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Wolf grinst schon: Wo Dudziak beim HSV spielen könnte

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St. Paulianer zum HSV? Holtby und Jatta fliegen aus der Derby-Startelf. Anti-Gewalt-Appell von Wolf. Becker kontert Göttlich-Stichelei.

Verfolgt Holtby das Derby von der Bank?

Nach zuletzt wenig überzeugenden Auftritten seiner Mannschaft überlegt Hannes Wolf die Anfangsformation zu verändern. Wie schon am Donnerstag verzichtete der HSV-Coach auch am Freitag auf Lewis Holtby im vermeintlichen A-Team. Stattdessen bildete erneut der defensiv stärkere Vasilije Janjicic die Doppel-Sechs an der Seite von Orel Mangala.

Zudem verdichtete sich der Eindruck, dass Bakery Jatta, der zuletzt überspielt wirkte, seinen Stammplatz verlieren könnte. Diesmal testete Wolf Berkay Özcan auf Linksaußen, am Donnerstag durfte sich Tatsuya Ito auf dieser Position bewähren. Khaled Narey rückt wieder von rechts hinten nach rechts vorne.

Holt der HSV Dudziak vom FC St. Pauli?

Will sich der HSV im Sommer mit einem Spieler vom Stadtrivalen FC St. Pauli verstärken? Laut der "Bild" soll sich der Tabellenzweite der Zweiten Liga mit einem Transfer von Jeremy Dudziak beschäftigen. Der flexibel einsetzbare Außenverteidiger passt perfekt ins Anforderungsprofil von Sportvorstand Ralf Becker: er ist mit 23 Jahren noch jung, talentiert, technisch versiert und ablösefrei. Denn erst am Dienstag teilte der ehemalige Juniorennationalspieler dem Kiezclub mit, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Weil er bereits mit dem HSV in Kontakt steht?

Beim Club aus dem Volkspark genießt Dudziak vor allem bei Trainer Hannes Wolf eine hohe Wertschätzung. Beide kennen sich noch aus gemeinsamen Zeiten in der Dortmunder Jugend (U17). Ist der HSV-Coach deshalb der entscheidende Trumpf im Poker um Dudziak?

HSV-Trainer Wolf muss beim Thema Dudziak schmunzeln

Angesprochen auf das Thema konnte sich Wolf das Grinsen nicht verkneifen – ein vielsagendes Schmunzeln? „Er ist ein guter Spieler, ich kenne ihn schon ein paar Jahre, will jetzt aber nicht über einzelne Spieler vom Gegner sprechen", sagte der gebürtige Bochumer.

Sein Kollege beim Stadtrivalen, Markus Kauczinski, reagierte ebenfalls entspannt auf das Gerücht. „Alles ist im Bereich des Möglichen und legitim, dass er sich sportlich verändern will", sagte der 49-Jährige, der noch persönlich mit Dudziak über den sich anbahnenden Wechsel sprechen will. "Ob eine Entscheidung über seine Zukunft schon gefallen ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass er bis zum letzten Tag für uns alles geben wird.“

Wo könnte Dudziak beim HSV spielen?

Bei St. Pauli wurde Linksfuß Dudziak zuletzt überwiegend als Rechtsverteidiger eingesetzt. Neben beiden Außenverteidiger-Positionen spielte er aber auch schon alle Positionen im Mittelfeld sowie im Sturm. Da der HSV mit Gotoku Sakai und Sommer-Neuzugang Jan Gyamerah (kommt ablösefrei aus Bochum) bereits zwei Rechtsverteidiger für die kommende Saison eingeplant hat, könnte Dudziak zunächst als Backup für Linksverteidiger Douglas Santos verpflichtet werden. Einen denkbaren Wechsel des Brasilianers könnten die Hamburger dann leichter auffangen.

Dudziak selber sieht seine Zukunft dagegen in der Mittelfeldzentrale, als Abräumer oder auf der Acht. Auf der Sechs könnte er Nachfolger von Leih-Profi Orel Mangala werden, der nach der Saison zurück nach Stuttgart muss.

Beim HSV würde Dudziak auf seinen Kumpel Khaled Narey treffen, mit dem er einst bei Dortmund zusammenspielte. Beide Profis haben mit Omar Afkir zudem denselben Berater. Wolf und Narey sind bei Weitem nicht die einzigen Kontakte, die Dudziak zum HSV pflegt. Seine Verbindung zum Stadtrivalen ist groß. Mit Gideon Jung und Orel Mangala besuchte er in der vergangenen Woche ein Konzert von US-Rapper Post Malone in der Barclaycard Arena.

Besonders pikant an dieser Konstellation ist, dass beide Mannschaften am Sonntag (13.30 Uhr/Sky und im Abendblatt-Liveticker) aufeinandertreffen. Wie reagieren St. Paulis Fans im Millerntor-Stadion auf Dudziaks Flirt mit dem großen Rivalen?

Kauczinski: Wir können den HSV schlagen!

Auch wenn St. Paulis Trainer Markus Kauczinski den HSV "fußballerisch im Vorteil" sieht, rechnet er sich einiges aus für das Derby am Sonntag. „Wir haben gezeigt, dass wir für jeden Gegner gefährlich sind. Auch wir haben unsere Waffen, wir sind in der Lage zu gewinnen“, sagte der Coach selbstbewusst.

Nach der trostlosen Nullnummer im Hinspiel erwartet Kauczinski nun "eine große Party", bei der er sein Team vor allem in der Verteidigungsrolle sieht. "Es wird ein mitreißendes Fußballspiel, ein heißer Schlagabtausch“, sagte der Trainer. Der Respekt vor dem HSV ist derweil groß. Kauczinski: "Uns erwartet ein harter Gang gegen ein ballsicheres Team mit disziplinierten und schnellen Leuten."

St.-Pauli-Coach: "Sind in der Lage gegen HSV zu gewinnen!“

Anti-Gewalt-Appell von Wolf

Die Polizei rechnet mit 1100 gewaltbereiten Fans beim Stadtderby und bereitet sich mit rund 1800 Beamten auf den Einsatz vor. Bislang gilt aber festzuhalten, dass es deutlich weniger Vorfälle gab als zum selben Zeitpunkt vor dem Hinspiel. HSV-Trainer Wolf hofft derweil, dass die Stimmung friedlich bleibt.

„Solange es über die Stimmung läuft, mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Rivalität sowie Ausleben von Aggression gehört dazu. Es soll aber friedlich sein und nicht in irgendeiner Form in Gewalt umschlagen", sagte der Coach. "Körperliche Gewalt ist immer falsch – besonders sonntags um 13 Uhr. Daran möchte ich appellieren.“

Anti-Gewalt-Appell von HSV-Trainer Wolf vor dem Stadtderby

Pollersbeck scheint fit zu werden

Vorsichtiges Aufatmen beim HSV: Stammtorwart Julian Pollersbeck (Zerrung im Adduktorenbereich) scheint grünes Licht für einen Derby-Einsatz geben zu können. Der U-21-Europameister kehrte am Freitagnachmittag wieder auf den Platz zurück und hinterließ dabei schon einen guten Eindruck. „Es ist noch nicht klar, ob er spielen kann", sagte HSV-Coach Wolf vor der Einheit.

Sollte Pollersbeck auch beim öffentlichen Abschlusstraining am Sonnabend (13.30 Uhr) voll mitwirken können, wäre dies gleichbedeutend mit einem Einsatz für das Stadtderby. Falls die Verletzung wieder aufbricht, hätte Wolf aber auch keine Bauchschmerzen, die Nummer zwei Tom Mickel ins Tor zu stellen. „Wir haben mit Tom einen sehr guten Ersatzmann, der gegen Fürth gut gehalten und zu Null gespielt hat.“

St. Pauli lädt Uwe Seeler ein

Schöne Geste des FC St. Pauli: Der Kiezclub hat die Derbysieger von 2011 am Sonntag ins Millerntor-Stadion eingeladen. Auch HSV-Idol Uwe Seeler hat eine Einladung erhalten.

Wolfs Spezialplan für Alex Meier

Er trifft durchschnittlich alle 445 Minuten. Seit seiner Rückkehr zum FC St. Pauli hat Alex Meier in sechs Spielen fünf Tore erzielt. Im Sommer war der vereinslose Angreifer dem HSV angeboten worden, doch der Verein aus dem Volkspark lehnte ab. Im Winter schlug der Kiezclub zu – und scheint damit einen echten Volltreffer gelandet zu haben.

Auch Hannes Wolf hat großen Respekt vor dem 36 Jahre alten Strafraumstürmer. Deshalb hat er bereits einen Spezialplan entwickelt, wie Meier am Sonntag torlos bleiben soll. „Seine Fähigkeiten bei Standards sind eindeutig, aber auch in anderen Situationen ist er gefährlich. Wir versuchen ihn möglichst aus dem Spiel zu nehmen", sagte der HSV-Trainer.

Auf der Gegenseite soll Pierre-Michel Lasogga, der zuletzt einige gute Chancen ausließ, für Torgefahr sorgen. „Er ist in einer körperlich sehr guten Verfassung. Er hat zuletzt ein paar Chancen vergeben, was ihm normalerweise nicht passiert", sprach Wolf seinem Angreifer Mut zu. "Wir versuchen, ihn am Sonntag in Position zu bringen. Das Quäntchen Glück braucht auch ein sehr guter Abschlussspieler.“

Wolf: "Es wäre Zeit für den Derbysieg"

Hannes Wolf war die Lust auf sein erstes Stadtderby anzusehen. Mit konzentriertem und entschlossenem Gesichtsausdruck antwortete er auf die Fragen der Medienvertreter, die sich mit 30 Mann und acht Kamerateams – darunter sogar der NDR und die ARD gemeinsam – aufstellten. „Es wird ein ganz enges, ein heißes Ding auf Augenhöhe", lautet Wolfs Prognose für das Spiel, auf das alle Hamburger Fußballfans hinfiebern. „Es ist schon besonders, das merkt man schon in der Stadt.“

2486 HSV-Fans werden ihre Mannschaft im Gästeblock des mit 29.226 Zuschauern prall gefüllten Millerntor-Stadions unterstützen. „Der Hexenkessel spricht nicht gegen uns", meint Wolf, der nach zuletzt dürftigen Auftritten seiner Mannschaft vor allem wieder kämpferische Attribute sehen will. „Wir brauchen Mentalität, Kampf, Körperlichkeit und ein gutes Spiel. Das alles wollen wir zu Energie formen. Wir müssen wirklich einen riesen Fight liefern, wollen aber auch spielerische Lösungen finden.“

Wolfs Abschlusssatz, bei dem er selber viel Energie ausstrahlte: „Eine ganze Generation von HSV-Fans hat noch keinen Derbysieg erlebt. Es wäre Zeit!“

Kommt Beiersdorfer in der Bundesliga unter?

Beim HSV warf er mit Geld um sich, nun könnte er bei seinem nächsten Job deutlich kleinere Brötchen backen: Dem Vernehmen nach soll Ex-HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer als Nachfolger für den geschassten Sportvorstand Andreas Bornemann beim 1. FC Nürnberg im Gespräch sein. Auf Nachfrage wollte Beiersdorfer das Interesse des "Clubs" nicht dementieren. "Ich kann und will dieses Gerücht nicht kommentieren", sagte er der "Bild". Pikant: Auch HSV-Kaderplaner Johannes Spors galt zwischenzeitlich als Kandidat in Nürnberg – doch dann flammte das Interesse ab.

Becker kontert Göttlich: "Eine Frechheit"

Der erste Streit vor dem Derby ist offiziell: Nach der Stichelei von St. Paulis Präsident Oke Göttlich ("HSV muss die Quittung bekommen!") gegen den Stadtrivalen hat nun HSV-Sportvorstand Ralf Becker reagiert. "Solche Aussagen sind nicht zu tolerieren. Das ist eine Frechheit", sagte er der "Bild". "Wir haben bisher immer einen respektvollen Umgang gepflegt. Ich verstehe nicht, warum man das jetzt macht. Das passt nicht."

Göttlich hatte sich am Mittwoch über die jahrelange Misswirtschaft beim HSV echauffiert. "Wenn der Fußballgott gerecht ist, dann gewinnt der FC St. Pauli und steigt auch vor dem HSV auf, weil man irgendwann auch mal die Quittung bekommen muss für das, was alles schiefgelaufen ist in den letzten Jahren", sagte der Musikunternehmer.