80. Geburtstag

Die letzten Rätsel um HSV-Idol Uwe Seeler

Sowohl der HSV als auch der FC St. Pauli sind Tabellenletzter. Hoffnung auf Besserung: Keine. Die HSV-Idole Uwe Seeler, Jochen Meinke und FC St. Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig nehmen Stellung. Sie vergleichen den Fußball früher und heute.

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Hatte man ihn je für einen ausländischen Club spielen sehen? Und wofür erhielt er seine einzige Rote Karte? Hier sind die Lösungen.

Hamburg.  Das verschollene Foto. Die Fotoredaktion des Hamburger Abendblatts schüttelte den Kopf. „Wir haben 300 Agenturen elek­tronisch durchsucht – kein Treffer.“ Von diesem einen Spiel Uwe Seelers für den Cork Celtic Football Club am 23. April 1978 war kein Fotodokument auffindbar. Amtshilfe leisteten schließlich die Kollegen vom „Irish Exa­miner“ mit Sitz in Cork. Ein Foto zeigt Uwe Seeler in Aktion, das andere beim Autogrammeschreiben. Beim Betrachten der Bilder wird klar, warum der damals 41 Jahre alte Seeler glaubte, es handele sich um ein Freundschaftsspiel, um das ihn Adidas gebeten hatte; schließlich ist auf dem Trikot nur das Werbelogo des Sportartikelherstellers zu sehen, nicht das Emblem des Vereins. Ein weiteres Indiz: Auch sein früherer Mitspieler Franz-Josef Hönig war mit von der Partie des irischen Meisters von 1974 gegen die Shamrock Rovers.

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Dass es sich dann doch nicht um einen bedeutungslosen Kick handelte, wurde Seeler klar, als ihm die Verteidiger in die Beine grätschten. Was Seeler nicht wusste: Mittels einer Gastspielgenehmigung hatte sich Cork schon früher Alt-Stars ins Team geholt. Zweimal traf Seeler ins Tor: nach 57 Minuten mit einem Schuss aus 16 Metern, und zwei Minuten später bejubelten die Zuschauer den zweiten Treffer per Fallrückzieher vom Strafraumrand. Dummerweise hatten die Rovers bis zu Seelers Torshow bereits dreimal getroffen und kamen zu drei weiteren Toren. Endstand: 2:6.

Die Seeler-Briefmarke. Was soll man jemandem schenken, der erstens schon alles hat und sich zweitens alles selbst kaufen könnte? Keine ganz einfache Frage. Oft endet eine solche verzweifelte Präsentsuche mit einem persönlichen Foto. Oder mit Dingen, die nun wirklich kein Mensch braucht.

Dem Manager von Uwe Seeler aber fiel vor einiger Zeit etwas viel, viel Besseres ein. Werner Treimetten, seit Jahrzehnten der (Mit-)Organisator vieler Seeler-Termine (u. a. Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft) – sofern sie nicht von Ilka Seeler oder Seeler-Tochter Kerstin McGovern vereinbart wurden –, zeigte sich im Jahre 2012 ganz besonders erfinderisch. Er ließ eine deutsche Uwe-Seeler-Briefmarke anfertigen. Und zwar nicht nur eine, sondern einige Bögen davon.

Glücklich wurde damit nicht nur die Familie Seeler gemacht, sondern auch jene Leute, die einen solchen Brief mit einer damals noch gültigen 55-Cent-Marke mit dem Konterfei Uwe Seelers erhielten. Das war und ist mal eine ganz besonders feine Idee. Auf die die hiesige Post leider bislang nicht gekommen ist. Denn hierzulande werden nur Persönlichkeiten mit einer Briefmarke geehrt, die bereits gestorben sind.

Treimetten war aber keineswegs der Erste, der auf die Idee kam. Schon 1969 hatte das Emirat Ajman eine Gedenkmarke für Uwe Seeler im Wert von 15 Dirham (heute ca. 3,80 Euro) herausgebracht und 1972 eine 20-Dirham-Marke (ca. fünf Euro).


Ein Fuß für die Ewigkeit.
2,5 Tonnen schwer ist der Bronze-Fuß, der vor der Nordost-Ecke des Stadions zu bestaunen ist, 5,15 Meter breit und 3,50 Meter hoch. Dass es ihn überhaupt gibt, ist ein wunderbarer Zufall, der sich im Februar 2004 ereignete, als das HSV-Museum erstmals seine Pforten öffnete. Bei den Feierlichkeiten im Volkspark waren nicht nur Offizielle des Clubs zugegen, sondern auch Sponsoren und Freunde des HSV. So auch der Unternehmer An­dreas Maske, ein großzügiger Geldgeber für das Museum. Auch in seiner Loge hielten sich an diesem Tage viele geladene Leute auf, so auch Brigitte Schmitges aus Viersen (bei Mönchengladbach). Die Künstlerin hatte bereits für das Sportmuseum in Köln Bronzefüße von Pelé, Franz Beckenbauer, Fritz und Ottmar Walter, Wolfgang Overath und Günter Netzer angefertigt. Dass sie in der Maske-Loge saß, war allerdings purer Zufall, sie glaubte nämlich beim Betreten der Räumlichkeiten, auf den Boxer Henry Maske zu treffen. Doch bereits nach wenigen Gesprächsminuten war klar: „Wir machen gemeinsam etwas ganz Großes – einen Superlativ!“ Gesagt, getan.


Uwe Seeler: "Klassenerhalt wird sehr schwierig"
Video: abendblatt.tv

Der ominöse Platzverweis. Es passierte am 1. Dezember 1957: Uwe Seelers einziger Platzverweis seiner Karriere. Seeler wurde in der 65. Minute des Heimspiels gegen Bremerhaven 93 vom Braunschweiger Schiedsrichter Walter Höfel vorzeitig zum Duschen geschickt – und am Rothenbaum war, trotz der Tatsache, dass der HSV durch Treffer von Dieter Seeler und Uwe Reuter 2:1 gewonnen hatte, die Hölle los. Es gab Tumulte und Handgreiflichkeiten bis weit nach dem Schlusspfiff, die Polizei wurde herbeigerufen – die Volksseele kochte.

Was aber war denn passiert? Was Höfel in seinem Spielbericht vermerkt hatte, war der Öffentlichkeit bis heute unbekannt. Dem Hamburger Abendblatt liegt jetzt eine Kopie vor.

Walter Höfel schreibt: „Nach etwa 20 Minuten Spieldauer in der zweiten Halbzeit verwies ich den Spieler Uwe Seeler, H.S.V., ohne vorherige Verwarnung des Feldes. Begründung: Die Spieler Uwe Seeler und Wagenbreth sprangen im Mittelfeld nach einem hohen Ball und prallten dabei in der Luft heftig zusammen. (...) Es gelang Wagenbreth, den Ball wegzuköpfen. Während ich gerade im Begriff war dem Ball nachzulaufen, drehte ich mich noch einmal um und sah, dass der Spieler Seeler den Spieler Wagenbreth absichtlich gegen die Beine trat. Da der Ball zu diesem Zeitpunkt bereits im Besitz eines anderen Spielers war, handelte es sich nicht mehr um ein Nachtreten, sondern um ein grobes Foul. Seeler kam meiner Aufforderung, das Spielfeld zu verlassen, fast augenblicklich nach. (...) Von diesem Moment an wurde vom Publikum sehr lautstark und heftig randaliert. Es kam zu minutenlangen Sprechchören, in denen ich u. a. als „Schieber“ bezeichnet wurde. (...) Bei Eckstößen wurde ich am Tor von Bremerhaven 93 einige Male mit Dreck und kleinen Steinchen beworfen und von den hinter der Torlinie sitzenden und stehenden Zuschauern bedroht. Nach dem Abpfiff, noch vor der Ausbringung des Sportgrußes, wurde ein besonders angriffslustiger Mann von dem Spielern Posipal verjagt.“

Endlich gute HSV-Laune dank Uwe Seeler: