein ehemaliger Teamkollege Bakery Jatta vernünftig empfangen wird. „Die Hetzjagd, die er gerade erleben muss, ist für ihn ganz schlimm“, sagte Steinmann. „Umso wichtiger ist es daher, dass er einen so großen Rückhalt vom HSV erfährt.“ Genauso sieht es auch Cornelius Göbel. „Als Fanbeauftragter hat es mich schon sehr stolz gemacht, mit welcher Sensibilität ein Großteil unserer Anhänger Bakery Jatta unterstützt. In der heutigen Zeit scheint es vielen leider immer schwieriger zu fallen, zu differenzieren.“ Ein Satz, der sowohl für den Fall Jatta, als auch den Fall Chemnitz gilt.