2:5-Blamage

HSV-Trainer Gisdol: "Die Saison ist reiner Existenzkampf"

Matz ab nach der 2:5-Niederlage gegen Dortmund

Die Fans verstehen die Strategie des HSV immer weniger. Nach der Heimniederlage sind Fan und Sänger HSV-Elvis und HSV-Fotograf Norbert Gettschat zu Gast bei Marcus Scholz.

Video: abendblatt.tv
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Borussia Dortmunds Aubameyang war nicht aufzuhalten. Uwe Seeler zeigt sich enttäuscht. Markus Gisdol bittet die Fans um Rückhalt.

Hamburg. Pierre-Emerick Aubameyang hat HSV-Ikone Uwe Seeler den 80. Geburtstag gründlich verdorben. Der zuletzt suspendierte Stürmer von Borussia Dortmund ebnete seinem Team mit einem Viererpack den Weg zum 5:2 (3:0)-Kantersieg im Volksparkstadion. Der HSV bleibt nach der vierten Liga-Niederlage im fünften Spiel unter Trainer Markus Gisdol Tabellenletzter und zeigte vor Seelers Augen eine desolate Vorstellung.

Zumindest schoss Nicolai Müller in der 55. Minute das erste Tor für den HSV unter Trainer Gisdol und beendete damit die längste torlose Phase der Klubgeschichte nach 737 Spielminuten. In der 81. Minute legte Müller noch einmal nach. Doch der HSV wartet weiter auf den ersten Saisonsieg und festigt den letzten Tabellenplatz. Zehn Spiele ohne Sieg zu Beginn einer Saison sind ein Novum für den Klub.

Gisdol spricht von "Existenzkampf"

Der Trainer räumte die Blamage seines Teams im Volkspark ein. "Es ist schwer für uns, nach so einem Spiel die richtigen Worte zu finden. Wir sind über unseren Start in dieses Spiel sehr verärgert, weil wir so viele individuelle Fehler gemacht haben, die uns das Genick gebrochen haben. Das ist verdammt unglücklich für die gesamte Mannschaft", sagte er und betonte den Ernst der Lage: "Die Träumerei muss aufhören."

Er habe Verständnis für die Pfiffe. "Aber es hilft in unserer schweren Situation nichts, wenn die Mannschaft ausgepfiffen wird oder negative Reaktionen kommen. Wir müssen uns alle darüber klar werden, dass die ganze Saison reiner Existenzkampf ist - vielleicht bis zum letzten Tag", mahnt Gisdol. "Dafür brauchen wir totale Unterstützung und Rückhalt."

57.000 Uwe Seelers im Volkspark

Vor der Partie war die Stimmung im mit 57.000 Zuschauern ausverkauften Volksparkstadion noch gut, Zehntausende setzten zu Ehren der HSV-Legende Uwe Seeler-Masken auf. Zudem wurde die Ikone mit „Happy Birthday“-Gesängen empfangen und von Klubchef Dietmar Beiersdorfer gemeinsam mit DFB-Präsident Reinhard Grindel und DFL-Chef Reinhard Rauball geehrt. Seeler zeigte sich nach dem Spiel jedoch herb enttäuscht.

HSV-Coach Gisdol überraschte in der defensiven Startaufstellung mit drei Innenverteidigern und der Herausnahme von Filip Kostic. Nach Rückenschmerzen wurde Torhüter René Adler rechtzeitig fit, Dennis Diekmeier und Cléber kehrten nach ihren Sperren zurück.

Die HSV-Spieler hier in der Einzelkritik

Nach nur 185 Sekunden schockierten die Gelb-Schwarzen die Gastgeber mit dem schnellen 1:0. Die neue Dreierkette sah schlecht aus, Adler konnte einen Zwölf-Meter-Schuss von Emre Mor nur abklatschen, Aubameyang schob aus kurzer Distanz mit dem linken Fuß ein. Artig bedankte er sich bei Thomas Tuchel, der die Suspendierung wegen eines Mailand-Trips aufgehoben hatte. Der Coach und sein Star umarmten sich und lachten.

Müller beendet torlose Phase

Technisch sicher trugen die Gäste ihr Angriffsspiel vor und hätten durch Aubameyang (18.) noch früher die Führung ausbauen können. Der Gabuner legte sich den Ball zu weit vor, Adler war zur Stelle. Leicht und locker folgten die Saisontore neun und zehn des Ausnahmestürmers. Beim 2:0 wollte HSV-Kapitän Johan Djourou den Ball auf Adler zurückspielen, der aufmerksame Mor fing den viel zu kurzen Rückpass ab und legte ihn Aubameyang in den Lauf. In seinem 100. Bundesliga-Spiel leistete sich Djourou erneut einen groben Patzer.

Beim dritten Treffer verteidigte Cléber wie ein Anfänger und ließ den pfeilschnellen Stürmer sträflich allein. Gisdol reagierte sofort und nahm den Brasilianer vom Feld. Auch offensiv ließ der HSV erneut Qualität vermissen. Die Fans pfiffen nicht nur zur Pause, sondern auch, als die Mannschaft wieder auf das Feld kam. Nach 737 torlosen Minuten beendete Müller dann die Flaute. Kurz vor Schluss nahm sich der beste Hamburger noch einmal ein Herz und traf aus 20 Metern.