HSV gegen Mainz

0:0 – HSV tritt im Abstiegskampf auf der Stelle

Kostic vergibt Elfmeter, Gäste 30 Minuten in Unterzahl. Ultras kapern den Oberrang. Wasserwerfer positionieren sich.

Hamburg. Anschluss an den Relegationsplatz oder gefühlter Abstieg? Im vorgezogenen Abstiegs-Endspiel der Fußball-Bundesliga geht es für den HSV heute gegen den 1. FSV Mainz 05 um mehr als nur drei Punkte. Verliert die Mannschaft von Trainer Bernd Hollerbach, würde der Abstand auf Mainz auf zehn Punkte anwachsen. Platz 16 wäre dann, je nachdem wie der VfL Wolfsburg im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen abschneidet, mindestens acht Punkte entfernt.

Schipplock überraschend in der Startelf

Das Sechs-Punkte-Spiel geht Hollerbach mit einer überraschenden Personalie im Sturm an: Nachdem am Freitag Bobby Wood aus dem Kader gestrichen wurde, darf nun erstmals seit dem 4. Spieltag (0:2 in Hannover) Sven Schipplock wieder von Beginn an stürmen. André Hahn fliegt dagegen im Vergleich zum Nordderby in der Vorwoche aus der Startelf. Fiete Arp nimmt ebenfalls auf der Auswechselbank Platz. Schipplocks Nominierung begründete Hollerbach mit guten Trainingsleistungen. "Er hat im Strafraum die Qualität, die wir sonst nicht haben. Er kann die Bälle mit dem Rücken zum Tor festmachen", sagte er bei Sky über die Sturmspitze, die in 29 Bundesligaspielen für den HSV noch immer auf das erste Tor wartet.

Mainzer Torhüter gibt Bundesliga-Debüt

Ansonsten schickt Hollerbach dieselbe Mannschaft wie bei der Niederlage in Bremen auf den Platz, darunter also erneut auch Bakery Jatta. Bei Mainz kommt indes ein Torhüter zu seinem Profi-Debüt: Der 20 Jahre alte Regionalliga-Keeper Florian Müller muss zwischen die Pfosten, da René Adler erkrankt ebenso zuhause geblieben ist wie dessen verletzter Stellvertreter Robin Zentner (Oberschenkel). "Das hat er sich absolut verdient. Für ihn ist es ein geiles Gefühl, im Volksparkstadion sein Bundesliga-Debüt zu gaben", sagte FSV-Trainer Sandro Schwarz unmittelbar vor dem Anpfiff bei "Sky". Ersatztorhüter ist heute der erst 19-jährige Finn Dahmen. Ex-HSV-Profi Nigel de Jong sitzt ebenfalls auf der Bank. Uwe Seelers Enkel Levin Öztunali steht nicht im Kader.

Wasserwerfer am Volksparkstadion

Das Duell im Volksparkstadion wurde vom Verein nach den jüngsten Vorkommnissen gegen Leverkusen (Droh-Plakat) und in Bremen (Pyro-Eklat) zum Sicherheitsspiel deklariert. Bedeutet: Kein Alkoholausschank und doppelt so hohe Zäune vor dem Hamburger Fanblock. Außerdem hat sich die Polizei bereits mit Wasserwerfern und berittenen Beamten positioniert, um auf mögliche Ausschreitungen reagieren zu können.

Ultras kapern den Oberrang

Entsprechende Aktionen haben gewaltbereite Fans für den Fall einer Niederlage nach Abendblatt-Informationen bereits geplant. "Wir sind auf alles vorbereitet", sagt HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Und Hollerbach sagte: "Wasserwerfer sind das falsche Signal, aber mir ist es nicht mulmig." Vor dem Anpfiff zogen die Ultras kurzerhand aus dem angestammten Block in den Oberrang um. Durch die Protestaktion gegen die Zaunerhöhung konnten die rechtmäßigen Inhaber nicht auf ihre Sitzplätze. An den neuen HSV-Präsidenten Bernd Hoffmann sandten sie außerdem per Banner eine vielsagende Botschaft in Bezug auf dessen Wahlkampfspruch: "Bremen aufmischen? Kein Ding, Berni!"

Wenige Stunden vor dem Anpfiff kritisierte Frank Rost die Maßnahmen des HSV. "Ich halte nichts von Sippenhaft, nur weil ein paar Leute am Kabel drehen", sagte der ehemalige HSV-Torhüter bei "Sky". Im Umkehrschluss dürfte dann auch kein Hamburger Profi mehr Auto fahren, sagte der 44-Jährige in Anspielung auf die Alkoholfahrt von Jungprofi Vasilije Janjicic. Die Einschränkungen für die Fans seien ein "gerne genommenes Mittel, um abzulenken von den richtigen Problemen, die der HSV hat".

Während das Augenmerk also nicht nur auf dem Geschehen auf dem Rasen liegt, sondern auch auf dem auf den Rängen, wird es in der Gästekurve leerer als angenommen. Da ein Sonderzug mit Mainzer Fans kurzfristig ausfiel, werden sich im Block des Gegner nur etwa 500 der ursprünglich 1300 angekündigten Anhänger einfinden.