Zweite Bundesliga

Gehen? Gehen lassen? Die Lasogga-Debatte beim HSV

Pierre-Michel Lasogga
wird in den kommenden
Wochen entscheiden
müssen, ob er auch über
die Saison hinaus beim
HSV bleiben will.

Pierre-Michel Lasogga wird in den kommenden Wochen entscheiden müssen, ob er auch über die Saison hinaus beim HSV bleiben will.

Foto: Witters

Der Derby-Matchwinner wurde nach dem 4:0 bei St. Pauli von Fans und Teamkollegen gefeiert. Doch wie geht es im Sommer weiter?

Hamburg. Auf den großen Rausch folgte die große Ruhe. Im und um das Volksparkstadion herum war am Montag verdächtig wenig los. Kein Spieler, kein Trainer und auch kaum ein Fan war an der Arena zu sehen. Und das am Tag nach dem historischen 4:0-Sieg des HSV im Stadtderby beim FC St. Pauli, dem ersten Sieg am Millerntor seit 1962.

Schuld daran war vor allem einer, der seiner Mannschaft am Sonntag mit zwei Toren einen freien Montag beschert hatte: Pierre-Michel Lasogga. Der Mittelstürmer sicherte sich mit seinem Doppelpack einen festen Platz in der Derby-Historie und wurde noch spät am Abend von seinen Kollegen gefeiert, als die Mannschaft im Zwick den Derbysieg ausgelassen begießen durfte.

Die beiden Tore zum 1:0 und 3:0, sein Jubellauf über den gesamten Platz, das Video über die Kabinenparty mit dem Matchwinner im Mittelpunkt – all das waren Themen, die auch die HSV-Fans am Montag am Arbeitsplatz besprachen. Und natürlich tauchte dabei auch immer die Frage auf: Wie geht es eigentlich nach der Saison mit Lasogga weiter? Bleibt der mit zwölf Toren treffsicherste Angreifer der Hamburger auch über sein Vertragsende im Sommer hinaus beim HSV? Wird der Club ihm überhaupt ein neues Angebot unterbreiten? Und wenn ja, wird Lasogga das Angebot annehmen oder sich einen neuen Verein suchen?

Sportchef Becker reagierte gelassen und genervt

Ralf Becker hat eine klare Haltung, wenn es um die Personalie Pierre-Michel Lasogga geht. Als das Abendblatt den Sportvorstand des HSV am Montag auf die Vertragslage des 27-Jährigen ansprach, reagierte er in einer Mischung aus gelassen und genervt. „Gestern haben ganz viele Spieler einen richtig guten Job gemacht, nicht nur Pierre“, sagte Becker, der mit der Gesamtperformance der Mannschaft am Millerntor sehr zufrieden war. Trotzdem weiß der Sportchef natürlich, dass die Fragen nach jedem weiteren Lasogga-Tor kommen werden. Beckers stete Antwort: „Wir gehen das Thema in aller Ruhe an. Das habe ich mit Pierre auch so kommuniziert.“

Brisantes Hamburger Derby

Klar kommuniziert hat Becker auch, dass der HSV künftig eine Gehaltsobergrenze einführen wird. Kein Spieler soll bei einer Rückkehr in die Bundesliga mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr verdienen. Bei einem Verbleib in der Zweiten Liga würde die Grenze bei einer Million Euro liegen. Weil der HSV aber damit rechnen muss, alleine für Kyriakos Papadopoulos und Rückkehrer Bobby Wood jeweils mehr als drei Millionen Euro zu zahlen, werden die Vertragsangebote für Lasogga und Co. deutlich geringer ausfallen. Dass der HSV dem Stürmer ein Angebot machen wird, gilt als wahrscheinlich.

3,4 Millionen Euro Grundgehalt

Bereits im Januar hatte sich Becker im Trainingslager mit dem Belgier Didier Frenay, der Lasogga gemeinsam mit Mutter Kerstin berät, zusammengesetzt. Das nächste Gespräch soll nach der Länderspielpause stattfinden. „Wir werden uns Ende März, Anfang April noch einmal mit Pierre zusammensetzen“, sagt Becker. „Es besteht derzeit keine Eile. Für uns geht es darum, uns alle gemeinsam auf das große Ziel zu fokussieren. Es kann sein, dass es erst nach der Saison eine Entscheidung gibt.“

Lasogga verdient selbst in der Zweiten Liga noch 3,4 Millionen Euro Grundgehalt plus Prämien und bindet damit rund zehn Prozent des Mannschaftsetats. Wie wichtig er für den sportlichen Erfolg des HSV in dieser Saison ist, zeigte er nun aber wieder mit seinem Doppelpack. Es war schon das vierte Mal, dass Lasogga in dieser Spielzeit mehrfach traf. Becker hatte ein gutes Gespür, als er im August sagte: „Ich bin davon überzeugt, Pierre schießt in dieser Saison 15 Tore.“ Der Sportchef ist einer der wenigen Verantwortlichen beim HSV in den vergangenen Jahren, der Lasogga das Vertrauen schenkt. „Pierre tut es gut, dass er das Gefühl hat, gebraucht zu werden. Er ist ein Strafraumstürmer, der seine Qualitäten auch in der Bundesliga schon nachgewiesen hat.“

Seine Qualitäten sind umstritten

Doch die Debatte um die Qualitäten des Torjägers insbesondere in der Ersten Liga sind umstritten. Sollte der HSV in der kommenden Saison wieder in der Bundesliga spielen, wird er wieder verstärkt als Außenseiter in die Spiele gehen. Das Spieltempo ist höher, der HSV wird vermehrt auf das Konterspiel setzen müssen. Ob Lasogga als Strafraumstürmer für den HSV dann noch einen ähnlichen Wert hat wie jetzt in der Zweiten Liga, ist ein Streitthema.

Im Video: Pauli-Fans singen HSV-Song:

Uwe Seeler, der erfolgreichste Tor­jäger der HSV-Geschichte, hat zu Zweitliga-Stürmer Lasogga eine klare Meinung. „Wir brauchen Pierre dringend, weil er erstens vorne, auch wenn er mal kein Tor schießt, immer für Druck sorgt. Das ist wichtig“, sagte Seeler am Montag dem Abendblatt. „Dazu macht er zweitens ab und zu entscheidende Tore. Auch nicht unwichtig, wie wir jetzt wieder gesehen haben. Und wir sind ja mit Stürmern nicht so reichlich bedient.“

Frage der finanziellen Machbarkeit

Seeler war am Sonntag am Millerntor dabei, als Lasogga seinen HSV zum Sieg führte. Der frühere Strafraumstürmer mag den aktuellen Strafraumstürmer. Bei der Frage, ob Seeler Lasogga auch bei einem Wiederaufstieg halten würde, antwortet der 82-Jährige aber zurückhaltend. „Na gut, da wird es für ihn schwieriger und auch für den HSV. Da müssten wir, wenn wir wirklich aufsteigen sollten, im Sturm noch ein bisschen was tun, um da bestehen zu können.“

Ein neuer Vertrag für Lasogga sei vor allem eine Frage der finanziellen Machbarkeit. „Er ist ja nicht preiswert. Auf der anderen Seite sind Stürmer Mangelware. Wenn du keinen Ersatz kriegst, würde ich sehr vorsichtig sein und ihn versuchen zu halten, sonst hätten wir ja gar keinen Angreifer mehr. Aber wenn kein Geld dafür da ist“, sagt Seeler.

„Im Moment ist noch alles offen“

Lasogga selbst lässt seine Zukunft weiterhin offen. „Es gibt Gespräche. Aber im Moment ist noch alles offen, und ich fokussiere mich voll und ganz auf das gemeinsame Ziel Aufstieg“, sagte er vor Kurzem im NDR-„Sportclub“. Dass er sich eine Zukunft beim HSV vorstellen kann, ließ Lasogga nach dem Derbysieg erneut durchblicken. „Ich identifiziere mich mit dem HSV bis auf das Letzte.“

Derby FC St. Pauli vs. HSV – die Statistik:

Bis zum letzten Spieltag am 19. Mai kann allerdings noch viel passieren. Womöglich entscheidet sich erst im abschließenden Spiel gegen Duisburg, wo die Reise für den HSV und Lasogga hingeht. „Erst einmal müssen sie es wirklich schaffen, festlegen würde ich mich noch nicht“, sagt Seeler. „Wenn sie allerdings immer so auftreten wie gegen St. Pauli, dann glaube ich, dass sie es schaffen.“